Reviewer
D.S. * 6.5
Schmerzhafte Auseinandersetzung mit Schuld und Verlust im Folk-Horror-Gewand
Kann man die Erlebnisse der Kindheit jemals wirklich hinter sich lassen? Den Hauptfiguren in diesem dezidiert indigen geprägten kanadischen Film ist das über Jahrzehnte nicht gelungen, die sprichwörtlichen Geister der Vergangenheit holen sie immer wieder ein. Genauer gesagt, ist es ein Geist, eine monströse Gestalt aus Knochen und Asche, die den Brüdern Mise'l und Antle erscheint und ihnen beständig näher rückt. Die beiden haben sich im Laufe der Jahre sehr voneinander entfremdet. Angetrieben von Mise'l, der die Mi'kmaw-Heimat gegen ein Leben in der Großstadt eingetauscht hat, müssen sie nun wieder zueinanderfinden – und eine Reise in die dichten Wälder unternehmen, in denen sie einst aufgewachsen sind, um die Wurzel ihres gemeinsamen Traumas ein für alle Mal freizulegen und zu beerdigen.
AT THE PLACE OF GHOSTS ist ein äußerst schwermütiges Werk, das sich phasenweise tatsächlich fast wie eine verfilmte Traumatheraphie anfühlt. Dabei macht ihn nicht nur die ungemein dichte Atmosphäre sehenswert, die von einem bewegenden Score und wunderschönen Naturbildern unterstützt wird: Insbesondere ist es das hier explorierte Konzept von Zeit, das den Film zu einer so interessanten wie intensiven Erfahrung macht. Auf der Wanderung der Brüder gibt es kein Gestern und Heute, vielmehr offenbart sich Zeit als lebendiger Organismus, in dem verschiedenste Epochen gleichzeitig nebeneinander existieren und miteinander interagieren. Schon bei ihrer ersten Rast sehen sich Mise'l und Antle plötzlich mit feststofflichen Versionen ihrer selbst als Kinder konfrontiert. Je tiefer sie in den verwunschenen Wald vordringen, desto weiter führt ihre Reise in die Geschichte ihrer Vorfahren, ihres Volkes zurück. Deren und dessen Erlebnisse werden zu ihren eigenen, mit überaus realen Konsequenzen.
Wenngleich die Geister des Filmtitels überwiegend metaphorischer Art und klassische Horrormomente hier rar gesät sind, kann der nachhaltig beklemmende Slowburner allemal empfohlen werden – zumindest Menschen mit ausreichend Geduld, sich darauf einzulassen.
AT THE PLACE OF GHOSTS ist ein äußerst schwermütiges Werk, das sich phasenweise tatsächlich fast wie eine verfilmte Traumatheraphie anfühlt. Dabei macht ihn nicht nur die ungemein dichte Atmosphäre sehenswert, die von einem bewegenden Score und wunderschönen Naturbildern unterstützt wird: Insbesondere ist es das hier explorierte Konzept von Zeit, das den Film zu einer so interessanten wie intensiven Erfahrung macht. Auf der Wanderung der Brüder gibt es kein Gestern und Heute, vielmehr offenbart sich Zeit als lebendiger Organismus, in dem verschiedenste Epochen gleichzeitig nebeneinander existieren und miteinander interagieren. Schon bei ihrer ersten Rast sehen sich Mise'l und Antle plötzlich mit feststofflichen Versionen ihrer selbst als Kinder konfrontiert. Je tiefer sie in den verwunschenen Wald vordringen, desto weiter führt ihre Reise in die Geschichte ihrer Vorfahren, ihres Volkes zurück. Deren und dessen Erlebnisse werden zu ihren eigenen, mit überaus realen Konsequenzen.
Wenngleich die Geister des Filmtitels überwiegend metaphorischer Art und klassische Horrormomente hier rar gesät sind, kann der nachhaltig beklemmende Slowburner allemal empfohlen werden – zumindest Menschen mit ausreichend Geduld, sich darauf einzulassen.
Leimbacher-Mario * 4.0
Sieht den Wald vor lauter Brüdern nicht
„At the Place of Ghosts“ aus dem ruralen Kanada kommt leider schwer bis gar nicht in den Tritt und muss leider als fast schon typisch-trantütiger „Erster Tagesslot“ auf dem Fantasy Filmfest abgestempelt werden, wenn wir zwei Brüdern durch den Wald, ihrer familiären Vergangenheit und eventuell wenig aufgearbeiteten Sünden folgen…
Eine Wanderung ist lustig … sagten sie…
Der meint es doch nur gut… Tja, das hilft mir wenig, wenn ich mir drei Löcher und einen Schrebergarten in den Bauch langweile beim Ansehen und Durchstehen von „At the Place of Ghosts“. Die beiden Jungs spielen das gut und intensiv. Manch ein waldiges Bild und Thema sieht einigermaßen hübsch aus. Und die Reise durch die Jahrhunderte, die Sünden unserer Väter und den Versuch der Vergebung sind alles wichtige und schwere Themen. Aber sie haben bei mir in diesem Film und Zusammenhang leider nie auch nur annähernd genug gezündet. Es gibt riesige Wölfe und mysteriöse Tore, es gibt Bürgerkriegssoldaten und dramatische Schießübungen, es gibt Heiler und Hüter, Vergebung und Vergeltung. Doch was sich auf dem Papier wie eine düstere und bittersüße Reise zweier Brüder anhört, ist für meinen Geschmack auf der eigentlichen Leinwand dann völlig valiumiert und nur in Zeitlupe vorangekommen. Anstrengend!
Fazit: Mit dem Herz in der Hand, der Vergangenheit im Rücken und viel Holz vor den Hütten… Intim ohne Spleen. Persönlich bis platt. Für mich leider eine ziemliche Schlaftablette.
Eine Wanderung ist lustig … sagten sie…
Der meint es doch nur gut… Tja, das hilft mir wenig, wenn ich mir drei Löcher und einen Schrebergarten in den Bauch langweile beim Ansehen und Durchstehen von „At the Place of Ghosts“. Die beiden Jungs spielen das gut und intensiv. Manch ein waldiges Bild und Thema sieht einigermaßen hübsch aus. Und die Reise durch die Jahrhunderte, die Sünden unserer Väter und den Versuch der Vergebung sind alles wichtige und schwere Themen. Aber sie haben bei mir in diesem Film und Zusammenhang leider nie auch nur annähernd genug gezündet. Es gibt riesige Wölfe und mysteriöse Tore, es gibt Bürgerkriegssoldaten und dramatische Schießübungen, es gibt Heiler und Hüter, Vergebung und Vergeltung. Doch was sich auf dem Papier wie eine düstere und bittersüße Reise zweier Brüder anhört, ist für meinen Geschmack auf der eigentlichen Leinwand dann völlig valiumiert und nur in Zeitlupe vorangekommen. Anstrengend!
Fazit: Mit dem Herz in der Hand, der Vergangenheit im Rücken und viel Holz vor den Hütten… Intim ohne Spleen. Persönlich bis platt. Für mich leider eine ziemliche Schlaftablette.
war im Residenz, Köln
15 Bewertungen auf f3a.net
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Bewertungen
At the Place of Ghosts
- Score [BETA]: 72
- f3a.net: 5.6/10 15
- IMDb: 6.1/10
- Rotten Tomatoes: 100%