s Ab-normal Beauty (2004) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Ab-normal Beauty

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Reviewer

D.S. * 6.5

Bild-schön.

Wieder mal ein Pang Brothers-Film. Wieder mal Geister und übernatürliche Schockmomente? Nein. Abgesehen davon, daß auch hier ein Mädchen mit blassem Gesicht, wallenden dunklen Haaren und tief liegenden Augen die zentrale Figur darstellt, enthält "Ab-normal Beauty" auf der Handlungsebene keine Elemente der großen Horror-Erfolge der Pangs wie "The Eye" 1, 2 und 10 oder "Bangkok Haunted".
Dennoch handelt es sich um einen Horrorfilm, oder besser: einen beklemmenden Thriller - dessen Stärken allerdings weniger in der erzählten Geschichte, als vielmehr in seiner Inszenierung liegen. Bis zu einem gewissen Grad kann man das zwar auch über die meisten anderen Filme der Brüder sagen, hier aber fällt es extrem auf: Look, Kamera, Sound, Schnitt - hui!! Story: bestenfalls naja.

Der Vorspann beginnt mit Aufnahmen von Menschen, die sich in einer Ausstellung zeitgenössischer Fotografie ungewöhnliche Bilder ansehen. Damit wird gleich in zweierlei Hinsicht angekündigt, worum sich der Film drehen wird: einerseits um das Thema Fotografieren als Handlungsträger und -auslöser. Andererseits eben, wie angedeutet, um eine hohe Zahl visueller Schauwerte. Tatsächlich erinnert "Ab-normal Beauty" des öfteren an ein modernes, bewegtes - und düsteres - Kunstwerk: Insbesondere im ersten Drittel des Films kommt man aus dem Staunen über und auch der Begeisterung für das Spiel mit intensiven Farben und (Farb-)Kontrasten, ungewöhnlichen Bildausschnitten und Kameraperspektiven, das hier getrieben wird, kaum noch heraus. Über weite Strecken erscheint wirklich nahezu jedes Einzelbild exakt durchkomponiert, und später im Film addieren auch Sounddesign und (phasenweise) schneller, ungewöhnlicher Schnitt zu dem hinzu, was "Ab-normal Beauty" über alles auszeichnet: eine extrem dichte Atmosphäre, die den Zuschauer packt und ihn in eine makabre und oft auch reichlich bizarre Erlebniswelt zieht.

Leider genügt all das jedoch nicht, um einen Film zu produzieren, der in seiner Gesamtheit überzeugt. Nach einer gewissen Zeit gewöhnt sich das Auge an die Überflutung mit ungewöhnlichen Reizen. Und wenn das Visuelle und Atmosphärische zwar auch im zweiten Teil des Films (nach einer kürzeren "Durchhänge-Phase") überzeugen kann: es reicht nicht aus, um die flache Story und das unglaubwürdige Handeln der Figuren zu übertünchen. Allerdings liegt dies auch nicht NUR an einer eventuellen Gewöhnung: von der Storyseite betrachtet, zerfällt "Ab-normal Beauty" fast in zwei Hälften. Die "große" Handlung voller Dramatik und spannender Geschehnisse beginnt erst im zweiten Teil des Films, während der erste von ungewöhnlichen Situationen und überraschenden Verhaltensweisen lebt. Letztere sind aber eben wirklich weitgehend ungewöhnlich und überraschend - und führen zu einem Abschluß, finden eigentlich ein Storyende. Was dann wie aus dem Nichts in der Mitte des Films als "eigentliche" Story beginnt, entpuppt sich als albern bis dumm.

Hauptfigur des Films ist die junge, hübsche Kunststudentin Jiney, die in einer mehr als freundschaftlichen Beziehung zur ebenso jungen und hübschen Jasmine steht. Auf dem Weg zu ihr wird Jiney Zeugin eines Autounfalls mit tödlichem Ausgang. Sie fühlt sich spontan von der Situation angezogen, tritt vor die Leiche des Fahrers - und fotografiert sie. In der Folge zeigt sie eine immer größere Faszination für den Tod und das Sterben, ja, sie wirkt bald fast schon besessen. Während sie nach blutigen, gewalttätigen, tödlichen Situationen sucht bzw. diese herbeiführt (Warnung: einige der hier gezeigten Szenen sind nicht unbedingt etwas für Tierfreunde...), entfremdet sie sich mehr und mehr von ihrer Außenwelt. Auch Jasmine weiß nicht mehr, wie sie mit ihr umgehen soll und woher ihr Verhalten rührt... bis Jiney schließlich mit der Wahrheit, mit den Gründen für ihre Charakterstörungen herausrückt.

Tja - ab diesem Moment wird aus Jiney wieder ein ganz normales, geradezu glückliches junges Mädchen, das in der Lage scheint, das Leben zu genießen. Bis sie plötzlich vor der Tür ihrer Wohnung ein Videotape findet, auf dem jemand die grausame Folterung und Ermordung einer unbekannten Person zelebriert...

Was dann folgt, ist, wie gesagt, alles andere als außergewöhnlich oder überzeugend (von der Inszenierung einmal abgesehen). Die plötzliche Wandlung der Situation und vor allem des Charakters der Hauptfigur in der Mitte des Films läßt vieles, was vorher gezeigt wurde, als ziemlich überflüssig erscheinen. Hatte die Figur der Jiney vor dem scheinbar traumatisierenden Erlebnis ihrer ersten "Todes-Fotografie" kaum Zeit, ihren "normalen" Charakter zu zeigen bzw. zu entfalten, so war ihre extreme Wandlung zwar nicht unbedingt komplett überzeugend bzw. glaubwürdig, aber doch beeindruckend und damit effektiv. Daß sie dann aber, nachdem sie sich selbst und uns einmal über die Hintergründe ihrer Faszination für den Tod (die übrigens eine so extreme Charakter-Wandlung auch nur bedingt befriedigend begründen können) aufgeklärt hat, sofort zu einem Happy-Go-Lucky-Frauchen wird - sorry, das ist ein zu plötzlicher, zu radikaler Umschwung. Einer, der auch gar nicht nötig gewesen wäre (und letztlich nur zu ein paar "Frauen-Szenen" führt: sich ausheulen, sich trösten, sich verstehen): wäre ihr Charakter, wäre ihre Wahrnehmung der Welt so düster geblieben wie in der ersten Hälfte des Films, dann wäre das Folgende vermutlich wesentlich interessanter gewesen. So aber kriegen wir nur die, relativ typische, Auseinandersetzung eines "lieben Mädchens" mit "finsteren Schrecken" geboten.

Zusammengenommen: "Ab-normal Beauty" ist ein durchaus interessantes und intensives Film-Erlebnis. Aber leider wird es durch die Handlung zu einem gewissen Teil versaut. Gesehen haben sollte man den Film aber doch, wie ich finde. Und sei es nur der Bilder wegen. 6,5 von 10 Punkten.

Epiphanie * 6.0

Schöne Bilder statt spannender Thriller

Dominic Saxl hat mit seinem Review so gut vorgelegt, dass ich eigentlich nichts hinzuzufügen haben. Ich versuche es aber trotzdem.

Ab-normal Beauty ist außergewöhnlich schön fotografiert und hält damit das Interesse des Zuschauers über eine lange Zeit hinweg wach. Da die Geschichte von Jiney, die unter einem nicht verarbeiteten Kindheitstrauma leidet, und seit der zufälligen Beobachtung eines Autounfalls eine unerklärliche Faszination für den FOTOGRAFISCH festgehaltenen Augenblick des Todes hat, nicht besonders spannend inszeniert ist, verfällt der Zuschauer nach und nach in Langeweile. Der zweite Handlungsstrang über den FILMISCH festgehaltenen Augenblick des Todes setzt viel zu spät ein und kann den Film schlussendlich nicht mehr retten. Wer sich allerdings von den Bildern mitreißen lässt und den zweiten Handlungsstrang abwarten kann, der kann sich sogar gut unterhalten fühlen.

Da der zweite Teil des Films konstruiert und unglaubwürdig ist, hätte ich es vorgezogen, wenn darauf zugunsten von mehr Tiefe im ersten Teil des Films verzichtet worden wäre.

ZardoZ * 3.0

Hat mich schon der gehypte THE EYE ziemlich enttäuscht, so wurden meine niedrigen Erwartungen hier noch weit unterboten. AB-NORMAL BEAUTY ist ein seelenloses, inhaltsleeres Filmchen, das mit tollen Bildern und flashigen Effekten zu erschrecken versucht. Von solchen billigen Vertuschungsversuchen unbeeindruckt, muss man erkennen, dass die Story belanglos zusammengekleistert wurde. Man gibt irgendwann einfach auf und akzeptiert, dass alles einfach irgendwie passiert, d.h. die Handlung nicht logisch fortschreitend aufeinander aufbaut, sondern vieles einfach keinerlei Bedeutung hat.
Ich werde in Zukunft einen weiten Bogen um die Filme der Pangs machen und kann von AB-NORMAL BEAUTY nur abraten.

Stingray * 7.5

Doppeldeutiger Titel

Der Film trägt einen schönen doppeldeutigen Titel, der sich sowohl auf die photographierten Motive als auch auf die sehr leckere Hauptdarstellerin bezieht. Diese hat mir auch darstellerisch sehr gefallen.
Etwas verblüffend an dem Film fand ich, dass ich ernsthaft dachte, der Film hatte erzählt, was er erzählen wollte und gleich kommt der Abspann, als es plötzlich quasi noch einen Nachklapp gibt.
Dieser zweite Teil des Films ist nicht schlecht, aber nicht wirklich gelungen, da der aufmerksame Zuschauer recht schnell weiß, wie der Hase läuft. Hätte man auch weglassen können, die Entwicklung der Heldin war sowieso viel interessanter und spannender (wie gesagt, gut gespielt) als die darauf folgende Standard-Handlung.

Teilweise vielleicht etwas zu dick aufgetragen von der Story und Inszenierung her, aber alles andere als oberflächlich. Gute Sache!

Sehr verwirrend waren bei dem Film die Untertitel, die gleichzeitig mandarin (da in kantonesisch gedreht) und englisch waren. Und in der englischen Fassung hatten die Charaktere andere Namen als gesprochen wurde...
Wäre das zuviel verlangt gewesen, für eine internationale Version des Films nicht die Festland-Chinesen-Fassung (mit eingebrannten mandarin-UT) zu nehmen?

war im Cinecitta', Nürnberg

Alexander * 6.5

Spätes Erwachen

Diese Produktion kommt stellenweise wie die asiatische Hommage zu Jörg Buttgereits "Todesking" und "Nekromantik" rüber, allerdings ohne die in den deutschen Werken stattfindende Exploitation... Die Faszination der jungen Jin zu allem, was nicht oder fast-nicht mehr lebt, wird in ruhigen, klaren und vor allen Dingen LANGEN Einstellungen sehr eindringlich vermittelt. Die meiste Zeit hat man das, zugegebenermaßen hübsche, Gesicht der Hauptdarstellerin in Großaufnahme auf der Leinwand. Das regt in einer Mitternachtsvorstellung nach einem langen Kino-Tag nicht mehr besonders auf, bis dann auf etwa halber Strecke zum Ende der bitterböse Nachschlag kommt und dem geneigten Zuschauer in Form einer recht unerwarteten Wendung, die inhaltlich eigentlich nichts mit den bisherigen Geschehnissen gemein hat, die Faust in den Magen gerammt wird.

saß im Metropolis, Frankfurt

Eraserhead * 7.5

Normal Beauty

Ein schönes Kunstwerk, der Film - hübsche Bilder (Darsteller), toller Sound. In all dem Kunstdunst bleibt aber total die Handlung auf der Strecke, so dass nach der Hälfte des Films ein wenig Langeweile aufkommt, da halt schöne Bilder vielleicht in Videoclips ausreichen, für 100 Min. doch zu wenig sind. Größtes Manko für mich: der Film war einfach nicht abnormal genug, er hätte ein wenig krankhafter sein können (müssen!), so hätte dem dünnen Plot sicherlich ausdrucksstärker entgegengesteuert werden können. So wird der in der Tat faszinierende gewaltsame Tod hier eigentlich nur weichspülmäßig auf Hochglanz getrimmt, ohne dass man sich hier zu winden braucht. Mehr Mut wäre hier sicher angebracht gewesen. Trotzdem lohnenswert.

war im Metropolis, Frankfurt

GeorgeKaplan * 9.0

Außergewöhnlich schön!

war im Cinedom, Köln

FFFler * 5.5

Pang enttäuscht erneut

Zwar ist der komplette Film sehr spannend in Szene gesetzt worden und hat in der ersten Hälfte auch eine gute Atmosphäre zu bieten, jedoch hat es der Regisseur wohl nicht geschafft das Ausgangsthema auf Spielfilmlänge zu bringen. So ändert er nach gut der Hälfte der Laufzeit plötzlich das komplette Szenario, was den ganzen Film unglaubwürdig macht, da dieser Handlungsstrang einfach nicht zum Rest passt und zudem sich nur den Klischees typischer Horrorfilme anpasst. Wäre der Film nach 45 Minuten zu Ende gewesen, er hätte mir sicherlich besser gefallen, so ist er leider nur Durchschnitt.

war im Metropolis, Frankfurt

landscape * 7.0

Ich habe am Tag vorher Shutter gesehen, und dagegen fällt Ab-Normal Beauty ab.
Ich bin auch der Meinung, dass ab dem vermeintlichen Happy-End in der Filmmitte die Glaubwürdigkeit stark leidet. Da hätte er zu Ende sein können und man hätte nichts vermisst.
Aber es gibt genug Gründe, sich den Film anzusehen.
Die Darsteller sind gut. Besonders der ersten gemeinsamen "action painting"-Szene zwischen Anson (?) und Jiney geht ein mimisches personal shifting voraus, das wirklich verdammt gut ist.
Der einführende "filmische Essay" über die Kunst des Fotografierens hat Spaß gemacht, und dass der Moment des Auslösens die Szenerie einfriert oder gewissermaßen tötet, ist nicht neu, leitet aber gut in Jineys persönliche künstlerische Entwicklung ein. Dann lotet sie das Feld aus.
Die Ausflüge in ihre Kindheit lassen den Betrachter dann schon erahnen, dass die Kraft der Bilder von toten Gegenständen nicht alleine schuld an ihrer Obsession sind.
Wie sie dann den fotografischen Totpunkt erkundet, ist teils spielerisch, teils manisch, auf jeden Fall für jede Interpretation weit offen.
Dass sie die Kontrolle über sich und ihre Arbeit erhalten will, wird auch gut vermittelt.
Leider kommt dann auch noch der Film ins Spiel, und dieser letzte Twist geht ins Aus.

war im Cinemaxx, Hamburg

20 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Ab-normal Beauty
  • f3a.net: 6.4/10 20
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-09-19 08:23

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