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Review Kill Your Friends

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Sex & Drugs & WTF
von D.S.

Bissige Satire über die Musikindustrie der späten 90er-Jahre, die fast komplett als One-Man-Show des glänzend aufgelegten „Rising Star“ Nicholas Hoult konzipiert ist. Er spielt Steven Stelfox, einen A&R-Manager eines britischen Plattenlabels, das die Mega-Trends der letzten Zeit (die Spice Girls und Oasis, zum Beispiel) ziemlich verschlafen hat und nun verzweifelt nach neuen Hits sucht.

Dafür ist Steven kaum der richtige Mann, denn – wie er beim regelmäßigen Durchbrechen der „vierten Wand“ dem Publikum freimütig erklärt – er hat keine Ahnung von Musik, er interessiert sich nicht für Musik, und er hasst Bands. Um dennoch sein Ziel zu erreichen, A&R-Chef des Labels zu werden, ist er bald ohne mit der Wimper zu zucken bereit, zu drastischen Maßnahmen zu greifen... auf die der Titel des Films hindeuten könnte.

Wer die erste Staffel von SKINS kennt, wird KILL YOUR FRIENDS lieben, denn Nicholas Hoult spielt hier mit spürbarem Genuss eine erwachsene, vielschichtigere, noch skrupellosere Version seines „Tony Stonem“ – einen hochintelligenten, zynischen Manipulator, der die Hoffnungen und Schwächen seiner Mitmenschen gnadenlos ausnutzt um zu bekommen, was er will. Und wenn ihm die Angriffsfläche, die ihm angeboten wird, dafür nicht ausreicht, ist er sich auch nicht zu schade, zum Ausgleich teuflische, garantiert empathie- und moralfreie Intrigen in Gang zu setzen. Im Gegensatz zu Tony ist Steven hier aber nicht permanent auf der Gewinnerseite, sondern hat eine schwere Erfolgskrise zu durchleben. Was Hoult die Möglichkeit bietet, mehr schauspielerische Facetten zu zeigen. Und dem Publikum die Befriedigung verschafft, ein solches Arschloch auch mal am Boden zu sehen. Nur um dann noch fassungsloser seine Wiederauferstehung zu verfolgen...

KILL YOUR FRIENDS erinnert natürlich in mancher Hinsicht ganz klar an AMERICAN PSYCHO, allerdings ist Hoults Steven Stelfox kein solcher Vollblut-Psychopath wie Patrick Bateman. Er wirkt um einiges realistischer, menschlicher und, bizarrerweise, sympathischer – was aber auch dem, allen Drogenexzessen und Bluttaten zum Trotz, leichteren Tonfall des Films geschuldet ist. KILL YOUR FRIENDS ist weniger unterkühlte Studie um Machtmenschen, denen Status und Kontrolle alles ist. Und mehr schwarzhumorige, überschäumende Abrechnung mit einem System, in dem auch die talentfreiesten Nullen zu Entscheidern über Karriere-Sein oder -Nichtsein werden können, wenn sie nur die richtigen Kontakte, ein aufgeblähtes Selbstwertgefühl und das nötige Quäntchen Glück haben. Oder bereit sind, ihm maximal unfair auf die Sprünge helfen.

Zwar hat man dabei das Gefühl, es wäre an manchen Stellen noch ein gutes Stück mehr Gehässigkeit drin gewesen, mehr Schärfe, mehr Zügellosigkeit und auch Fremdscham (wobei Moritz Bleibtreu in seinem Kurzauftritt als Prolldeutscher schon eine Menge davon induziert). Und im Mittelteil schleift das Tempo vorübergehend auch mal ein wenig.

Nichtsdestotrotz handelt es sich hierbei eindeutig um einen der gelungensten Eröffnungsfilme der letzten Jahre: optimal besetzt und gespielt, sehr stylisch, in seiner Handlung großartig bösartig – und natürlich mit einem fantastisch nostalgischen Soundtrack unterlegt. Hochklassiges Kino und ein ununterbrochen bestens unterhaltender Start ins Festival. 7,5 Punkte.

guckte im Cinestar, Frankfurt

69 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Kill Your Friends
  • Score [BETA]: 71
  • f3a.net: 7.1/10 69
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-01-24 11:16

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