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Review Atlantis: The Lost Empire

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Dieser Review enthält SPOILER!

Die Di$ney Die
von Niki Wurster

Seit Walt Disney’s Ausscheiden aus Firma und Leben hat seine stets politisch korrekte Spassfabrik meines Erachtens nur noch Müll ausgekotzt (man denke da nur an DINOSAURS... ugh). Der einstige Charme der klassischen Filme und Cartoons ist schon lange verschwunden und ATLANTIS ist nun der vorläufige Gipfel des Misthaufens.

Keine Songs wurden uns versprochen. OK, dies wurde nach den katastrophalen Schmalzorgien der letzten paar Jahre, an denen selbst kaum ein Kind mehr seine Freude hatte, dankenswerter Weise eingelöst. Dann hiess es, man würde auf den nervtötenden Goof-Character à la Jar-Jar Binks verzichten, um das neue grosse Abenteuer erwachsenentauglicher zu machen. Alles klar, dafür sind mit einer Ausnahme jetzt eben alle Charaktere eindimensional, uninteressant und so richtig schön dämlich-lustig. Bei der rühmlichen Ausnahme handelt es sich um die alte, ständig frotzelnde Kommunikations-Offizierin, die mit ihren knochentrockenen Sprüchen ständig jede Szene stiehlt - was zugegebenermassen angesichts dieses blamablen Streifens nicht besonders schwer ist.

Das schlimmste an ATLANTIS ist jedoch der Zeichenstil, der so unglaublich platt und unatmosphärisch ist, dass man das Gefühl hat, einen gewöhnlichen Samstagmorgen-Cartoon zu sehen. Da hat man sich schön zeitgemäss unerreichbare Meisterwerken wie THE IRON GIANT und TITAN A.E. zum Vorbild gemacht, die sich bekanntlich wiederum am japanischen Anime Zeichenstil orientieren. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehn lassen, Disney, die Pioniere des Anmationsfilms, deren Stil von unzähligen anderen Studios adoptiert wurde, kopiert - äusserst schlecht - von der Konkurrenz. Sagt das nicht einges aus? Ist man so verzweifelt, dass man mit der eigenen Tradition bricht um noch mehr Kohle ranzufahren? Ich sehe das nicht als Weiterentwicklung, sondern als Armutszeugnis an.

Insgesamt wirkt dieser Müll dann wie ein uninspiriert dahingekrakelter Schnellschuss, der den Zuschauer zu keiner Zeit zu envolvieren, geschweige denn zu packen vermag. Alles ist so emotionslos und auf dumme Slapstick-Einlagen sowie noch dümmere One-Liner ausgelegt, dass man sich wirklich wünscht, Atlantis würde jetzt auf der Stelle explodieren und all den Mist unter sich begraben.

Das passiert dann leider erst ganz zum Schluss und wird dann auch noch von einem Haufen Iron-Giant-Plagiaten rückgängig gemacht. Ausserdem hat man sich noch ein wenig zu sehr von Captain Nemo und Gefährt inspirieren lassen und augenscheinlich stundenlang "Indiana Jones and the Fate of Atlantis" am PC gezockt - garnicht originell. Gut geklaut ist eben halb gewonnen dachte man sich und bediente sich zusätzlich aus Ideen und Motiven sämtlicher ähnlich gearterter Werke der Film- und Literaturgeschichte. Sehr schade, denn aus dem faszinierenden Mythos Atlantis hätte man wesentlich mehr machen können.

Das ist alles so arm: Hinter der sauberen Fasade der Familienfreundlichkeit, die man mit aller Gewalt und hirnrissigen firmenpolitischen Entscheidungen und Gesetzen versucht aufrecht zu erhalten, sitzt ein Haufen alter Säcke in Designer-Anzügen, die sich vor jedem Filmstart in freudiger Erwartung des sicheren baldigen Geldsegens die Hände reiben und ordentlich ins Fäustchen lachen. Heutzutage reicht eben schon allein das Disney-Siegel, um Millionen von Eltern ins Kino zu locken - ganz egal wie schlecht das Produkt auch sein mag. Darum, lieber den neuen Disney mal links liegen lassen und auf das neue Meisterwerk von DreamWorks oder manchmal auch Warner und Fox warten. Da kommt fürs gleiche Geld mehr rüber.

staunte im Metropol, Stuttgart

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Atlantis: The Lost Empire
  • f3a.net: 5.6/10 11
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-08-13 02:29

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