s Femme Fatale (2002) Review - Fantasy FilmFest Mobil
Menü

Reviews Femme Fatale

Finden

Reviewer

Felix Schweiger * 4.0

Nach dem Diebstahl eines extrahübschen Diamantschmucks auf den
Filmfestspielen von Cannes 1999 ist ein hübsches Mädel auf der Flucht und
zieht, weil sie ein böses Mädel ist, allerlei Männer auf ihrem Weg zu
kriminellen Reichtum nach unten.
Nach einer ziemlich coolen langen Eröffnungssequenz verliert sich der Film
immer mehr in seine hübschen (neudeutsch durchgestylten) Bilder und lässt
die Story zur völligen Nebensächlichkeit verkommen. Irgendwann hat man sich
aber dann an allem sattgesehen. Im Gegensatz zu diversen schlafenden
Mitsehern (naja war ja auch schon der dritte Film) gelang es mir zwar mich
wachzuhalten, aber letzten Endes haben die Schläfer nicht viel versäumt.
Fazit: schöne Bilder machen noch lange keinen guten Film, so bleibt eine
extra hübesche aber belanglose Schlaftablette.

jens wittmann * 6.5

Déjà Vu

Das Positivste an diesem Film ist natürlich seine Optik.

Die Story ansich schraubt die Erwartungen bzgl. der Auflösung und des Höhepunktes während des Films ganz schön in die Höhe. Der Twist am Ende ist dann allerdings ein echter Griff ins Klo und wirkt lächerlich und angestaubt.
Wie die Story aber danach zu Ende geführt wird, entschädigt wieder für einiges.

Sehr schön sind die kleinen "Deja Vus", die sich durch den ganzen Film ziehen.
Achtet zB mal auf das Zimmermädchen im Hotel, den Leibwächter, den LKW Fahrer, das Plakat im Hintergrund während des ersten Gespräches der beiden Hauptakteure im Café oder das Paradoxon in der Fotokollage am Ende.
Kleinigkeiten, die für mich den Film erheblich aufwerten.

war im Residenz, Köln

Herr_Kees * 2.0

Film Fatal

Brian De Palma wird Dario Argento immer ähnlicher. War eine Tendenz der Form über den Inhalt schon in seinen letzten Filmen vermehrt zu beobachten, stellt FEMME FATALE einen vorläufigen Höhepunkt an gelackter Substanzlosigkeit dar. Ein unglaubwürdiger (und trotzdem vorhersehbarer) Zufall reiht sich an den Anderen, aber statt traumhaftem lynchschem Experimentalkino bekommen wir einen exploitativen Chauvikrimi aus der untersten Schublade.

Das Traurige ist, dass es wie schon in SNAKE EYES und sogar MISSION TO MARS einige brillant inszenierte, ja, choreographierte Szenen gibt. Doch was dazwischen abläuft, verkauft den denkenden Zuschauer derart für dumm, dass man sich fragen muss, wie ein großes Studio wie Warner nur Geld für einen solchen C-Trash lockermachen konnte.

Wie schrieben Hahn/Jansen über Argento: "Da fragt man sich, zu was er in der Lage wäre, würde ihm mal jemand ein ordentliches Drehbuch liefern." Das möchte ich jetzt zum Thema De Palma einfach mal so stehen lassen.

war im Metropol, Stuttgart

D.S. * 7.0

Routine vom Meister.

FEMME FATALE ist einer derjenigen Filme, deren Bewertung durch den Zuschauer ganz entscheidend von der Erwartungshaltung geprägt sein wird, mit der dieser an ihn herangeht. Viele zeigen sich enttäuscht, kritisieren dünne Story und häufigen Einsatz aufmerksamkeitsstarker filmischer Mittel offenbar nur um ihrer selbst willen.

Sicherlich - an die narrative Intensität von Meisterwerken wie THE UNTOUCHABLES, SCARFACE oder CARLITO’S WAY kann FEMME FATALE ebensowenig heranreichen wie an die inszenatorische Brillianz von MISSION: IMPOSSIBLE oder auch die Bildgewalt von MISSION TO MARS. Tritt man jedoch an den Film heran, ohne sich Brian De Palmas Filmographie vor Augen zu rufen, nimmt man ihn vielleicht ein wenig anders wahr... Erst recht, wenn er, wie in Frankfurt, durch Schorsch von Rosebud mit den Worten angekündigt wird: "Alle, die meinen, sie müssen dann noch unbedingt einen erotischen Thriller von Brian De Palma sehen, können sich ja FEMME FATALE angucken." Meine Erwartung lag jedenfalls bei Null - und um so positiver wurde ich überrascht. Zum Beispiel von den Charakterzeichnungen, die zwar nicht unbedingt sehr in die Tiefe gehen, aber zumindest in Bezug auf die Hauptfiguren die (angesichts Filmtitel, Setting, Schauspielern und Storyanlage) eigentlich zu erwartenden Klischees weitgehend umschiffen. Und so dafür sorgen, daß man vom Handeln der meisten Figuren immer wieder überrascht wird. Daß man den Storyverlauf absolut nicht vorhersehen kann, daß das Geschehen immer wieder wilde Kapriolen schlägt und man ungläubig die Situation betrachtet, in der sich die Figuren nun schon wieder befinden. Überhaupt passiert hier relativ viel - Längen werden vermieden, der Unterhaltungsfaktor ist, meiner Meinung nach, hoch.

Ach ja, die Story. Kurz zusammengefaßt: Ein exakt geplanter Juwelendiebstahl während der Filmfestspiele von Cannes läuft nicht so ab wie gedacht, als Laure sich entschließt, die Beute lieber nicht mit ihren Gangsterkollegen zu teilen. Einer von ihnen, Racine, spürt sie aber in ihrem Hotel auf und wirft sie nach einer heftigen Auseinandersetzung einfach über das Treppenhaus-Geländer. Zwar war man in einem der oberen Stockwerke zugange, doch Laure stirbt nicht - stattdessen erwacht sie in einer fremden Wohnung, wo ein altes Ehepaar sich um sie kümmert. Offensichtlich verwechselt es sie mit seiner Tochter - und deren Rolle nimmt Laure bald ein, nachdem sie den Selbstmord der Tochter beobachten mußte. Sie steigt in ein Flugzeug nach Amerika, lernt einen aufstrebenden Politiker kennen - und ist ihrer Vergangenheit, der Kriminalität und Verfolgung, endlich entflohen. So scheint es zumindest. Bis sie sieben Jahre später, an der Seite ihres inzwischen zum US-Botschafter gewordenen Mannes, nach Frankreich zurückkehrt. Ein Foto, das Boulevard-Fotograf Nicolas Bardo dort von ihr schießt, ruft nicht nur ihre ehemaligen Kollegen auf den Plan und bringt sie in Lebensgefahr. Es stößt auch Bardo selbst in einen immer wilderen Strudel von Intrigen, Gewalt, Erotik - und eiskalter weiblicher Strategie. Und er muß, wie der Zuschauer, bald lernen, daß nicht alles ist, wie es zu sein scheint...

Ja, hört sich reichlich kompliziert an. Wäre es im Film vielleicht auch, hieße der Regisseur nicht De Palma und verfügte er nicht über echte erzählerische Klasse. So aber erfährt der Zuschauer immer genau so viel, wie er wissen muß, um zu einem den Filmfiguren gleichberechtigten Teilnehmer des Geschehens zu werden. Wie sie kann er manchmal der Versuchung erliegen, zu glauben, er wäre komplett im Bilde und über alle Verflechtungen der Charaktere und Situationen informiert - nur um dann durch einen Storytwist wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden. Das gefällt, das läßt einen durchaus in die Story einsteigen. Und gespannt sein, wie das ganze wohl ausgehen wird.

Ein Meisterwerk ist FEMME FATALE dabei jedoch bei weitem nicht. Trotz aller Erotik, die Rebecca Romijn-Stamos als Laure wirklich gnadenlos ausstrahlt, fehlt es dem Film spürbar an Leidenschaft. Sinnbild dafür ist vielleicht die Leistung von Antonio Banderas: unaufgeregt, sehr zurückgenommen spielt er seinen Part als Fotograf Bardo. Zwar sehr routiniert und alles andere als aufdringlich - aber eben auch, ohne weiter groß in Erinnerung zu bleiben. Zu glatt und unerheblich ist FEMME FATALE, um wirklich zu beeindrucken. Das gilt für die Story, die man - zwar bislang meist straighter und auch schwächer erzählt - durchaus schon gesehen hat, und deren Endtwist mehr als enttäuschend ist (kaum zu glauben, daß solche "Kniffe" aus der Hochzeit der Cliffhanger immer noch Anwendung finden...). Das gilt aber auch für die Inszenierung, die zwar auf einige mehr als nur stylische Sequenzen verweisen kann (wie etwa die wundervolle Juwelenraub-Passage) - insgesamt jedoch nichts Neues, nur die bewährte De Palma-Formel bietet, samt einiger Gimmicks im Bereich Kamera und Montage, deren Sinn sich mir bisher nicht erschließt.

Das Fazit: FEMME FATALE ist solide Unterhaltung. Man bekommt einige Überraschungen geboten, wobei kaum eine davon länger im Gedächtnis bleiben wird. Zu den Highlights im Schaffen De Palmas gehört der Film nicht - aber auch nicht zu den großen Enttäuschungen. Wer kann, sollte dem Film eine (in beide Richtungen) vorurteilsfreie Chance geben: zwei Stunden lassen sich auch bedeutend schlechter totschlagen. Und Rebecca Romijn-Stamos ist ein echter Augenschmaus.

war im Turm-Palast, Frankfurt

Jochen * 9.0

Auch Bilder können lügen

13 Bewertungen auf f3a.net

Zurück

Bewertungen

Femme Fatale
  • f3a.net: 5.7/10 13
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-09-22 16:50

Archiv Suche


oder ?