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Review The Chaser

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Auf der Jagd nach dem Außergewöhnlichen
von D.S.

Man kann dem diesjährigen Abschlussfilm nicht vorwerfen, dass er gar keine intensiven Momente hätte und dass er insbesondere im letzten Drittel nicht doch die Spannungsschraube etwas anziehen würde. Aber dafür vieles andere: dass sein Plot und dessen filmische Umsetzung alles andere als originell sind. Dass er viel zu viel Zeit braucht, um seine kleine Story zu erzählen. Dass er sich dabei immer wieder in Nebensächlichkeiten verliert, die regelmäßig überflüssigerweise das Tempo aus der Erzählung nehmen. Dass seine Figuren überwiegend sehr eindimensional gezeichnet sind. Und vor allem - was bei einem Krimi-Plot besonders schwer wirkt -, dass er jede Menge Ungereimtheiten enthält und ganz generell extrem an den Haaren herbeikonstruiert ist.

Nein, großes Kino ist "The Chaser" definitiv nicht. Er präsentiert uns zwei Gegenspieler, deren Beweggründe nie in der nötigen Tiefe erörtert werden. Deren Handeln dafür aber oft umso unwahrscheinlicher wirkt. Und eine Serienmörder-Story, die diverse Klischees verwendet, aber niemals das erzeugt, was das Programmheft gerade verspricht: Fassungslosigkeit im Betrachter, weder in Sachen physischer oder psychischer Brutalität noch in Sachen filmtechnischer oder narrativer Brillanz. Und schon gar nicht in Sachen Plotentwicklung.

Zwar ist "The Chaser" auch kein schlechter Film, aber das Gebotene ist alles schon unzählige Male da gewesen. Hier vermag nichts herauszuragen, kein Darsteller und kein Aspekt der Handlung. Höchstens eben ein paar unsagbare Drehbuch-Dämlichkeiten, bei denen man sich dann vielleicht doch denkt, getreu dem Programmheft: "Das bringen die jetzt nicht!" Aber sie bringen es. Sie erlauben jede nur denkbare Unglaubwürdigkeit, damit die Story weiter laufen kann. Auch, wenn man sich locker 30-40 Minuten davon ohnehin hätte sparen können, aber das ist ein anderes Thema.

Nämlich das der Längen, die "The Chaser" in ordentlichem Umfang aufweist. Es gibt mehrere Sequenzen, die den Film einfach nur strecken - nichts zur Story, aber auch nichts zur Entwicklung der Figuren beitragen. Denn wie diese einzuordnen sind und was sie ausmacht, wird schon sehr früh im Film umfassend klar gemacht.

Daneben störte mich auch der plumpe Comic Relief, wenn etwa auf einer fäkalhumoristischen Szene immer und immer wieder herumgeritten wird. Abgesehen vom Fäkalaspekt, erinnerte mich der Film nicht nur deshalb oft an "Memories of Murder". Allerdings gefiel mir der zwar auch schon nicht besonders, aber er hatte wenigstens eine nachdenkliche bis philosophische Ebene. Bei "The Chaser" ist höchstens platter Symbolismus auszumachen, aber auch der bestenfalls in groben Zügen. Im Herzen ist der Film einfach nur ein Cop-jagt-Serienmörder-Film wie schon unzählige vor ihm, dabei manchmal auch noch ziemlich ungelenk inszeniert und im Look übrigens alles andere als stylish.

Da ich solche Filme aber grundsätzlich mag, ihm eine gewisse Atmosphäre nicht abzusprechen ist und er eben doch ein paar starke Momente hat, bekommt "The Chaser" 5,5 Punkte. Ansehen kann man ihn sich allemal, wenn man etwas Geduld mitbringt und nichts irgendwie Bahnbrechendes erwartet. Aber ein Abschlussfilm...? Die Nennung in einem Atemzug mit Park Chan-wook oder auch "A bittersweet Life"? Niemals. Im Gegenteil: "The Chaser" wird man ziemlich schnell wieder vergessen haben.

war im Metropolis 6, Frankfurt

60 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

The Chaser
  • Score [BETA]: 79
  • f3a.net: 7.7/10 60
  • IMDb: 8.1/10
Bewertungen von IMDb werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-02-28 11:15

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