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Review Martyrs

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Dieser Review enthält SPOILER!

Was haben ein Volvo und ich gemeinsam? Wir sind beides Märtyrer.
von CineManiaX

Martyrs setzt Maßstäbe - allerdings nur in den ersten 45 Minuten, die schnelles, spannendes und adrenalinfreisetzendes Terrorkino versprechen und auch bieten. Die Handlung entwickelt sich stringent und lässt einige Fragestellungen offen, die auf ein interessantes und ansprechendes Finish schließen lassen. Die gelungenen Bilder und der professionelle Look verstärken die Intensität der ersten Hälfte von Martyrs noch.

Doch dann verwandelt Laugier seine Zuschauer (oder zumindest mich) in einen Märtyrer und lässt ihn spüren, was passieren kann, wenn einfach nur gut nicht gut genug ist und mit Gewalt eine weitere Komponente der Handlung zugefügt werden muss, um den erzählerischen Rahmen zu weiten - oder in diesem Fall hanebüchen zu sprengen.

Denn nachdem der Film eine neue Fahrtroute einschlägt, nimmt er auch jegliches Tempo aus seiner zunehmend kruder werdenden Handlung und fährt einige lächerliche Charaktere auf, die dem Film jeder Ernsthaftigkeit berauben. Zu diesem Punkt ist man aber aufgrund der Qualität des zuvor Gesehenen noch bereit, diesen Fauxpas wohlwollend zu entschuldigen, doch dann hebt der Erklärbär seinen Zeigefinger und schnippst den Zuchauer damit auf eine metaphysische Ebene, die man auch noch schlucken könnte. Aber nach dieser Wendung schlägt auch die Inszenierung um und bedient sich eines denkbar schlechten stilistischen Mittels: Um die vergehende Zeit zu betonen, wird nach jeder Szene kurz abgeblendet und anschließend wieder aufgeblendet. Das geht gefühlte 10 Minuten so und die zu sehenden Szenen widersprechen in ihrer Harmlosigkeit und Inkonsequenz auch der ersten Hälfte und lassen den 'Clou' des Films in einem noch fadenscheinigeren und amateurhafteren Licht dastehen. Auch für die Handlung bringen diese Sequenzen wenig, obwohl durchschimmert, was die inflationäre Häufung aussagen soll - aber auch deutlich macht, wie ratlos die Inszenierung an dieser Stelle des Films wirkt.

Die Schluss'pointe' ist dann zwar ganz okay, brüllt dem Zuschauer aber so dermaßen laut "ätschibätschi nänänänänänänä" ins Gesicht, dass von der anfangs so cleveren Inszenierung nur ein schaler Nachgeschmack bleibt.

Als dann im Abspann noch die Widmung an Dario Argento durchflackerte, dann wurde zumindest mir klar, warum die "Triebfedern" von Martyrs so albern schauspielern und aussehen und die letzte halbe Stunde so aufgesetzt ernsthaft und bedeutungsschwanger wirkt, dass sie einfach nur noch lächerlich ist.

Martyrs ist ein tolles Beispiel, dass weniger manchmal doch so viel mehr wäre. Gott sei Dank bietet er mit ein wenig Augenzudrücken auch die Möglichkeit, nach der ersten Hälfte auszuschalten und so zu tun, als ob der Film einfach vorbei ist.

staunte im Cinemaxx 7, Berlin

85 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Martyrs
  • Score [BETA]: 65
  • f3a.net: 7/10 85
  • IMDb: 5.9/10
Bewertungen von IMDb werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-02-27 14:38

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