s Mandy (2018) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Mandy

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Reviewer

Lovecraft * 6.0

Tiger Tiger, burning bright

Holzfäller Nicolas Cage auf Rachefeldzug: Nachdem eine obskure Sekte unter ihrem Anführer mit Jesus-Allüren (das wäre früher eine Paraderolle für Richard Lynch gewesen) seine Ehefrau gemeuchelt hat, schmiedet der traumatisierte Gatte wie einst Jung-Siegfried eine gewaltige Waffe, um zunächst einer höllischen Bikergang (eine Mischung aus Zenobiten und den Goblins von "Legend") und schließlich den Sektenmitgliedern höchstselbst den Garaus zu machen.

Wegen der Story sollte sich hier nun wahrlich keiner ins Kino verirren. Aber auch diejenigen, die mit einem gradlinigen, blutigen Revengestreifen gerechnet haben, bleiben eher ratlos zurück. Insbesondere die erste Stunde des Filmes ist ein dialoglastiger, surrealer, gerade auf visueller Seite beeindruckender Drogentrip mit Farbverfremdungen, Stroboskopeffekten und Animationseinlagen im Stile von "Heavy Metal". Dazu dräut effektiv ein bedrohlich-flächiger Synthiescore. Eindeutig mehr Alejandro Jodorowsky und David Lynch als Michael Bay, ohne jedoch deren Level an Faszination zu erreichen. Das ist schon Geschmackssache und ziemlich gewöhnungsbedürftig. Das gestrige Publikum in Berlin war eher gespalten, arg kritische Stimmen inklusive. Da auch Nicolas Cage über weite Strecken wieder seine übliche Show abzieht, sind mehr als 6 Punkte nicht drin.

verweste im Cinestar, Berlin

Frank * 6.0

Holzfäller Liebe

Im (Story) Kern substanzloser Müll, der künstlerisch-kreativ von visueller Seite durch Filtereinsatz und Farbgestaltung, sowie akustisch durch den hervorragenden Score von Johansson zu intensiv dichter Atmosphäre aufgebläht wird.
Die Soundteppiche sind jedoch leider zu Beginn deutlich zu viel des Guten mit dem Gefühl erzwungener Atmo; die Vertonung von Endphase bzw. Showdown ist allerdings grandios.
Nicolas Cage mit einigen kuriosen Gesichtsausdrücken. Dass er in Panos Cosmatos seinen Meister gefunden hätte halte ich für eine riesige Übertreibung, denn große schauspielerische Qualitäten braucht es nicht oder werden hier von Maske, Blut, verwaschenen oder dunklen Bildern und genuschelten Dialogen ersetzt. Womit ich nicht sagen möchte das Cage schlecht war, schon erstaunlich das die Wahl auf ihn fiel auch angesichts des Gore Gehaltes.
Der Film verdient auf Grund seines Stils durchaus das Prädikat Unique und kann hier schon beeindrucken. Für wen das reicht, oder wer sich mal ausmalen möchte wie sich Jesus auf 'nem schlechtem Acid Trip benehmen würde, der sollte ihn auf jeden Fall mitnehmen. Mich hat der Film nicht wirklich involvieren können.

war im Savoy, Hamburg

Leimbacher-Mario * 8.0

Holzfäller, Hippiekiller, Hellraiser

Nic Cage als Holzfäller aus der Hölle - in "Mandy" macht er als rachelüsterner Baumfäller Jagd auf eine Bande perverser Hippies und teuflischer Biker. Was klingt wie eine Mischung aus "Ghost Rider" und "Drive Angry" stellt sich als B-Movie-Blutfontäne heraus, die keine Grenzen kennt. Auch nicht die zum Arthouse-LSD-Trip. Etwas überlang, zu Beginn zäh, sicher oft drüber und ohne Frage "style over substance" - und dennoch ein Knaller für meinen Geschmack. Ein durchgeknallter, blutroter Cocktail, der trotz seiner anfänglichen Behäbigkeit fast übersprudelt vor Ideen und kleinen Wow-Momenten. Ein Ritt der Extreme, bei dem selbst die (nicht wenigen) Leute, die mit ihm wenig bis nichts anfangen können, Respekt zollen müssen.

"Mandy" ist eine Dampfwalze und schwankt hypnotisch zwischen grieseligem 80er-Chic, feuriger Apokalypse und futuristischem Filmgemälde. Man muss es sehen, um es zu glauben. Das kann abstoßen, kann einen aber auch einfach nur wegblasen. Einen Versuch ist Panos Cosmatos zweiter Irrsinnsbrecher jedenfalls immer wert. Nun ist der junge Regisseur endgültig auf allen Karten verzeichnet. Er ergänzt sich mit Cage scheinbar exzellent, er nutzt Farbe wie Argento in seinen besten Zeiten, er ist, wenn es sein soll, brutaler als Rob Zombie und dystopischer als Clive Barker. Zudem hat er natürlich clever bei Winding Refn und Carpenter abgeguckt/gelernt. Aus all diesen Einflüssen dann dennoch sein eigenes Heavy Metal-Süppchen zu kochen, ist alle Ehre wert. Ein Film gewordenes Iron Maiden-Cover. Fantasie, Alptraum, Lustexplosion. Exquisiter Schwanzvergleich. Johann Johannssons (RIP!) edler, wummernder Soundtrack ist da noch die Kirsche auf der halluzinatorischen Torte. Insgesamt macht das "Mandy" zu einem ganz besonderen Erlebnis. Da muss man durch.

Fazit: Da soll nochmal einer sagen, es hätte keiner mehr Eier im Biz - "Mandy" ist ein höllischer Trip ohne Wiederkehr. Bizarr, stylisch, polarisierend. Inhaltlich mager, audiovisuell eine Supernova. Zukünftiger Kult? Auch wenn er das vielleicht etwas zu hart will: Hell yeah!

war im Residenz, Köln

Christian * 6.0

The darker the whore, the brigher the flame

Viel Wind wurde um das Comeback von Nicolas Cage als Red in Mandy gemacht. Mit leicht speckigem Gesicht kehrt er tatsächlich optisch furios zurück, ohne sich in langen Dialogen zu verhaspeln. Mitunter schön ausgeleuchtet schraubt er sich als Red („Name ist Programm“) schnaubend tatsächlich in gewaltige Höhen menschlichen Leidens und performt diese Eruptionen und daraus resultierende extreme Gewaltaktionen mitreißend.

Doch der Reihe nach. Cosmatos zweite Regiearbeit Mandy beginnt furious, sowohl in Bild als auch in Ton. Der Sound von King Crimson und übergehend in den Score von Johann Johannsson lässt einen hellwach durch die verwaschenen 80er Bilderwelten gleiten. Mutig erzählt Cosmatos in wenigen Dialogen und mit der vollen Wucht einer aus heutiger Sicht außergewöhnlichen Bildsprache die knappe Geschichte von ein paar kranken religiösen Fanatikern, die auf ihrem Weg auf Mandy und Red treffen. Dass dieses Treffen für Mandy keinen guten Verlauf nimmt dürfte klar sein. Schließlich heißt es Rache zu nehmen…

Cosmatos macht in Mandy einiges ganz toll. Er hat eine wunderbare Freak-Show ausgewählt. Nahezu alle Figuren funktionieren und wirken tatsächlich allesamt wie schmutzige Ausgeburten aus der dunkelsten Ecke des „Lynchiversums“. Auch die sehr langsame Entwicklung der Story, die meiner Meinung nach in einer noch radikaleren Inszenierung auch ganz ohne Dialoge auskommen würde, gehe ich mit, auch wenn es gefühlte 60 Minuten dauert, bis tatsächlich mal ein wenig Dynamik entsteht.

Der psychedelische unscharfe Farbrausch gefällt, doch hier kommen die Punkte, die Mandy doch letztlich nicht über den Durchschnitt heben. Cosmatos überspannt den Bilderbogen mit seinen z. B. nicht notwendigen Graphics, gute 20–30 Minuten hätten im Schnitt beseitigt werden sollen und die wenigen komischen Gimmicks nehmen dem Film etwas die Ernsthaftigkeit und die Härte. Hier hätte Cosmatos auf der subversiven, verstörenden Linie bleiben sollen.

Ein lange gelungener Versuch, als Revenge-Thriller herauszustechen. Und doch in der Gesamtbetrachtung ein ebenso etwas träger Möchtegernarthouse-Trash, den Cage veredelt bzw. ver“roh“delt und in dem Cage auch funktionieren kann, weil man nun doch nicht die ganze Bandbreite des Schauspielens von ihm fordern muss.

Mutig platziert als Eröffnung des diesjährigen Fantasy Filmfestes. Ein Spalter und dennoch genau richtig hier.

goutierte im Savoy, Hamburg

Alexander * 10.0

Abstieg in die Hölle

„Mandy“ ist für mich definitiv nicht der zunächst aufgrund einiger mäßiger Reviews befürchtete Arthouse-Horror Kunstquark-Thrash, den ich ursprünglich erwartet hatte, sondern ein ultimatives, kompromissloses Horrormeisterwerk, in seiner filmischen Konsequenz genial erbarmungslos und gnadenlos hart.

Die teilweise psychedelischen Sets erinnern an Bühnenbilder aus einer der besseren Inszenierungen von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Cosmatos unterteilt seine Gewaltoper in 3 theatralische Aufzüge, beginnend mit einer vielen Zuschauern vielleicht zu langen, für die Dramaturgie des Films aber notwendigen und erfreulich feinstofflichen Einleitung und hervorragenden Charakterisierung der Hauptpersonen, gut wie böse, die für den Aufbau der Geschichte und des später ausufernden Gewaltdramas meines Erachtens nicht nur gut, sondern auch notwendig waren.

Erzählt wird die liebevolle Beziehung des von Nicolas Cage grandios verkörperten Holzfällers Red und seiner Mandy, wunderbar sensibel und zerbrechlich dargestellt von Andrea Riseborough, die ihre Rolle als fragil-verträumte Partnerin von Red fantastisch spielt und die vielleicht zerbrechlichste und tragischste Opferrolle in der jüngeren Filmgeschichte abliefert. Das Paar lebt in einem abgeschiedenen Häuschen mitten im Wald, das mehr einem Glaskasten gleich, aus unendlich vielen Glasscheiben zu bestehen scheint (selbst das Schlafzimmer besteht fast ausschließlich aus offenen Glasscheiben) und dem zerbrechlichen Glück und dem Ausgeliefertsein Mandy’s hier quasi als Analogie dient. Man bangt als Zuschauer wirklich ständig darum, welch' böse Mächte hier bald im wahrsten Sinne des Wortes einbrechen dürften…

Cosmatos nimmt sich aber nicht nur die gebührende Zeit, seine Geschichte zu erzählen, sondern würzt diese mit einem wabernden Klangteppich, der mehr an Psychedelic Rock als an Heavy Metal erinnert, und der mit seinem unheilschwangeren Score von Anfang an eine dichte Atmosphäre erzeugt, die den Zuschauer in ein permanentes Gefühl von Angst und Unwohlsein versetzt. Es ist vor allem diese oft verstörende Musik, die mich stellenweise an den ebenfalls durch seinen Score so herausragend gruselig gestalteten Film „Texas Chainsaw Massacre“ erinnerte.

Dieser kongeniale Music Score und die großartigen Leistungen der Schauspieler alleine hätten für mich bereits ausgereicht, aber nein, in „Mandy“ wird einem der Horror wirklich auf jeder Sinnesebene gehörig reingeblasen, weshalb Cosmatos das drohende, heranziehende Unheil zunächst mit satten, roten Farbtönen untermalt, um später, mit aufbrechender Gewalt und Verzweiflung, fast seinen gesamten Film in roter Farbe zu ertränken, die sich wie ein blutiger Faden durch fast die gesamte Spielzeit zieht und den apokalyptischen Wahnsinn bravourös untermalt.

Das Böse manifestiert sich nur langsam in „Mandy“, dann aber in Form einer Crew der fiesesten Psychopathen die der geneigte Cineast seit langem auszuhalten hatte. Zuweilen erscheinen auch Gestalten, die mehr Züge außerirdischer Monster oder Kreaturen der Hölle tragen, und mit jenen Clive Barkers Cenobiten-gleichen Wesen aus „Hellraiser“ zitiert Cosmatos in „Mandy“ nur einen von vielen offensichtlichen Horror-Vorbildern.

Drogen-in­fun­die­rte, leise Monologe des Wahnsinns in psychedelisch pulsierenden Sets wechseln sich ab mit brutalen Szenen maßlos sadistischer Gewalt. David Lynch meets Mad Max meets Kettensägenmassaker, und irgendwann gipfelt die Geschichte in völligem Irrsinn, mündet in einer rauschhaften Orgie der Gewalt, wirkt befreiend und verstörend zugleich und der grandios aufspielende Cage erinnert mit seinem Befreiungsschlag an Filme wie „Wer Gewalt säht“, „Eine kurze Geschichte der Gewalt“ oder „Mad Max“. Doch diese Filme sind ein Kindergeburtstag und ihre Protagonisten fast harmlos, im Vergleich zu dem im Blutrausch manifestierten Wahnsinnigen den Nicolas Cage hier in der Rolle seines Lebens abliefern darf.

Das alles ist beeindruckend, verstörend, künstlerisch auf ganz hohem Niveau, dabei unterhaltsamer als jeder Fetzen des jüngeren Genrekinos. Was für ein Brett! Mandy legt die Messlatte für gute Horrorfilme gewaltig hoch und hat zumindest meine Erwartungshaltung fantastisch überboten. Auf so einen Film auf dem FFF habe ich sehr sehr lange Zeit warten müssen und Cages blutverschmiertes Gesicht und seine Schreie von Wut und Trauer werde ich wohl mein Leben nicht mehr gelöscht bekommen.

Für mich der beste „Revenge“ Movie aller Zeiten und innerhalb seines Sub-Genres ein absolutes Meisterwerk.

Janina Himmen * 6.0

Heavy Trip

MANDY ist eine Tragödie im Art House Gewand, die sich viel Zeit lässt. Unterlegt mit einem Soundtrack, der genauso hypnotisch wirkt wie die bunten Bilder, entfaltet sich vor einem ein immer weiter von der Realität abdriftender Drogentrip um eine bösartige Hippiesekte. Leicht zugänglich ist das nicht, und man sollte viel Geduld mitbringen.

MANDY ist ein Splatterspaß mit denkbar simpler Story, in dem Nicolas Cage als wahnsinniger Holzfäller einen Rachefeldzug gegen oben genannte Sekte und monsterhafte Biker führt. Mit ungewöhnlichen Waffen, literweise Blut und der Nase voll Koks overactet er sich von einem Opfer zum nächsten - und von einem Metal-Plattencover zum nächsten. Das ergibt viel Material für die nächsten Cage-Memes.

Ja was denn nun? Kunst oder Trash? Will der Film, dass ich mit seiner sympathisch nerdigen Mandy mitfühle - oder lässt er sie nur leiden, damit der Held jedes noch so stumpfe Männlichkeitsklischee ausleben kann, während er sich für sie durch Hippies und Biker schnetzelt? Das Drehbuch muss sehr dünn gewesen sein, und die Dialoge wirken übertrieben theatralisch und dabei doch hohl.

Ich mag es, wenn Filme Experimente wagen, aber Mandy schafft es meiner Meinung nach nicht wirklich, alles unter einen Hut zu bringen. Rein von der Inszenierung her klappt das, denn die eigenwillige Optik ist wirklich gelungen und wirkt wie aus einem Guss. Definitiv eine Empfehlung für die große Leinwand! Aber während manches tragisch wirkt, musste das Publikum an anderen Stellen laut auflachen - weil ein kettensägenschwingender Nicolas Cage einfach nicht ernst genommen werden kann. Und leider passiert das auch in Szenen, in denen der Regisseur sicher nicht beabsichtigt hat, dass man lachen soll.

Trotz meiner Kritik bereue ich es nicht, MANDY gesehen zu haben, denn der Film ist völlig verrückt und hat mir gerade in der zweiten Hälfte durchaus Spaß gemacht. Aber noch einmal ansehen... nein, da würde ich wahrscheinlich einschlafen. Man hätte ihn um einiges straffen können. Nennt mich Kunstbanause, aber seine Stärke liegt für mich im Wahnsinn, den Nicolas Cage verbreitet, während mir die Einführung ziemlich egal war.

Als Eröffnungsfilm ist MANDY eine gute Wahl, obwohl er ein Spalter ist. Denn er bietet sowohl etwas für Spladdakiddies als auch für Kunststudenten. Aber schmeckt ein Gericht wirklich, bei den man einfach alle möglichen leckeren Zutaten in einen Topf schmeißt und es eine Spur zu lange köcheln lässt? MANDY ist nicht wirklich anspruchsvoll, sondern eher schwer verdaulich. Man möchte sich gerne nur das herauspicken, was einem schmeckt.

Erstveröffentlichung

war im Harmonie, Frankfurt

Giallorossa S * 4.0

Dieser Review enthält SPOILER!

Absolut enttäuschender Eröffnungsfilm

Also ich kann dem Machwerk wenig Positives abgewinnen. Rachegemetzel im Drogenrausch oder unter außerirdischem Einfluss (oder ist doch nur alles Einbildung???). Das ist hier in meinen Augen alles nur unlogisch. Zudem zieht sich am Anfang alles doch sehr in die Länge, bis dann mal was passiert. Die Figuren auf der Gegenseite sind zwar schön skurril, haben aber zu wenig Handlungsspielraum, da sie relativ schnell gekillt werden. Warum wird der blonde Wuschelkopf von den Außerirdischen geholt??? Für einen Splatterspaß hat der Film zu viele ernste Szenen. ich kann das Gelächter jedoch nachvollziehen, da manches vollkommen übertrieben präsentiert wird. Die blutigen Szenen sind schön anzusehen (handgemachte Effekte), das Gemetzel am Schluss geht mir aber dann zu schnell. Alles in allem daher knapp unter Mittelmaß und daher eines Eröffnungsfilmes nicht würdig.

war im Cinecitta', Nürnberg

Herr_Kees * 4.5

Ghost Rider vs. Hellraiser auf dem Planet der 80er

Es liegt nicht an der dünnen Story, dass MANDY ein so nichtssagender Film geworden ist, viele Genreklassiker basieren auf reduziertesten Plots. Es ist vielmehr das Fehlen einer zweiten Erzähl- bzw. Bedeutungsebene, einer metaphorischen, kommentierenden oder auch emotionalen. MANDY ist reine Pose, Kino, das eine Erfahrung verspricht, sich aber doch nur angestrengt durch Versatzstücke und Stereotypen der Filmgeschichte quält.

Zugegeben: MANDY sieht teilweise atemberaubend aus. Wobei es wahrscheinlich auch nicht so schwer ist, das Rotlicht aufzudrehen und dann ein bisschen am Dimmer zu spielen. Aber der Film hat eben diese simple Faszination einer Lavalampe und der größte Schockeffekt ist der Anblick der Badezimmerkacheln in Nic Cages Haus. Auch den hat man schon aufgedrehter (und besser) gesehen, wobei Cosmatos bewusst mit Cages manischer Mimik spielt und ihn ein ums andere Mal höchst idiotisch in die Kamera grinsen lässt. Aber wo Drogen im Spiel sind, ist ja ohnehin alles erlaubt, auch ein mehrfacher Wechsel der Tonalität, vom verträumten Beginn über den trippy Mittelteil bis zum gewalttätigen dritten Akt (wobei man auch hier schon deutlich Schlimmeres/Besseres gesehen hat), der – haha, was ein Regelbruch! – nach zwei Groschenheftkapiteln mit der verspäteten Titeleinblendung eingeläutet wird.

Was von MANDY bleibt, ist ein Dröhnen in den Ohren und Bilder, die so schnell nicht verblassen, die Erinnerung an einen guten Film jedoch nicht, höchstens an einen eigenwilligen.

staunte im Metropol, Stuttgart

Jimmyjohnjamesmyer * 4.0

Weder Fisch noch Fleisch... eher ein fader Eintopf mit zu viel Lebensmittelfarbe

Ich schnalle den Hype um diesen Film nicht. Okay, er ist untypisch, bunt und stilisiert, der Soundtrack ist schön dronig und düster. Aber das war es für mich auch schon. Das meiste ist endlos in die Länge gezogenes Minimum an Handlung. Insgesamt gut geschauspielert... Nicolas Cage wird wie immer die Meinungen spalten, sorgt aber immerhin für Komik mit seiner seltsamen Mimik oder wenn er völlig overactend in Unterhose durch das Badezimmer stolpert (wie alles in diesem Film bis zum Exitus ausgewalzt). Ach ja... der Schwanzvergleich-Kettensägen-Kampf ist natürlich auch super lustig... ich habe mich mehrfach gefragt, ob das mit dem Humor Absicht oder Unfall war, aber diese Szene ist so ein typischer Witz, der einem bekifft beim Gucken von Texas Chainsaw Massacre einfällt... Insgesamt irgendwie so schwer einzuschätzen, wie diesen Film genretechnisch zu verorten.

Ein Horrorfilm ist das hier aber so wenig wie ein Revengefilm. Es sind sicher klare Referenzen an den Horror da ... die komischen Zenobiten Heinis, wie auch die Filme, die im Film geguckt werden... aber das war es schon. Der ganze Horror und Schock geht hier in Düsterheit und Farbspektakel unter... schocken tut mich hier kaum etwas.

Insgesamt wirkt Mandy wie ein aufgeblasener Kunstfilm, der kaum etwas zu sagen hat und daher mehr auf den visuellen Wert legt und untenrum etwas die Bässe dröhnen lässt. Die Sektenmitglieder sind total überzeichnet bis wieder mal zur unfreiwilligen Comedy Grenze, wenn sie sich beim Hexenverbrennen an den Zähnen rumlecken wie ein Crystal Meth Junkie nach der Zahnreinigung.

Bis auf ein paar schicke Szenen von brennenden Kirchen und bunten Trips mit Cartoon Einlagen ist bei mir nichts außer Borderline-Comedy hängengeblieben. Insofern braucht das eigentlich keiner, der nicht gerne 2stündig aufgeblasene Null-Plots nachträglich analytisch mit Tiefe füllt.

MarxBrother81 * 6.0

Oh Mandy!

Nein, dies ist kein Film über ein ostdeutsches Mädel mit Hakenkreuzvergangenheit oder eine Neuinterpretation von "Evil Dead", in der Nicolas Cage, momentan von allen Kritikern über den grünen Klee gelobt, den Kettensägenschwinger vom Dienst mimen darf. In erster Linie ist es ein entschleunigtes, recht seltsames Zeitluppen-Thriller-Drama für Dauerbekiffte und Fans von schrägen Filmen, welches weder einer allzu großen Handlung noch aussagekräftiger Story bedarf, sich weder in Blut und reichlich Gedärm suhlt. Vielmehr will Cosmatos seine Zuschauer in sein spinnertes Reich entführen, sie mit in rot-blau-gelb gehaltenen Bildern in seine überzeichnete Surrealität gleiten lassen, seine eigene absurde Horrorshow abliefern. Und das für knappe, aber doch mehr als quälende zwei Stunden! Danke schon mal an Mitproduzent Elijah Wood, der diesen filmischen Alptraum wahr werden ließ. Gleich mal hintenweg: dies ist kein Film, den man sich in naher Zeit zweimal geben wird. Das glaube ich nämlich nicht. Dafür sind viele Momente zu sehr der Langatmigkeit untergeordnet worden, die erst 75 Minuten später einen gewissen Reiz bekommen, wenn Cage endlich zum brutalen Rächer wird und sich sein Eisen heiß schmiedet. Dann freut man sich schon wie ein kleiner Nerd, über ein Blutbad, dass wenigstens noch 30 Minuten gehen könnte, und sollte. Und ja: die Action beginnt, ganz langsam, ganz klar. Leider sollte man sich optisch mehr auf farbenfrohe Psychologie, harsches Geschrei und wirres Zeug freuen, als auf derben Witz, multiplen Trash und reißenden Gore. Nein, dafür muss man minutenlang ausharren, bis man bekommt was man verdient. Und die beste Leistung von Cage, nach seiner Zeit in der A-Liga Hollywoods, wie von allen angepriesen, ist dies schon mal gar nicht, das war bisher der weitaus bessere "Joe". Cage nimmt sich viele Facetten aus seinem Schaffen, wobei er sowieso nicht viel redet, sondern mehr Taten sprechen lässt. In Minute 102 wird der endlos erscheinende Film dann dem Cover gerecht, und "TCM" kommt zu ehren, während "Mad Max II" und "Hellraiser" schon persifliert worden sind. Das ist Grindhouse im modernen Gewand, aber mit viel zu vielen Längen. Die erste Stunde auf 20 Minuten runter reduziert, die letzte Stunde rasanter geschnitten - und alle hätten ihren fiesen Spaß gehabt. So wird man die Zuschauer sicher in zwei Lager spalten, wobei eine Gruppe sich komplett abwenden wird.

55 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Mandy
  • Score [BETA]: 79
  • f3a.net: 5.8/10 55
  • IMDb: 7.8/10
  • Rotten Tomatoes: 97%
  • Metacritic: 82/100
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© Fantasy FilmFest Archiv 2019-11-20 02:33

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