s Dreamland (2019) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Dreamland

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Reviewer

Alexander * 8.0

Ein unterkülter Neo-Noir Thriller auf Smack. Und mit Juliette Lewis.

Hallo, was war das denn? Ein bleicher, eiskalter und richtig abgefahrener kleiner Thriller auf gebremstem Schaum? Eine Ode auf vergangene Neo-Noir Thriller, die genau so gut auch in L.A. hätte spielen können. Ein Film, dessen bizarr-kaltes Setting in einer offensichtlich belgischen, malerischen Stadt spielenden Story es schafft, mit zwei bleichen, vom Leben gezeichneten alten bärtigen Männern, eine lange nicht mehr erlebte Suspense zu erzeugen, die man vormals nur aus alten abgefuckten Crime-Movies Frankreichs kannte?

Ein heroinsüchtiger Jazz-Trompeter und ein seines Schaffens überdrüssiger Profikiller stehen im Fokus dieser kleinen, feinen Thriller-Farce. Beide irgendwie des Lebens überdrüssig, kreuzen sich eines Tages dann die Bahnen ihres miesen Lebens um vielleicht noch einmal etwas Gutes bewirken zu können. Der Eine will das unbedingt, der Andere will eigentlich nur seinen nächsten Schuss. Das ist großartig in Szene gesetzt und leider viel zu selten mit einem genialen, kunstvollen Jazz-Soundtrack unterlegt, dem man hier viel mehr Raum hätte einräumen müssen.

Und dann auch noch Juliette Lewis.

Die mittlerweile in Würde gealterte aber immer noch schöne Juliette Lewis liebe ich seit ihrem Jahrzehnte entfernten Auftritt in „California“ abgrundtief. Ihren Namen in der Cast List eines Filmes auftauchen zu sehen war schon immer ein Garant für schräge und gute Genre-Unterhaltung, auch wenn sie sich in den letzten Jahren vielleicht etwas rar gemacht haben mag. Ihr bunt überzeichnetes Overacting, das in diesem Film vielleicht auf das ein oder andere Missverständnis bei den Zuschauern stoßen mag, setzt zu den ansonsten monochromen und überwiegend bewusst blass gehaltenen und jeder überflüssigen Aktion entrissenen Szenen von „Dreamland“ einen so genialen, anarchistischen Gegenpol, das man sich den Film ohne sie gar nicht mehr vorstellen möchte.

„Dreamland“ schaltet permanent hin und her, zwischen düsteren Szenen und grotesk überzeichneten Bildern der Komik, vollgepumpt mit einem superbem, schwarzen Humor der einem im Halse stecken bleiben kann. „Dreamland“ schlägt zumeist aber ganz leise Töne an, zu denen auch der Soundtrack mehr als nur gut passt, zieht uns in ein kleines Drama rein, das zu den kühlen Bildern einer vorweihnachtlichen Winterszenerie perfekt untermalt wird.

Der Film driftet irgendwann vollkommen ab, wenn auch noch ein „Vampir“ die Bühne betritt und kleine Kinder als Erfüllungsgehilfen des lokalen Mob missbraucht werden. Dann tut „Dreamland“ irgendwie auch weh und erschafft eine Szenerie, die vollkommen daneben ist.

Und wo steckt der „Dream“ in Dreamland, was war jetzt real, was nur ein schöner oder böser Traum? Mit seiner Endsequenz entlässt uns der Film wahrlich traumhaft in ein großartig bebildertes, hypnotisches Ende, das man als kleinen Drogentraum ebenso interpretieren könnte, wie als ein softes, banales Ende wie aus der Mainstreamschmiede Hollywoods. Aber an Letzteres glaube ich dann eher nicht.

Grandios, eines meiner Highlights dieses Jahr. Und danke für diesen Film.

war im Harmonie, Frankfurt

D.S. * 4.0

This is not America

Regisseur Bruce McDonald führt stolze 79 Einträge in seiner IMDb-Filmografie, darunter wirklich interessante Werke wie PONTYPOOL und THE TRACEY FRAGMENTS, oder auch den maximal seltsamen Halloween-Film HELLIONS vom FFF 2015. Ich musste mich dessen zweimal versichern, denn so leid es mir tut, DREAMLAND wirkte auf mich wie ein Studentenfilm – wie extrem gewollt, aber absolut nicht gekonnt. Schäbiger Look, furchtbares Overacting aller Darsteller, eine gequält auf „schräg“ getrimmte Story, die so gar nichts Neues zu bieten hat... für mich einer der bislang anstrengendsten Beiträge dieses Festivaljahrgangs.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, DREAMLAND wurde in Luxemburg gedreht. Falls ja, habe ich immerhin etwas Neues gelernt: Das Großherzogtum wirkt, jedenfalls im kalten Licht des Tages, nicht glamourös und edel, sondern trist und schmucklos. Aber hey, vermutlich ist dieser hier erzeugte Eindruck Absicht, knick-knack, „Traumland“ (weil Kohle ohne Ende) und die böse Realität und so, alles klar. Nun stellt sich in diesem Fall natürlich die Frage, ob überhaupt jemand jemals wirklich auf die Idee gekommen wäre, ausgerechnet das provinzielle Luxemburg als Traumland zu bezeichnen, aber das führt jetzt wohl am Thema vorbei.

Fakt ist jedoch, dass sich eine Story wie diese – Gangster zwischen romantischen Träumen, Größenwahn und schmerzlicher Realität; ein „Hard-Boiled“ Gunman als Retter jungfräulicher Unschuld – in einem Umfeld wie der „Sin City“ Las Vegas (oder auch dem Hong Kong der frühen 90er-Jahre) ungleich mitreißender, stimmiger, überzeugender anfühlt als in einer weitgehend charismafreien europäischen Kleinstadt. Ach, dieser Widerspruch ist Absicht? Dekonstruktion? Desillusionierung? Das bezweifle ich. Dann hätte es hier keinen Platz für einen albern theatralischen Vampir gegeben. Oder auch für die inzwischen fast schon üblich anstrengende, in ihrem Cameo übrigens weitgehend verschenkte Juliette Lewis.

Henry Rollins spielt das, was er kann: seine gewohnte öffentliche Figur. Und Stephen McHattie in einer Doppelrolle – ist leider kein Willem Dafoe. Alles nicht sehr beeindruckend. Vielmehr sehr bemüht. Dabei fängt es ja durchaus spannend an. Ein eiskalter Auftrags-Massenmord, schnell geschnitten, brutal und ohne große Erklärung. Dann ist aber auch schon das gesamte Tempo raus. Uns bleibt nur das Beobachten verkrachter Existenzen, die im billigen Look eine lächerlich übertriebene Low-Life-Farce aufführen. Einen letzten Lebenssinn suchen. Sich alternativ in grotesk überzeichneter Dekadenz ergehen.

Wer mag, kann hier sicherlich interessante Charakterzeichnungen entdecken. Oder intelligente Kommentare auf das Verhältnis zwischen romantisierender Gangster-Geschichtenerzählung und trostloser Realität. Den Wert von Moralvorstellungen in einer komplett amoralischen Welt. Für mich hat das Ganze in dieser Darbietung jedoch überhaupt nicht funktioniert. Stattdessen fühlt sich DREAMLAND an wie Kleinstadttheater auf einer viel zu großen Bühne: prätentiös, ungelenk und ermüdend. Hat sich für meinen Geschmack arg verhoben – leider nur 4 Punkte.

war im Harmonie, Frankfurt

7 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Dreamland
  • Score [BETA]: 60
  • f3a.net: 6/10 7
  • IMDb: 6/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-09-19 11:06

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