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Review The Investigator

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Die Krabbe kriecht rückwärts
von D.S.

Holla, was für eine Überraschung - und nach "Just another Love Story" gleich der nächste Film, der direkt der Feder von Paul Auster entsprungen sein könnte. Das heißt: unserem Protagonisten, dem stoischen Pathologen Tibor, passieren von einem Tag auf den anderen immer mehr Dinge, die immer weniger nachzuvollziehen sind. Er lässt sich beinahe unmerklich in ein Knäuel von schicksalhaften Entscheidungsfäden hineinziehen, die sich miteinander verheddern, verknoten, da ein Deutungsmuster bilden, dort ein anderes auflösen, bis sie sich schließlich zu einem undurchdringlichen Mysterium gewoben haben. In dessen Mittelpunkt ein Mord steht - und die Frage, wer ihn begangen hat. Obwohl wir und Tibor das ja eigentlich die ganze Zeit schon wissen. Obwohl, tun wir das wirklich?

Gesichertes Wissen ist ohnehin das Kernthema von "The Investigator", denn mit Tibor steigern wir uns in diesem wunderbaren ungarischen Hirnfick mehr und mehr in absolute Skepsis über alles und jeden um uns herum hinein. Ab einem gewissen Zeitpunkt stellt man jede Figur dieses Films und ihre Beweggründe in Frage: in mancherlei Hinsicht ein Whodunnit mit inszenatorischen Mitteln des Film Noir, ist "The Investigator" aber tatsächlich vor allen Dingen ein Film über Kausalität, Entscheidungsfreiheit und deren Wahrnehmung durch den Handelnden. Oder vielleicht besser durch den, mit dem das Schicksal handelt.

Was jetzt alles furchtbar schwer klingt, aber das ist der Film überhaupt nicht. Zum einen gewinnt man den Protagonisten dank seiner Kauzigkeit ziemlich schnell ziemlich lieb und baut jede unterkühlte Distanz zum Geschehen deshalb bald vollständig ab. Zum anderen hat der Film eine ganze Menge unglaublich lustiger Dialoge und Handlungsmomente zu bieten, die ein ums andere Mal völlig überraschend über den Zuschauer hineinbrechen. Weil man nie vorhersehen kann, ob jetzt ein gewöhnliches Gespräch geführt werden wird oder sich aus heiterem Himmel wieder die größtmögliche Skurrilität ihre Bahn brechen wird. Wobei es übrigens das ein oder andere Mal auch ums Kino geht - ein bestimmter Dialog bringt den Saal dabei unter Garantie zum fassungslosen Lachen.

"The Investigator" ist zum einen ein richtig spannender Miträtselfilm, dessen Auflösung zur Abwechslung mal nicht die naheliegendste ist und die den Zuschauer bis zuletzt gefangen nimmt. Zum anderen enthält er jede Menge unverbrauchte Ideen, die sich teilweise in absolut schrägen, surrealen Szenen niederschlagen und ein, zwei Mal sogar auf eine Metaebene überwechseln: etwa, als Tibor mit allen Figuren des Films in einer Art übernatürlichen Vorlesungsraum versammelt ist und sie gemeinsam die verschiedenen Lösungsansätze des Mysteriums nach ihrem Für und Wider abwägen.

Fast alles ist hier unvorhersehbar und macht darum richtig viel Spaß - gerade im Gegensatz zu all den Genrefilmen, denen Routine und Sicherheitsdenken auf die Stirn geschrieben ist. Der einzige Wermutstropfen: "The Investigator" ist über weite Strecken zu langsam, fast schon behäbig inszeniert. Gerade im ersten Drittel passiert viel zu wenig - was aber in gewisser Hinsicht auch seinen Sinn hat: denn unsere Hauptfigur ist nun mal ein Stoiker, der sein Leben mehr als bedächtig angeht, der nichts mehr hasst als Aufregung und Veränderung, der stets die Ruhe bewahrt.

So gesehen, stimmt uns das niedrige Tempo also perfekt auf seinen Charakter ein. Und nach einer gewissen Zeit geschehen dann ohnehin so viele merkwürdige Dinge, dass man nur noch fasziniert auf die Leinwand starrt.

Bis dahin ließ mich der Film aber zu lange kalt, weshalb nur 7,5 Punkte drin sind. Dennoch ganz sicher eins der diesjährigen Highlights, gerade auch im "Fresh Blood"-Wettbewerb. Und Pflicht für jeden, der Lust auf einen Film hat, dessen Plotentwicklung er nicht schon im Schlaf vorhersagen kann.

war im Metropolis 6, Frankfurt

33 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

The Investigator
  • Score [BETA]: 74
  • f3a.net: 7/10 33
  • IMDb: 7.8/10
Bewertungen von IMDb werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-02-28 10:48

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