s AnyMart (2026) Review - Fantasy FilmFest Mobil
Menü

Reviews AnyMart

Finden

Reviewer

D.S. * 7.5

Lost in the Supermarket

In der Hitliste der grausamen McJobs steht „Arbeiten im Supermarkt“ vermutlich ziemlich weit oben. Zumindest aber wird man nach Sichtung dieser japanischen Horror-Groteske eher schreiend davonlaufen, als eine solche Stelle anzunehmen. Denn hier erhält man Einblick in die Hölle – auch, wenn sie in diesem Fall tödlich unterkühlt und steril statt feurig daherkommt.

Lebensfeindlichkeit pur ist der kleine „AnyMart“-Convenience-Store in Tokio allemal: Die Kundschaft anstrengend, unverschämt oder gar offenkundig gestört. Die Kolleg:innen planlos, unfähig, merkwürdig. Und der Chef eine Sache für sich – komplett desinteressiert an allem, was passiert, gleichzeitig versessen auf das Befolgen von Regeln. Vor allem die zum Absingen der Hymne der loyalen Angestellten. Was das Arbeiten hier für Hauptfigur Sakai noch schlimmer macht: Der Chef ist sein Vater. Lustlos erfüllt er seine Aufgaben in der totalen Monotonie des tristen Ladens, bis sie plötzlich durch eine Reihe seltsamer Ereignisse durchbrochen wird … und durch ungeklärte Todesfälle. Was nur der Anfang eines Abstiegs in blutiges Chaos ist.

Nachwuchsregisseur Yusuke Iwasaki ist im realen Leben tatsächlich Sohn eines Ladenmanagers, was den sarkastischen Ton seines Debütfilms vielleicht erklären kann. Genauso ist dieser allerdings auch als stinksaure Anklage des sozialen Systems in Japan zu lesen, in dem Konsumismus die prägende Rolle spielt. Sein gemeiner Blick auf einen hart fokussierten, jedoch in unserem Alltag nahezu jedem Menschen präsenten Ausschnitt einer seelisch toten Gesellschaft tut weh und unterhält gleichermaßen. Zumindest, wenn man ein Faible für obskure Geschehnisse und viel, viel Blut hat.

Mit trockenem Humor und überraschend explizitem Gore gestaltet sich ANYMART sowohl als ultimativer Abgesang auf den Kapitalismus und seine Opfer als auch als erstaunlich lebensnah übersteigerte Betrachtung eines Dienstleistungs-Daseins jenseits von Tarifverträgen und allem anderen, was eine menschenwürdige Existenz erlaubt.

PinkyHH * 4.0

Zu meinem Bekanntenkreis zählt jemand, der sein tägliches Brot in einer etwas gehobenen Position bei einem Discount-Supermarkt mit vier Buchstaben verdient. Höre ich ihm zu – ich höre ihm gern zu, denn er ist ein lupenreiner Misanthrop mit einer regen Fantasie – hätte ich in 30 Minuten ein Drehbuch zusammengezimmert, welches den Versprechungen aus dem Programmheft wesentlich näher gekommen wäre.

Die Filmidee von „Anymart“ ist nett – keine Frage. Aber der Streifen zieht sich wie Kaugummi unter dem Schuh. Bis die erste „bloody Splatterszene“ kommt, besteht die Gefahr einzuschlafen. Und Satire? Zwei leichte Lacher vielleicht. Aber das reicht am Ende nicht für einen unterhaltsamen Film. Schade. Zu wenig Horror. Zu wenig Satire. Zu viel Laufzeit.

Leimbacher-Mario * 6.0

Der Jingle des Todes

Präzision, Disziplin, Gehorsam, (gespielte?) Freundlichkeit, Pünktlichkeit, Kundenservice – alles Tugenden, Bereiche und Eigenschaften, um die die Welt Japan öfter beneidet. Aber trotzdem schimmert dazu auch immer massiv durch, wie hart, unmenschlich und unbequem es da auf dem Arbeitsmarkt oder gar in der gesamten Gesellschaft zugeht. Druck bringt Qualität, sozusagen, wenn man es beschönigend ausdrücken will. Aber „Anymart“ treibt es augenzwinkernd auf die Spitze, wenn ein junger Mitarbeiter in einem kleinen Supermarkt plötzlich merkt, dass seine Kollegen immer mehr dezimiert werden und es sich unmöglich um spontane Kündigungen handeln kann…

Service isst Seele

„Anymart“ dreht seine Arbeitsklima- und Gesellschaftskritik auf 12, wenn er etwas plump, aber definitiv nicht ohne Grund diesen Minimarkt neu rot tapeziert. Das hat schon seine heftigen Spitzen, sowohl was Humor als auch Horror betrifft. Trotzdem findet man dazwischen auch einige leere filmische Kassen, Kühltruhen, Regale und Gespräche. Daher war ich zwischen aufweckenden Schockmomenten und einschläfernder Charakterführung hin- und hergerissen. Schlecht ist „Anymart“ nicht. Ich halte ihn auch für wichtig, top beobachtet und mutig, gerade wenn man bedenkt, aus welcher (Service-)Familie der Regisseur kommt. Aber das Gefühl, dass das auch in einem „Staplerfahrer Klaus“-artigen Kurzfilm wortwörtlich ausgeschlachtet hätte werden können, das werde ich nie ganz los…

„Beehren Sie uns bald wieder!“

Fazit: Bittere Abrechnung mit den „japanischen Tugenden“. Natürlich mit lustigen Splatterspränklern. Trotzdem stand mir zwischen Bitternis, Brutalität und breitem Grinsen dann doch etwas zu viel Leere, Cringe und Zähigkeit im Raum… Trotzdem ein wichtiger, heftiger Denkanstoß.

war im Residenz, Köln

Herr_Kees * 5.5

Inconvenience Store

Arbeit ist die Hölle. Zumindest in dieser Darstellung eines Mini-Marts in Tokio und seiner Angestellten. Unzufriedene Kunden, zu niedrige Umsätze, Druck vom Franchisegeber, klauende Kollegen und dann auch noch deprimierende Dates. Es dauert nicht lange bis zum ersten Selbstmord.

Das ist nicht die lakonisch-coole Welt von CLERKS, das ist ein deprimierendes Portrait der japanischen Arbeiterklasse, im besten Falle noch eine Gesellschaftssatire mit sehr sehr trockenem Humor.

Authentischerweise ist ANYMART wenig packend inszeniert – trotz nicht mal 90-minütiger Laufzeit spürt man die Länge der Schichten und die Gleichförmigkeit des Lebens.

Dass es zum Ende des Films hin auch noch etwas blutig wird, ist wohl als konsequente Überspitzung des Satiregedankens gedacht, der Tonalität des Films schadet es eher. ANYMART hätte als deprimierendes Drama mit Galgenhumor deutlich besser funktioniert als mit den eher unpassenden Splattereinlagen.

war im Gloria 2, Stuttgart

22 Bewertungen auf f3a.net

Zurück

Bewertungen

AnyMart
  • Score [BETA]: 65
  • f3a.net: 6.3/10 22
  • IMDb: 6.6/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2026-11-02 21:26

Archiv Suche


oder ?
crazy