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Review Jeepers Creepers

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Dieser Review enthält SPOILER!

Francis Ford Creepola
von Niki Wurster

Oh Mann, JEEPERS CREEPERS hat sich tatsächlich als einer der ganz wenigen Filme entpuppt, die mich mit einem Gefühl der totalen Gehirnleere zurückgelassen haben. Das heisst soviel wie "Keine Ahnung wie ich das hier bewerten soll!".

Auf der einen Seite war der Film sprichwörtlich von der ersten Minute an absolut packend. Selten habe ich mich mehr für die beiden Hauptdarsteller interessiert als hier. Der Film beginnt mit dem Geschwisterpaar Trish und Darryl, die auf einer einsamen Landstrasse im Süden der USA in Richtung Heimat unterwegs sind. Sie halten typische Bruder-Schwester Konversation, als sie auf einmal von einem abgewrackten Kastenwagen bedrängt werden, der sie auf besonders aggressive Weise überholen möchte. Mehr von der Story zu verraten wäre eine Sünde, für die es keine Beichte gibt. Aber schon bei dieser ersten Attacke ist der Zuschauer zu 100% dabei und fiebert mit den beiden sympathischen Twens mit.

Perfekter Schnitt und Kamera, sowie eine Geschichte die sich bis zu einem gewissen Punkt in wunderbar zügiger Geschwindigkeit entfaltet und mit schrecklich gut getimeten Shockmomenten aufwartet, die sogar mich als abgestumpften Horror-Veteran noch haben im Settel zusammenzucken lassen.

Soweit so genial. Nun zu den schlechten, beziehungsweise verwirrenden Punkten des Films: Sobald man sieht bei wem oder was es sich bei dem Bad Guy handelt, war bei mir etwas die Luft raus und der Grusel verschwunden. Dies liegt daran, dass der Bösewicht von der Sorte ist, die meiner Ansicht nach bei niemandem den Angstschweiss aus den Poren treibt. Ich hatte mit etwas völlig anderem gerechnet und war ein wenig von der platten und teilweise zu humorvoll gehaltenen Auflösung enttäuscht. Ausserdem bin ich der Meinung, dass wir diesen Halunken schon viel zu früh vollständig zu Gesicht bekommen, was eigentlich generell immer ein Fehler ist. Bitte nicht falsch verstehen, bis man weiss um was für eine Sorte Bösewicht es sich handelt ist man total fertig, weil er scheinbar so ein übler Badass ist. Danach relativiert sich das irgendwie alles.

Was mich wirklich verwirrt hat, ist das Ende. Dieses kommt so unerwartet schnell daher und ist dermassen niederschmetternd, dass man sich fragt, ob Francis Ford Coppola, dessen Firma American Zoetropeden Film den Film produziert hat, komplett lebensmüde ist. Niemals hätte ich erwartet, dass die Produzenten eines kommerziellen US Horrorstreifens den Mut haben, den Film so enden zu lassen - und ich wäre der letzte, der sich über sowas nicht freuen würde. Im Falle von JEEPERS CREEPERS wird aber zu wenig Licht ins Dunkel gebracht und der Zuschauer mit einer dermassen drückenden Last von Fragen zurückgelassen, dass es dem Film eher schadet als hilft.

Selten habe ich mir so sehr eine Fortsetzung zu einem Film gewünscht wie bei diesem. Man sitzt nach der letzten Abblende vor der absichtlich extrem lang dunkel gehaltenen Leinwand, lauscht dem Song "Jeepers Creepers" und harrt gespannt der Dinge, hoffend, dass da noch was kommt. Plötzlich rollen die Credits und man betet, dass die Lichter im Saal ausbleiben und es auf unkonventionelle Weise nach dem Abspann weitergeht. Das tut es auch, allerdings nur etwa 3 Sekunden lang, was eher ein weiterer Schlag ins Gesicht ist, als die Antwort auf all die quälenden Fragen.

Das ist alles so unkommerziell und irgendwie unheimlich bewundernswert, dass es eigentlich genial ist. Wenn da nur nicht dieses taube, unbefriedigende Gefühl zurückbleiben würde. Ich weiss auch nicht, irgendwie ein perfekter Film mit Fehlern, die normalerweise keine wären, nur in diesem Fall eben doch einiges kaputt machen. Man schlendert dann Richtung Ausgang wie auf dem Nachhauseweg von einer Beerdigung mit dem Gefühl, jemanden den man mochte zurücklassen zu müssen, nun aber realisiert, dass man ihn garnicht richtig kannte.

Wie auch immer, jeder muss diesen Film sehen, damit Hollywood endlich merkt, dass der Markt mit unsäglichen Teenie-Horrostreifen endgültig gesättigt ist und wir endlich mal wieder etwas originelles und unkonventionelles vorgesetzt haben wollen. Vor allem wollen wir einen Film, der sich selbst ernst nimmt und Charaktere, die nicht mit aller Gewalt mit den derzeitigen Mode-Klischees gegeisselt sein müssen.

saß im Metropol, Stuttgart

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Bewertungen

Jeepers Creepers
  • f3a.net: 6.9/10 45
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-08-09 22:15

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