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Review After Life

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Dieser Review enthält SPOILER!

von D.S.
Hm, etwas sehr eigenes ist der Film auf jeden Fall. Seeeehr langsam. Man muß unbedingt in der
richtigen Stimmung, entspannt und aufnahmefähig sein, um damit etwas anfangen zu können.
Die Ausgangsidee ist natürlich genial: wir sind Zeuge einer ganz normalen Woche in einer
ganz normalen Behörde, die mit ganz normalen Menschen zu tun hat.
Was allerdings ihr Job ist, ist sehr abseitig und führt zu vielen Momenten, die man
als Zuschauer einfach nur bizarr erlebt: jedem einzelnen beizubringen, daß er gerade gestorben
ist und jetzt drei Tage Zeit hat, sich eine einzige schöne Erinnerung aus dem ganzen Leben herauszupicken, die dann für immer bei ihm bleiben wird - während alles andere "gelöscht" wird.
Als Entscheidungshilfe können auch Videotapes herbeigeschafft werden, die einem sein ganzes Leben
noch mal vor Augen führen - ein Opa kriegt so 71 Tapes vorgelegt, eines für jedes Lebensjahr. Er tut sich trotzdem reichlich schwer ;-)
Nach Ablauf der Frist wird die eine Szene, an die man sich erinnern möchte, so gut es geht nachgestellt und gefilmt; dann sieht man
sie sich in einem Kino an, und das war's dann.
Eigentlich zerfällt der Film in zwei Hälften. Die erste besteht vor allem aus Interviews der "eingelieferten" Toten und kommt fast
wie ein Dokumentarfilm rüber. Die Leute sitzen vor der Kamera und erzählen aus ihrem Leben, wobei einige hart damit zu kämpfen haben,
daß es offenbar gar nichts gibt, was es wert wäre, erinnert zu werden. Die Mehrheit wählt schließlich Erinnerungen aus der Kindergarten-Zeit.
Dann aber geht es daran, die Erinnerungen zu verfilmen - wobei diese überirdische Behörde mit Materialmangel und allgemein ganz ganz schlechten Bedingungen zu kämpfen hat.
Und dann geht es vor allem darum, daß einer der Beamten in einem Toten den zweiten Ehemann der Frau erkennt, die er früher selbst
einmal geliebt hat, bevor er gestorben ist. Er selbst konnte sich niemals für eine Erinnerung entscheiden - darum muß er jetzt in der Behörde arbeiten. Nun aber sieht bzw. erfährt er, daß diese Frau mit ihm so glücklich war wie niemals sonst, was ihn zur
philosophischen Erkenntnis des Films schlechthin führt: wenn man selbst keinen tollen Moment hatte - vielleicht war man Teil eines
tollen Moments einer anderen Person. Und das ist an sich wertvoll genug.
Tja, man sieht also, ein sehr sehr nachdenklicher bis vergeistigter Film; teils schwermütig, teils nur bizarr oder grotesk.
Ohne alle Effekte, "handgemacht", in weiten Teilen wie eine Dokumentation.
Aber nicht immer einfach anzusehen, vielleicht einfach etwas zu lang. Und aus der grandiosen Grundidee
hätte man vielleicht noch etwas mehr herauskitzeln können. Aber schon etwas besonderes - und wert, gesehen zu werden, wenn man Zeit und Nerven dafür hat.
70%

war im Royal Palast, Berlin

8 Bewertungen auf f3a.net

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After Life
  • f3a.net: 7.3/10 8
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-12-16 04:19

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