s Fashionista (2016) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Fashionista

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Reviewer

Cinescout * 8.0

Textilsucht in Texas

Nachdem der Produzent einen Tag zuvor das Frankfurter Publikum damit geködert hatte, dass ihm gesagt wurde, dass man hier recht kritisch gegenüber Arthaus-Filmen ist, war es natürlich Pflicht, seine Herausforderung anzunehmen.

Bereits in der knappen und mit genialer lokaler Musik aus Austin, Texas unterlegten Eingangssequenz sehen wir das Grundthema des Films: Eine Kamera folgt einer Dame mit sich ständig wechselnden Klamotten und Songs, die den Schnittwechsel ebenfalls mitmachen. Nach einer kurzen Einführung in das Leben der Protagonistin und ihrer Welt (eine Art Superthriftstore für Vintageklamotten) wird der Zuschauer durch das intensive und ungefiltert emotionale Spiel von Amanda Fuller in die Entwicklung der Geschichte förmlich hineingezogen.

Überzeugen konnte mich die ehrliche und gleichzeitig respektvolle Herangehensweise des Regisseurs an das Thema Sucht im Moment einer Lebenskrise, welches ohne viel Möchtegern-Kunst sich auf die wesentlichen Gefühle und Ängste konzentriert. Hauptcharakter April ist von Beginn an nachvollziehbar und tragisch zugleich. Ihre im Film dargestellten Eskapaden unterscheiden sich von anderen Vertretern der "Suchtfilme" durch einen Verzicht auf allzu extreme Suchtmontagen.

Wer jetzt glaubt, dadurch einen zahmen oder gar langweilig anmutenden Film vorzufinden irrt, denn die Abenteuer der kleinen April in Texas krallen sich fest in das Zuschauergehirn und entlassen einen höchst zufriedenen und begeisterten Kinofan, der das Kino mit einem innerlichen Grinsen verlässt. Definitiv eine der positiven Überraschungen dieses Jahrgangs!

glotzte im Cinestar, Frankfurt

D.S. * 7.0

Kleider machen Leute

Eine der großen positiven Überraschungen des diesjährigen Festivals: Mit wenig Geld unabhängig produziert, baut FASHIONISTA eine faszinierend doppelbödige, düstere Welt auf, in die der Zuschauer immer tiefer hineingezogen wird. Dabei arbeitet der Film mit einer stellenweise erstaunlich komplexen non-linearen Erzählweise und unterbricht seinen offenbaren Haupthandlungsstrang immer wieder durch zunächst kurze, bald aber immer länger werdende hypnotische Traum(?)-Sequenzen, die bald schon eine Lynch-artige, alptraumhafte Qualität haben.

Getragen wird das Geschehen dabei fast komplett von Amanda Fuller (STARRY EYES) als modesüchtige April, die ihre Leistung in nahezu jeder Szene abrufen muss und dabei enorme Wandelbarkeit beweist – nicht nur hinsichtlich ihrer Kleidung, die, dem Filmthema angemessen, permanent wechselt. Daneben beeindruckt FASHIONISTA aber auch durch einen der besten Soundtracks des bisherigen Festivals, der hier äußerst präsent dargeboten wird und dessen Spektrum von Metal über Elektro bis Ambient reicht. Besonders gelungen ist hier bereits die Titelsequenz, in der über einen Zeitraum von zwei Minuten alle paar Sekunden das gezeigte Outfit der Hauptfigur wechselt – und, jeweils dazu passend, auch die musikalische Untermalung.

Die Handlung dieses erfrischend eigenständigen Films dreht sich um den zunehmenden Realitätsverlust der kompulsiv-obsessiven April, die gemeinsam mit ihrem Mann Eric (Ethan Embry, THE DEVIL’S CANDY) einen Vintage-Klamottenladen in Austin, Texas führt und sich immer mehr in paranoide Vorstellungen hineinsteigert. Wie zum Beispiel die, Eric ginge ihr fremd. Als sich diese Vorstellung aber – auf andere Weise als gedacht – als wahr erweist, brennen bei ihr final alle Sicherungen durch. Sie beschließt, mit ihrem bisherigen Leben abzuschließen und einen radikalen Neuanfang zu machen. Dabei trifft sie auf den zwielichtigen Geschäftsmann Randall (Eric Balfour, HAVEN), der ganz eigene, sehr dezidierte Vorstellungen davon hat, wie sich eine Frau kleiden sollte... und womit sie sich beschäftigen sollte.

Vorangetrieben von einem pumpenden Score, zerfließen in dieser Phase des Films endgültig die Grenzen zwischen Realität und flirrender, finsterer Halluzination. Erst im Finale ist für den Zuschauer wieder ein klares, eindeutiges Bild erkennbar. Und das sieht anders aus, als man zu Beginn vielleicht vermutet hatte.

Leider fand ich dieses Ende aber inhaltlich etwas plump, in seiner Symbolik zu direkt und simpel gehalten. Zudem schlägt sich das niedrige Budget phasenweise in einem nicht sehr filmisch wirkenden Produktionsdesign nieder. Das ändert aber nichts daran, dass FASHIONISTA über seine gesamte Laufzeit enorm fesseln und mit atmosphärischer Dichte punkten kann, von den überzeugenden Leistungen aller Hauptdarsteller einmal ganz abgesehen. Insbesondere gelingt es Amanda Fuller schmerzhaft gut, die Störungen, an denen ihre April leidet, intensiv auf die Leinwand zu bringen und nachvollziehbar zu machen.

Kurz gesagt: Ein finsterer Arthouse-Mystery-Thriller, der viel Sehens- und Hörenswertes zu bieten hat – und nicht nur Modeinteressierten absolut empfohlen werden kann. Überraschend stark, knappe 7 von 10 Punkten.

guckte im Cinestar, Frankfurt

Alexander * 10.0

Das pralle Mysterium Frau

Wenn es in diesem durchwachsenen Jahrgang mal endlich einen Film gab, der für mich wirklich alles richtig gemacht hat, dann war das "Fashionista".

Von der ersten Sekunde an begeisterte mich dieses intensive Filmerlebnis mit seinen faszinierenden Bildkompositionen und einem wuchtigen, emotionalen Soundtrack, der den Film zu einem der audiovisuellen Höhepunkte des Jahres machte. Diese brillante und im höchsten Maße fordernde Inszenierung ist, von ihren optischen und akustischen Schauwerten einmal abgesehen, auch noch herrliches Kino fürs Hirn, und erinnert mit ihren parallelen Handlungssträngen, Zeitsprüngen, eingebauten Rätseln und skurrilen Szenen und Charakteren häufig an das verschachtelte und ebenso verstörende Filmuniversum eines David Lynch.

So wandelt sich der zu Anfangs fast wie ein klassischer Arthouse-Beitrag anmutende "Fashionista" im Laufe seiner ausgesprochen kurzweiligen Spielzeit zu einem wahren Mystery-Thriller mit Tiefgang, der seine spannend-verrückte Geschichte in einen wahrhaftig eskalierenden bunten Strudel des Wahnsinns ufern lässt. In diesem wirklich einzigartigen, mit Twists und Überraschungen vollgepackten Film, ist nichts vorhersehbar und "Fashionista" hätte es wirklich verdient gehabt noch zusätzlich die "unique" + "cool music" Icons in das Programmheft gedruckt zu bekommen.

Grandios auch Amanda Fuller. Sie spielt superb schizophren die innerlich zerrissene April, die trotz ihrer Süchte, Zwänge und Neurosen meine vollste Empathie und Sympathie genoss. Denn wie der Filmtitel erahnen lässt behandelt "Fashionista" in seiner Geschichte eine ganz besondere Sucht, jenseits von Drogen und Alkohol...

Ein dem Film angeschlossenes Interview + Q&A mit dem höchst sympathischen und humorvollen Produzenten rundeten das Vergnügen dann wunderbar ab. Für so viel Enthusiasmus und Kreativität gibt es von mir dieses Jahr zum ersten Mal endlich wieder die Höchstpunktzahl. Danke für diesen Film!

staunte im Cinestar, Frankfurt

Giallorossa * 5.0

Ein paar Wendungen zu viel

Neben Drogen- und Alkoholsucht gibt es auch eine Sucht nach schönen und gut riechenden Kleidern, dieses Thema steht im Mittelpunkt dieses Filmes. Dabei sehen wir die Protagonistin April, die nach diversen Tiefschlägen und skurrilen Ereignissen immer tiefer in diese Sucht gerät. Amanda Fuller spielt die Rolle sehr facettenreich. Auch die elektronische Musik passt hier sehr gut und unterstützt die Handlung bei den spannenden Momenten. Allerdings auch einige Schwächen: Der Anfang ist sehr zäh, außer einer Charakterstudie von April passiert die erste halbe Stunde wenig. Auch ist die Handlung verwirrend, da sie nicht linear, sondern in diversen Zeitsprüngen erzählt wird. Dabei hat sich der Regisseur meiner Meinung nach ein paar Wendungen zu viel einfallen lassen, denn das Ende erklärt sich nicht von selbst.

So kann ich leider nur die Mittelmaß-Wertung ziehen!

war im Cinecitta', Nürnberg

Leimbacher-Mario * 6.5

Fifty Shades of Fashion

Es existieren unzählige Filme zu Süchten. Spielsucht, Alkoholsucht, Sexsucht, Adrenalinsucht und noch viele weitere. Die Kauf- bzw. Modesucht blieb dabei bisher maximal eine Randerscheinung. "Fashionista" ist ein surrealer Alptraum, der sich diesem kniffligen Thema annimmt, jedoch einem auch abseits davon einige Denkanstöße und Kopfnüsse zum Knacken mitgibt. Es geht um eine junge Frau, die ein gelinde gesagt inniges Verhältnis zu Kleidung pflegt. Als ihr Mann und Geschäftspartner (Secondhand-Shop natürlich) mit einer der Angestellten fremd geht, beginnt ihre Welt zu kippen und sie flüchtet in immer alptraumhaftere, zwanghafte Gefühlswelten ab...

"Fashionista" ist ein stylischer Film. Die Mode, der Soundtrack, der Score, die Darsteller, die Bildsprache, der lückenhafte Aufbau der Story - all das macht ihn zu etwas Besonderem, einem Gourmethappen irgendwo zwischen Lynch und Tom Ford. Von Letzterem sowohl Mode wie Filme. "Fashionista" kann ermüden, auslaugen, aufregen, verstören. Nur kalt lassen, wird er die Wenigsten. Und dazu muss man kein Fashionvictim, keine Frau sein, nicht mal in der Stadt der stylisch gekleideten Engel leben. Hauptdarstellerin Amanda Fuller gibt sich der Rolle vollkommen hin und hält einen allein schon ihretwegen am Ball. Der puzzlige Storyverlauf und alptraumhafte Sequenzen tun ihr Übriges. Leider hat es bei mir nicht durchgehend Klick gemacht und ***SPOILER***auf den finalen Twist hätte ich verzichten können.

Fazit: Textilallergie oder Fashionkiller? Reißt einer der besseren Soundtracks des Jahres was raus? Ich bin noch unentschlossen. Hübsche aber oft auch zähe Kritik am Konsumwahn. Emotionale Charakterstudie. Verschachtelt, komplex, reizvoll. Obsession, Eifersucht, Sucht.

war im Residenz, Köln

Herr_Kees * 4.5

Faden verloren

Modebesessene Frau verliert allmählich den Verstand und lässt sich mit einem Mann ein, der noch deutlich gefährlichere Obsessionen pflegt.

â€Inspired by the films of Nicholas Roeg“ prangt vor dem Abspann. Das ist hoch gezielt und wer Simon Rumleys bisherige Filme kennt, ahnt, dass zumindest das filmische Niveau kaum gemeint sein kann. Mit sichtbar niedrigem Budget, viel Handkamera und bonbonbunt begleitet er Amanda Fuller bei ihrem Psychotrip, eine überzeugende Performance, anstrengend, auch für den Zuschauer.

Weder eine stringente Geschichte noch eine identifizierbare Botschaft hat der Film zu bieten, weshalb er am Ende wohl auch alles mit einem Schulterzucken in der Ambivalenz auslaufen lässt. In Erinnerung bleiben einzelne starke Szenen, eine eindrucksvolle Darstellerin, ein guter Soundtrack, ein interessantes Thema, jedoch nicht mehr. Eher trendy als ein zeitloser Klassiker.

23 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Fashionista
  • Score [BETA]: 65
  • f3a.net: 6.1/10 23
  • IMDb: 6.9/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-09-29 23:00

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