s Grace (2009) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Grace

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Reviewer

D.S. * 4.0

Ein Frauenfilm. Für schwangere Frauen mit Lust auf Traumata.

Im Programmheft wird eine Besprechung von Fearnet.com zitiert, die es zwischen den Zeilen gut auf den Punkt bringt: zwar ist der Regisseur und Drehbuchautor von GRACE ein Mann, aber es handelt sich hierbei eindeutig um einen Frauenfilm. Denn er baut seine Story ausschließlich um und seine Atmosphäre ausschließlich auf ein Thema auf, das dem männlichen Geschlecht naturgemäß nicht ansatzweise so nahe gehen kann wie dem weiblichen: die Geburt und das Stillen eines Babys. Dafür nimmt er sich sehr viel Zeit. Und taucht in dieses Thema, mit all seinen Facetten, ganz tief ein. Darüber hinaus hat er aber leider nur sehr wenig zu bieten.

Unsere Hauptfigur ist Madeline, die uns als leicht abseitige Veganerin und Fundamentalökologin vorgestellt wird. Madeline hatte bereits zwei Fehlgeburten, wobei sie die Gründe dafür in erster Linie in falscher Geburtsbegleitung in konventionellen Krankenhäusern sieht. Darum besteht sie darauf, als sie nun endlich wieder schwanger ist, diesmal in einem alternativen Geburtshaus niederzukommen und die Entbindung von ihrer alten Freundin und ehemaligen Liebhaberin Patricia durchführen zu lassen - eine esoterisch angehauchte und gleichfalls radikalökologische moderne Hebamme. Enter the Gegenspieler: Vivian, die Schwiegermutter von Madeline. Sie wird als Spießer-Hexe gezeichnet, die noch nie verstehen konnte, warum ihr brav-durchschnittlicher Herr Sohn sich mit einer so seltsamen Person abgegeben hat. Sie hält Madelines Ideen von Geburtshäusern und Co. schlicht und ergreifend für krank und versucht immer wieder, das Geschehen doch ins Krankenhaus und in die Hände ihres langjährigen Arztes verlegen zu lassen.

Wie das Programmheft schon spoilert, geht dann einiges schief: ein Autounfall, eine erneute Fehlgeburt, das Baby tot. Scheinbar. Denn dann beginnt es plötzlich, sich doch zu rühren. Und zu nuckeln. An den Brüsten von Madeline, die schon bald entsetzlich schmerzen werden...

Wie sich herausstellt, mag klein Grace aber nicht etwa Muttermilch. Sondern nur eine andere Flüssigkeit, die ihre Mama zu bieten hat. Unter immer größerer Qual versucht Madeline, ihr Baby zufriedenzustellen. Und zu ignorieren, dass Blut und Fliegen eigentlich nicht die richtige Umgebung für den Nachwuchs darstellen.

Storyseitig war es das eigentlich schon. Zwar macht sich Madeline durchaus Sorgen um den Zustand und die Vorlieben von Grace, aber sie weigert sich beharrlich, sich einem Arzt anzuvertrauen. Ihre einzige Bezugsperson ist bald Patricia, aber aufgrund eines Eifersuchtsdramas ist der Kontakt zu ihr gestört. So vegetiert sie mitsamt dem Baby anämisch vor sich hin, abgeschnitten von der Außenwelt und hilflos gegenüber der Erkenntnis, dass sie da ein Zombiebaby nährt. Bleibt nur ihre Schwiegermutter - aber die hat eigene Pläne...

Aus GRACE hätte man vieles machen können, etwas sehr spezielles ist es geworden. Das Zombiethema steht komplett im Hintergrund, es hagelt hier also nicht Sterbensfälle und Leichenteile. In erster Linie ist der Film wohl als Drama um Selbstbestimmung und Mutterinstinkte zu werten: Madeline verweigert sich konsequent allem, was die Bindung zwischen ihr und Grace gefährden könnte. Selbst wenn sie weiß, dass ihr Verhalten und ihr Baby alles andere als gesund sind.

Madeline schaut fast ununterbrochen einen Fernsehsender namens "Animal TV", und hier verfolgen wir regelmäßig Ausschnitte einer Sendung, in der es darum geht, dass Kühe "totgemolken" werden. Letztendlich genau das, was Grace mit seiner Mutter anstellt. Ist der Film deshalb als Parabel auf das Verhalten von Menschen gegenüber Tieren zu verstehen? Kaum vorstellbar, dass er so gemeint ist, denn dafür wird die Veganerin Madeline in Teilen viel zu negativ gezeichnet. Es ist relativ bald klar, dass ihr nur der Besuch eines Arztes wirklich helfen könnte, auch die Figur selbst sieht das im Innersten ein, aber sie reagiert halsstarrig und trotzig - wirkt so am ehesten wie eine christliche Fundamentalistin, die ihre kranken Kinder im Glauben an Gottes Weisheit verrecken lässt. Aber auch Vivian als Vertreterin der "normalen Welt" tritt nicht als Heilsbringer auf. Sie ist ein absoluter Unsympath und wird uns definitiv nicht als die Vernunft in Person vorgestellt.

So bleibt ein wenig unklar, was uns GRACE eigentlich sagen will. Da schwimmt vermutlich eine Menge im Subtext, aber ich kann es nur bedingt entschlüsseln. Recht unangenehme, schwere, aber auch ziemlich zähe Kost ist das Ganze allemal, woran ein zwischenzeitlicher Anflug von Humor auch nicht viel ändert. Man leidet ein wenig mit, die meiste Zeit langweilt man sich aber leider. Zumindest, wenn man ein Mann, zumindest, wenn man ohne Nachwuchs ist. Denn dann erschließt sich nicht wirklich viel von dem Drama, das die Hauptfigur durchleidet. Und man kann meistens nur mit dem Kopf schütteln - oder den Schultern zucken. 4 Punkte, kryptisch, zu handlungsarm und zu langatmig.

war im Metropolis 1, Frankfurt

Alan Smithee S * 5.0

Dieser Review enthält SPOILER!

(K)ein Film für werdende Mütter

"Grace" handelt von Madeline, einer jungen Veganerin, die mit ihrem Ehemann Michael bislang erfolglos versucht hat ein Kind zu bekommen. Nach zwei gescheiterten Schwangerschaften kommt es erneut zur Empfängnis, ihr Mann und Baby sterben jedoch bei einem Autounfall. Madeline weigert sich den toten Fötus entfernen zu lassen und bringt ihn schließlich mit Hilfe ihrer alten Freundin und Hebamme Patricia zur Welt. Zur großen Überraschung der beiden erwacht das Baby auf Madelines Flehen hin wieder zum Leben. Die junge Mutter ist außer sich vor Freude. In den Tagen und Wochen nach der Geburt beginnt das Baby jedoch unschöne Veränderungen zu durchlaufen und eine Vorliebe für Blut statt Muttermilch zu entwickeln...

Nach all den Höhenflügen des FFF 2009 kam mit "Grace" dann doch ein mäßiger Film. Kalt gelassen hat er mich allerdings keineswegs, denn bedingungslose - beinahe schon obsessive - Mutterliebe ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Die Szene zu Beginn, in der sich Madeline auf dem Rücken liegend embryoartig zusammenkauert, um die Empfängnis zu begünstigen, ist vielleicht die eindrücklichste des ganzen Filmes und erscheint mir manchmal in meinen Träumen. Madeline wird wirklich wunderbar von Jordan Ladd gespielt, die man noch aus "Cabin Fever" und "Deathproof" kennt, und lange Zeit habe ich während des Films wirklich mit ihr gelitten und mich bei der Verwandlung des Babys auch mit Wonne geekelt. Ab einem gewissen Punkt begannen mich ihre Handlungen jedoch sehr zu stören... Wie weit kann Mutterliebe - gerade angesichts einiger grotesker Vorgänge im Film - wirklich gehen, bevor man nicht doch mal seine Vernunft heranziehen sollte (ein geschätzter Rezensent hat ihr extremes Verhalten recht treffend mit dem christlicher Fundamentalisten verglichen)? Eindeutigere Schwächen waren für mich die überzeichnete Schwiegermutter, die den Verlust ihres Sohnes nicht verkraftet und sich geradezu besessen darum bemüht Madeline ihr Kind wegzunehmen, und auch das recht unausgegorene Ende des Films. Über weite Strecken eigentlich spannend gemacht, war "Grace" damit insgesamt enttäuschend, auch wenn ich es Dank der guten Hauptdarstellerin nicht bereue ihn gesehen zu haben.

war im Metropolis 1, Frankfurt

24 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Grace
  • Score [BETA]: 58
  • f3a.net: 4.5/10 24
  • IMDb: 7.1/10
Bewertungen von IMDb werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-09-19 19:40

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