s American Animals (2018) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews American Animals

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Reviewer

PinkyHH * 6.0

Das amüsante Scheitern eines Buchklaus

Heute erklärt euch der Klaus, wie man einen Raub verkackt. Was brauchen wir dazu?
- Vier mäßig talentierte Typen, die von einem besseren Leben träumen
- Ein paar wertvolle Bücher, die nicht wirklich gut gesichert sind
- Einige „super durchdachte“ Pläne und
- Ganz viel Zeit.

Die lässt sich dieser Film, um die Charaktere ausgiebig vorzustellen. Das ist okay, aber es hätte gern entweder spannender oder kürzer sein dürfen. Filmisch ist das Ganze gut umgesetzt, die Schauspieler sind auch überzeugend, aber es zieht sich, bis es dann nach weit über einer Stunde endlich spannend wird.

Der coolste Thriller des Jahres 2018 (wie in der Vorankündigung behauptet) ist dieser Film hoffentlich nicht, zum einen ist das Jahr noch nicht zu Ende und zum anderen hat der Film durchaus Luft nach oben. Die Filme von der Olsenbande machen da durchaus etwas mehr Spaß.

Gut gelungen ist jedoch die Verbindung zwischen den echten Akteuren und denen, die sie spielen. Nur für knapp zwei Stunden Laufzeit passiert insgesamt leider etwas wenig.

Alexander * 8.0

Just Do It!

„American Animals“ ist immer dann am besten, wenn er völlig ungeniert große Szenen aus anderen „Heist“ Movies zitiert, um sich dabei selber so richtig auf die Schippe zu nehmen. Der Cineast erkennt die Anspielungen an „Oceans 11“ oder „Reservoir Dogs“ natürlich sofort und hätte sich vielleicht auch wegen des ansonsten recht ernsten Grundthemas des Films, noch mehr solche spaßigen Einspieler gewünscht.

Das Thema von „American Animals“ ist natürlich nicht neu und reiht sich ein in die Tradition großer Filme, die zeigen was bei einem „Raub“ alles so richtig schief gegen kann. Das bei einer Geschichte dieser Länge zwangsläufig etwas schief gehen wird, ist eigentlich klar wie Kloßbrühe und sorgt insbesondere in der zweiten Filmhälfte dann für einen ordentlichen Schubs in Richtung Spannungskino. Bis dahin entwickelt der Film mit gut gezeichneten Charakteren und philosophischen Dialogen seine Geschichte zwar mit einigen Längen aber ohne Langeweile. Denn auch wenn man von Anfang an zu wissen glaubt, was passieren wird, ist „American Animals“ weniger vorhersehbar als man zunächst denkt und hält noch einige Überraschungen parat.

Das Interessanteste dabei dürften die Alter Ego der Protagonisten und auch deren Eltern sein, die die in Teilen recht innovativ gefilmte, und auf wahren Begebenheiten basierende Story in Rückblenden erzählen, und der sich nur allmählich enthüllenden, und im Kern eigentlich recht simplen Geschichte, mit ihrem teils sehr emotionalen Spiel eine zusätzliche Ebene verleihen. Auch die typisch amerikanische, opportunistische Herangehensweise – „Just do it! -mal eben was klauen, kein Problem!“ – sorgt in Teilen des Films, nicht nur wegen einigen ungelenken Missgeschicken, für Frohsinn und gute Unterhaltung.

Man könnte dem Film natürlich vorwerfen, eine simple „Heist“ Idee zu enormer Länge aufzublasen, ohne dabei an die coole Lässigkeit und den für diese Spielzeit vielleicht notwendigen, extrem hohen Unterhaltungswert einer Produktion von Steven Soderbergh heranzureichen. Aber auch wenn Soderbergh in „American Animals“ grandios zitiert wird, hinkt der Vergleich. Denn der Film von Bart Layton hat immer noch genug gute und eigenständige Ideen, talentierte Schauspieler und hohen Anspruch, um einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer zu hinterlassen. Ob man ihn deshalb unbedingt gleich zum „Thriller des Jahres“ hochjubeln muss sei mal dahingestellt. Für mich war der Film deutlich mehr Drama als Thriller, aber deutlich gutes Drama.

landscape S * 7.5

Dieser Review enthält SPOILER!

Mal jemand Besonderes sein

Warum das ganze Leben malochen, wenn man mit einem Coup sorgenfrei leben kann? Also zieht man sich alle möglichen Filme rein und plant den Einbruch in eine Bibliothek...

Spencer scheint schon sehr bald eher von der Vorstellung fasziniert, zieht dann nach einer Vision das Ding bis zum Ende mit durch. Und jeder Coup hängt natürlich von der Sorgfalt und der Selbstbeherrschung ab, die man in dem Moment braucht, wenn man mitten drin ist.

Und deshalb ist dieser Film über das Scheitern sehenswert, denn so einfach ist es halt nicht. Immer gibt es etwas, was nicht bis zum Ende durchdacht werden kann, und es ist auch nicht einfach, die Ware loszuwerden. Und noch schwerer ist es, mit der Tat zu leben, die man begangen hat.
Und genau das deutet der Trailer nicht an, man erwartet einen saucoolen Coup.

war im Savoy, Hamburg

Leimbacher-Mario * 7.5

Wer zum Teufel bist du?!

Was macht man in Kentucky, wenn man alles hat und dennoch keine Ahnung wohin bzw. was man will und wer man ist? Man raubt seine Bibliothek aus! So geschehen vor knapp 15 Jahren und nun verfilmt in einem der frischesten und kreativsten Heist-Filme aller Zeiten. Ja, das ist keine Übertreibung. "American Animals" ist ein großer Wurf und holt das Subgenre brutal und brutal unterhaltsam auf den Boden der Tatsachen zurück. Ehrlich, trocken, menschlich und spannend. Alles was man braucht. Das Gegenteil von Danny Ocean und Co. Regisseur Bart Layton macht sich spätestens jetzt einen Namen, den man auf jeden Fall verfolgen will. Selbst wenn seine Doku "The Imposter" schon genauso sehenswert war und sich sogar einige Themen wie die verschiedenen Seiten einer Geschichte oder der Wahrheit auch in diesem etwas größeren Geheimtipp wiederfinden.

Es gibt viele Gründe, warum "American Animals" grandios ist und sicher auf etlichen Bestenlisten am Ende des Jahres landen wird. Meine eingeschlossen. Da hätten wir die technische und audiovisuelle Seite, mit einem ultracoolen Soundtrack und einer pfiffigen Inszenierung, die Fakt und Film, True Crime und Hollywood verschmelzen lässt. Dann wäre da die starke Besetzung, bei der wir mit Evan Peters und Barry Keoghan zwei künftige Allstars auf ihrem bisherigen Zenit erleben. Und dann wäre da noch die unglaubliche und wahre Geschichte, die witzige Überfallvorbereitungen mit einem bitteren, emotionalen Ende verbindet und erfolgreich konterkariert. Hier stimmen die Details, die Nuancen und die Kleinigkeiten, die einen über die Linie treiben können. Sei es Langeweile oder Orientierungslosigkeit, Wut oder Weltschmerz, Enttäuschung oder Leere.

Fazit: Ein feiner Heist-Movie über die ziellose Generation Y nach einer unfassbaren wahren Begebenheit. Wohin Langeweile, Egoismus, Gier, Dummheit und Orientierungslosigkeit führen (können). Top Ensemble, lässiger Soundtrack, frischer Style mit dokumentarischen Einschüben - schönes Ding!

war im Residenz, Köln

Lizzie * 9.5

Mehr als Kino

Vier Mittelschichtskids, die was erleben wollen und daher beschließen, einen spektakulären Raub durchzuführen, beruhend auf einer wahren Geschichte - ist das der coolste Thriller des Jahres? Nein, vermutlich nicht. Aber es ist ein klasse Film, der mit normalen Heist-Movies nicht viel gemein hat, sondern etwas ganz neues, anderes, mit ungewöhnlichen Mitteln erzählt - mehr Drama und Charakterstudie als Thriller. Aber spannend, originell, stellenweise sehr lustig und dabei sehr bewegend.
Der Film nimmt sich viel Zeit, dass wir die Jungs, allen voran die Freunde Spencer und Warren, gut kennenzulernen. Ihre Idee mag idiotisch sein, aber der Film macht vollkommen nachvollziehbar, warum sie darauf kommen und wie sich das Rumspinnen langsam in einen richtigen Plan verwandelt, der in ihren Augen ein riesiges Abenteuerspiel ist: Sie kaufen alberne Kostüme, sie geben sich die Tarnnamen aus "Reservoir Dogs". Nur, dass die Wirklichkeit eben anders funktioniert als ein Film.
Und dass wir in der Wirklichkeit sind, zeigen auch die sorgfältig eingesetzten Interviews mit den echten vier Jungs von damals, heute junge Männer um die 30, sowie deren Eltern und anderen Menschen, die sie damals kannten. Diese dokumentarischen Einsprengsel sind kein Gimmick, sondern ziehen noch mal ganz neue Ebene in die Erzählung: Interessant ist nicht nur, wie alle ihre Entscheidungen im Rückblick bewerten. Sondern auch, wie und an was sie sich unterschiedlich erinnern. Ein Film kann immer nur eine Version erzählen. Aber dieser hier ist sich bewusst, dass es auch eine ganz andere Geschichte hätte werden können.
***SPOILER*** Kleiner Spoiler: Nachdem ich diesen Film und den ebenfalls auf Tatsachen beruhenden "Bomb City" gesehen habe und nun weiß, welche Strafen jeweils verhängt wurden, frage ich mich ernsthaft, was eigentlich mit dem amerikanischen Rechtssystem los ist.

war im Cinestar, Berlin

Janina Himmen * 8.5

What Keeps You Alive

Wofür lohnt es sich, kriminell zu werden? Für Geld? Oder dafür, einmal im Leben ein richtig großes Abenteuer gehabt zu haben, das einen für später inspiriert?

Mit Filmen, die auf wahren Begebenheiten beruhen, habe ich normalerweise meine Probleme. Häufig habe ich mich z. B. bei Biopics schon übertrieben darüber geärgert, wenn bestimmte Dinge der puren Dramatik wegen verfälscht oder komplett dazu erfunden wurden - obwohl das natürlich immer so ist. Ich fühle mich dann trotzdem hinters Licht geführt, weil ich mir den Film doch eigentlich angesehen habe, um mehr über etwas zu erfahren, was sich wirklich so zugetragen hat. Wenn man es damit nicht genau nimmt, sehe ich mir lieber eine richtige Dokumentation an.

AMERICAN ANIMALS vereint nun beides: Einen Spielfilm, der auf einer wahren Geschichte beruht. Und eine Dokumentation. Zwischen den nachgespielten Szenen kommen immer wieder die echten Menschen zu Wort. Man sollte sich das aber nicht vorstellen, wie bei irgendwelchen schnell heruntergedrehten Doku-Reihen über Kriminalfälle, in denen Laienschauspieler eher wenig filmreif nachstellen, was passiert ist. AMERICAN ANIMALS ist ein erstklassig gefilmter Heist Movie und punktet nicht nur mit überzeugenden Schauspielern, sondern auch mit guter Kameraarbeit und Musik. Hier passt einfach alles. Man hat nicht das Gefühl, eine Doku mit eingeschobenen Filmszenen zu sehen, sondern einen Film, dem die Kommentare der Beteiligten eine zusätzliche Ebene verleihen. Und alles fügt sich überraschend gut zusammen.

Was mir außerdem sehr gefallen hat, ist, dass mein persönliches Problem ernst genommen wird, das ich damit habe, wenn Filme einen auf "so war es!" machen. AMERICAN ANIMALS zeigt offen, dass das, was wir sehen, nicht genau dem entspricht, was sich damals zugetragen hat. Denn selbst die Erinnerungen derer, die dabei waren, unterscheiden sich teilweise extrem voneinander. Diese Ehrlichkeit ist mir sehr sympathisch. Natürlich sollte man sich dessen sowieso immer bewusst sein, aber es ist trotzdem schön, wie es hier eingebaut wurde.

Zur Handlung an sich möchte ich gar nicht zu viele Worte verlieren, aber obwohl ich Heist Movies sonst wenig abgewinnen kann, war ich durchgehend gefesselt. Nein, das ist sicher nicht der Kriminalfall des Jahrhunderts. Aber er ist echt und der Film funktioniert nur deshalb, weil man die "Gangster" sympathisch finden kann. Es gibt eine Menge zu lachen, auch wenn vor allem gegen Ende die Stimmung ziemlich kippt.

AMERICAN ANIMALS ist nach DER BLENDER (The Imposter) erst der zweite Film des Regisseurs Bart Layton, aber ich bin schon gespannt, was er uns als nächstes präsentieren wird. Schon sein Erstlingswerk hat mir sehr gefallen und mit AMERICAN ANIMALS hat er jetzt bewiesen, dass er kinoreife Bilder liefern kann. Bisher mein Lieblingsfilm von diesem Fantasy Filmfest Jahrgang!

Erstveröffentlichung

saß im Harmonie, Frankfurt

D.S. * 7.5

Birds of a Feather

Viel kann ich den bisherigen Reviews kaum hinzufügen – AMERICAN ANIMALS ist sowohl ein super-stylischer Heist-Movie als auch eine Tragikomödie, die durch ihre Verankerung in der Realität einerseits melancholisch stimmt (weil durch die hier erzählte Geschichte gleich mehrere Leben so völlig überflüssig schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden), andererseits beim Publikum für offene Münder sorgt. Denn die vermittelte Chuzpe, welche die damaligen Möchtegern-Kunsträuber an den Tag legten, wirkt tatsächlich schwer beeindruckend. Ihre Naivität aber mindestens ebenso sehr.

Abgesehen von der unglaublichen, durchweg elegant in Szene gesetzten Handlung bestechen vor allem die Darsteller der vier Täter von 2004, und unter ihnen insbesondere Barry Keoghan (THE KILLING OF A SACRED DEER) als Spencer Reinhard, eine der beiden zentralen Figuren des versuchten Raubs. Dabei ist bemerkenswert, wie sie nicht nur ihre jeweiligen Charaktere glaubhaft zum Leben erwecken, sondern auch die Gruppendynamik nachvollziehbar machen: vier sehr verschiedene Persönlichkeiten, die sich gegenseitig immer weiter anstachelten, einander die jeweiligen Vorbehalte ausredeten und sich schließlich von der Jungs-Abenteuer-Fantasie selbst in ein Kapitalverbrechen hineinschlidderten. Mitgefangen, mitgehangen – allerdings in einer Story, welche die Beteiligten durchaus unterschiedlich erinnern... so sehr sie auch alle gleichermaßen Teil von ihr waren.

Diese unterschiedlichen Sichtweisen auf ein und dasselbe Geschehen bringt AMERICAN ANIMALS sehr smart herüber, wobei er einen besonderen Kniff anwendet: Er lässt auch die realen Charaktere zu Wort kommen, in kurzen Interviewsequenzen, die immer wieder in die Spiel-Handlung hineingeschnitten werden und Blicke hinter das gezeigte Geschehen ermöglichen. Nebenbei: die Montage ist grandios, der Übergang von Spiel zu Doku immer nahtlos und oft sogar fast heimtückisch überraschend.

Ein wenig kürzer hätte der Film vielleicht sein können, im Finale etwas stärker gestrafft. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau: AMERICAN ANIMALS ist ein elaborierter Thriller und eine so schonungslos schmerzhafte wie grandios unterhaltsame, fantastisch inszenierte Reise ins narzisstische Herz der spätkapitalistisch geprägten Persönlichkeit. Macht so viel Spaß wie er abgrundtief traurig oder zumindest fassungslos macht – 7,5 Punkte, eins der Festival-Highlights 2018.

goutierte im Harmonie, Frankfurt

Herr_Kees * 8.0

American Snowflakes

Der Heist läuft auf Hochtouren und wir wissen, dass irgendetwas schrecklich schief gehen wird. Wir wissen nur nicht, was – und wie.

Die Mischung aus spannendem Heist-Movie und dokumentarischen True-Crime-Portraits ist filmisch eine echte Glanzleistung: Eine solche Kombination aus cleverer Gaunerstory und sowohl kommentierenden als auch relativierenden Interviews mit den realen Personen hat man so noch nicht gesehen. Da kann es schon mal sein, dass mitten in der Szene die Location wechselt, weil die beiden Interviewten unterschiedliche Erinnerungen haben. Diese Art der Inszenierung hebt den Film vor allem emotional auf eine andere Ebene – aus den anfangs liebenswerten jugendlichen Gaunern werden rückblickend ziemlich selbstsüchtige Figuren, die einem aber durchaus auch leid tun.

Von den Darstellern über Kamera, Schnitt und Regie bis hin zum Score und der fantastischen Musikauswahl ein Genuss – und ein Film, der zum Nachdenken anregt.

saß im Metropol, Stuttgart

38 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

American Animals
  • Score [BETA]: 74
  • f3a.net: 7.1/10 38
  • IMDb: 7.1/10
  • Rotten Tomatoes: 87%
  • Metacritic: 67/100
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-11-20 16:05

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