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Review Der Bunker

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Wissen ist die Explosion der Neugierde
von Frank

DER BUNKER, Kandidat des Fresh Blood Award 2015, ist ein grotesker, absurd komischer Film aus Deutschland mit klassischem Soundtrack, welcher deutsche Tugenden durch den Kakao zieht und Kritik am rein geistigen Wissen übt, am Lernen um des Lernens willen. Und er bietet so herrliche Dialogfetzen wie diesen, der auch im Trailer zu hören ist:

"Prächtiges Zimmer, nicht wahr?"
"Aber... es kommt kein Licht hinein."
"Dafür auch keins hinaus!"

Es war wirklich ein Herzensprojekt von Regisseur Nikias Chryssos. Das merkt man nicht nur an an der stimmigen Atmosphäre, sondern auch an der liebevollen Ausstattung, dem hervorragenden Set-Design des Bunkers, der bis ins kleinste Detail das biedere Leben seiner Bewohner widerspiegelt.
Eigentlich müsste man Insassen sagen, denn das Ehepaar scheint sich dort zu verschanzen, hat sich freiwillig völlig abgekapselt. Der Bunker selbst wird Symbol für die kleine isolierte Welt der Protagonisten mit ihren ebenso weltfremden wie krankhaften, der "Realität" entrückten Vorstellungen und Fantasien.

Darunter leidet auch deren in seiner geistigen Entwicklung zurückgebliebene 8-jährige Sohn. Als sich dann ein Student dort befristet einmietet, um Ruhe für seine Forschungsarbeit zu finden, sehen seine Eltern in ihm den idealen Nachhilfelehrer für ihren Sohn, der irgendwann einmal Großes erreichen soll.

Der Regisseur kam im anschießenden Q&A sehr sympathisch rüber, jedoch hatte ich den Eindruck leichter Überschätzung des eigenen Potenzials seiner Idee. So wurde die Idee, den 8-jährigen Sohn mit dem 31-jährigen Daniel Fripan zu besetzen, sowohl im Film wie im Q&A ziemlich aufgebauscht, obwohl das mit Sicherheit nicht das Skurrilste am Film war.
Auf die Frage nach Vorbildern und Inspiration zählte Nikias Chryssos erst mal die Crème de la Crème der Regisseure und Genrefilme auf. Stanley Kubrick? Ich hätte beinahe losgelacht.
Bei näherem Betrachten kann ich mir allerdings vorstellen, dass er Stanley Kubricks Clockwork Orange nacheifern wollte. Eine Spur dieser Verrücktheit ist erkennbar, was für mich auch die ***SPOILER*** heftig ausbrechende Gewalt am Ende erklärt. Das war wohl ein bisschen zu viel des Guten.

Seltsamerweise kann ich im Nachhinein, wenn ich den Film reflektiere und mir einige Szenen nochmal vor Augen führe oder den Trailer erneut anschaue, besser über ihn lachen und evtl. gewinnt er beim zweiten Sehen.

Möglicherweise war mir das Sujet und dessen Aufarbeitung zu fremd, zu suspekt, zu unzugänglich bei der ersten Konfrontation mit den seltsamen Figuren in ihrer merkwürdigen Umgebung, so dass ich mich nicht genug darauf eingelassen habe. Vielleicht war der Film aber auch platter, als ich erhofft habe, denn viel mehr als ein Schmunzeln hat er selten bei mir hervorgerufen.

Ihr seht, ich bin ein bisschen irritiert ob der Wirkung des Films auf mich und kann ihn zur Zeit nur schwer in meinen Filmkosmos einordnen.
Umgehauen hat er mich nicht, enttäuscht war ich auch nicht. Als etwas besonderes in der (deutschen) Filmlandschaft sehe ich ihn -ich kenne nichts vergleichbares wie DER BUNKER -, weswegen er sich für mich, so wie ich ihn beim FFF wahrgenommen habe, im oberen Mittelfeld positioniert.

Ich halte es für möglich, dass ich den Film bei Zweitsichtung höher bewerte.

glotzte im Savoy, Hamburg

49 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Der Bunker
  • Score [BETA]: 59
  • f3a.net: 5.5/10 49
  • IMDb: 6.3/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-07-15 01:10

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