s Bad Samaritan (2018) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Bad Samaritan

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Reviewer

Alexander * 6.5

Ich sehe was, was Du nicht siehst!

Die gute Nachricht zuerst: „Bad Samaritan“ ist nicht so aalglatt wie zunächst von mir befürchtet, hier darf der ursprüngliche Kommentar auf Rosebuds Website, der zu meinem Entsetzen „Bad Samaritan“ mit einer 90er Jahre Thriller Produktion verglich, von mir aus gerne als kleines Lob verstanden werden. Das macht aus dem Film zwar noch keinen echten Nägelbeißer, sorgt aber immerhin für überwiegend gute Unterhaltung.

Die Geschichte beginnt wirklich extrem spannend, hat Witz und entwickelt sich eine Weile sehr rasant. Leider hält der Film das vorgelegte Tempo und den bissigen Verve aber nicht durch, fällt vom Tempo sehr bald ab und ist meiner Meinung insgesamt etwas zu lang und vor allem auch zu brav geraten. Eine leichte Straffung und vielleicht auch mehr Härte hätten dem Film wahrscheinlich gutgetan. Und insgesamt bleibt, nach einem guten Anfang, die zweite Filmhälfte auch relativ überraschungsarm und unterläuft die zum Anfang wahrscheinlich doch recht hoch gesteckten Erwartungen des Zuschauers.

Es mögen zwar ein paar „Wendungen“ im Plot eingebaut sein (siehe Programmheft), aber das „Twisted“ - ICON fehlt wirklich nicht ganz ohne Grund, dafür ist die Story leider doch zu linear und straight inszeniert, erfüllt trotz mehrerer Schwächen im Drehbuch dabei allerdings recht plausibel die Sehgewohnheiten des Thrillerfreunds, macht zumindest einen guten Job beim Aufbau von Spannung und lässt am Anfang noch so einiges im Dunkeln.

Wirklich cool ist dann Dave Tennant, der hier als Bösewicht „Carl - geht doch nix über das Deutscher-Klischee!-Erdendreich“ einen beängstigend soziopathischen Psycho abliefert, vor dem man wirklich Angst haben kann, und dessen immer neue, böse Aktionen die anderen Akteure zu hilfloser Knetmasse in seinen kranken Händen macht.

Ein netter kleiner Thriller, für Freunde des Genres bestimmt keine falsche Empfehlung, auch wenn die Grundidee des Films keine neue ist und man mit etwas mehr Schärfe vielleicht einen wirklichen Hit daraus hätte machen können. Doch das Potential dazu wurde leider verschenkt, so wurde es halt ein recht kommerzieller, anspruchsloser Krimi der besseren Sorte der weder optisch noch dramaturgisch besonders zu punkten vermag, mit seinen guten Darstellern und einer nicht ganz so alltäglichen Story aber wieder vieles wettmacht. Läuft bestimmt in 1 oder 2 Jahren im Free-TV, muss man sich im Kino nicht unbedingt geben.

Leimbacher-Mario * 7.0

Doctor Fucked Up

"Bad Samaritan" ist ein klassischer Psychothriller mit minimalem Twist. Zwei Kleinganoven brechen bei dem Falschen ein und dieser macht ihnen von nun an das Leben zur Hölle... David "Doctor Who" Tennant spielt den Psycho mit Freude und Wahnsinn, seine Gegenspieler sind einem trotz ihrer Gaunerleben schnell sympathisch. Seine überraschend lange Laufzeit füllt er mit einigen Überraschungen und Leerlauf gibt es kaum. Oder wird geschickt kaschiert. Ein Genremix, der einen überrascht. Dabei ist er immer an der Grenze, fällt aber nie um. Zumindest nicht für meinen Geschmack.

Etwas altmodisch und auf die Nase, aber er funktioniert. Es muss ja nicht jeder Film wunders wie clever und vielschichtig sein. Manchmal reicht ein gnadenloses Katz-und-Maus-Duell mit Leuten, denen man gerne bei ihren tödlichen Spielchen zusieht. Einen hohen IQ braucht dafür keiner, weder die Drehbuchschreiber noch die Figuren oder wir als Zuschauer. Fast wie in den guten alten Früh-90ern. Eigentlich der perfekte Netflix-Erguss. Und das ist nicht böse gemeint. Ein Guilty Pleasure, das sich für seine Dummheit keine Sekunde schämt und auch nicht muss. Seltsam anziehend und unterhaltsam. Selbstbewusst. Gut so!

Fazit: Kurzweiliges Psychoduell, das dem Genre keine neuen Impulse gibt, aber dennoch ordentlich unterhält. Trotz einiger tollpatschiger, plumper Schritte. Erfrischend straight und simpel und fast etwas oldschool. Und dennoch eher für die Jugend. Gut. Dumm. Aber gut.

guckte im Residenz, Köln

D.S. * 6.5

Hochmut kommt vor der Falle

Man sollte sich sehr genau überlegen, wen man ausraubt – diese spätestens seit THE COLLECTOR etablierte Erkenntnis wird im neuen Film des Autoren-Altmeisters Dean Devlin (u.a. verantwortlich für die Drehbücher zu UNIVERSAL SOLDIER, STARGATE und INDEPENDENCE DAY) auf drastische Weise bestätigt. BAD SAMARITAN ist ein durchweg unterhaltsamer, stilsicher inszenierter Hochglanz-Thriller mit ein paar erstaunlichen Härten, dem jedoch etwas Straffung gutgetan hätte – und dessen Drehbuch, ausgerechnet, nicht unbedingt das intelligenteste ist.

Das äußert sich im Bestreben, eine eigentlich recht straight erzählbare Story überflüssig aufzublasen. Beim von „Dr. Who“ David Tennant überzeugend eiskalt und bedrohlich gespielten Antagonisten handelt es sich letztendlich um einen Psychopathen aus der Grabbelkiste; seine in Dimensionen epischer Boshaftigkeit aufgeladene Hintergrundgeschichte wie auch sein stolz zelebriertes, dämonisch anmutendes Bestreben, seine jungen, naiven Gegner bis ins letzte Detail zu zerstören, wirken im Rahmen dieser Geschichte massiv übertrieben und schmälern die, naja, Glaubwürdigkeit.

Aber gut, die spielt hier natürlich ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Sinn und Zweck des Ganzen ist weitgehend hirnfreie, spannende Unterhaltung mit ein paar bösen Spitzen. Etwas mehr Tempo, etwas weniger Sich-selbst-unglaublich-ernst-und-wichtig-Nehmen, und diese wäre famos geliefert worden. Aber auch mit den genannten Einschränkungen macht BAD SAMARITAN genug Laune, um ihn für einen netten FFF-Nachmittag voll empfehlen zu können.

Planlose, arrogant kleinkriminelle, eigentlich aber gutherzige Slacker gegen ein evil Mastermind mit OCD und unbändiger Freude an exzessiver Gewalt jedweder Form, insgesamt souverän dargeboten und vor allem gespielt: 6,5 Punkte.

saß im Harmonie, Frankfurt

Herr_Kees * 7.0

Ruhig, Brauner

David Tennant hat einfach eine fantastische Ausstrahlung. Deshalb ist es etwas schade, dass er in diesem Film dauernd so augenrollend und mit bösem, stierem Blick inszeniert wird (und dass man ihm seinen schönen schottischen Akzent weggecoacht hat). Wäre doch gar nicht nötig gewesen. Überhaupt sind die Schauspieler hier eine gute Klasse besser als der Film, denn auch Robert Sheehan, wunderbar liebenswertes Arschloch in den ersten Staffeln der ohnehin starken Brit-Serie MISFITS, überzeugt als tragischer Held wider Willen in seinen verzweifelten Bemühungen, das Richtige zu tun.

Das Drehbuch funktioniert für einen spannenden, soliden Thriller ganz gut und bindet sogar digitale Technologien ausnahmsweise recht sinnvoll ein. Warum der Computer des Killers allerdings eine Oberfläche wie bei einem Bond-Bösewicht haben muss und warum niemand während des gesamten Films auf die Idee kommt, das Fenster wieder zuzumachen, solche Details sowie einige Logiksprünge gehören zu den Schwächen des Films.

Für knapp zwei Stunden Krimiunterhaltung aber zu verschmerzen. Und obendrauf gibt’s noch ein paar der effektivsten Jumpscares des Festivals.

war im Metropol, Stuttgart

41 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Bad Samaritan
  • Score [BETA]: 57
  • f3a.net: 6.8/10 41
  • IMDb: 6.3/10
  • Rotten Tomatoes: 53%
  • Metacritic: 42/100
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-09-19 17:33

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