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Review Martyrs

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Dieser Review enthält SPOILER!

2 Hälften, 1 Schock
von Leimbacher-Mario

Normalerweise trenne ich eine kurze Inhaltsangabe von der eigentlichen Kritik. Aber da Martyrs solch eine Tour de Terror ist, die dich die komplette Spielzeit am Rande der Couch hält, einen aufweckt, egal wie müde man ist, arbeite ich mich heute entlang der Story. Zu kraftvoll, unberechenbar & brutal ist das Ganze, um euch nicht anhand einzelner Szenen & Geschehnisse mein Staunen, meinen Schock & meine Bewunderung als Horrorfilm-Fan zu schildern. Dieser Film hinterlässt definitiv bleibenden Eindruck. Ich mag ihn sehr. Aber sicher kein Film für ein erstes Date ;)

Der Film beginnt mit einem aus einem alten Industriegebiet & Gefangenschaft fliehenden Mädchen, welches schnell im Heim landet. Dort lernt es eine fürsorgliche, liebe Freundin kennen, welche ihm gegen das es verfolgende Monster/Dämon aber auch nicht helfen kann. Schon dort merkt man schnell den humorloseren, trockenen, rauen Stil, mit dem Martyrs einen schockierenden Schlusspunkt unter die französische Terror-Horror-Welle setzte. Der das arme Mädchen verfolgende Dämon ist schon hier sehr gruselig & im weiteren Verlauf der ersten Filmhälfte läuft dieses schneidende & stechende Böse noch zu grausamer Höchstform auf. So gut, dass unübersehbar sogar die Macher des Evil-Dead-Remakes angetan waren von Design & Bewegungen, sodass die dortigen Besessenen sehr ähnlich nachempfunden wurden. Man merkt allerdings auch schnell, dass dieser Dämon nur im Kopf der mittlerweile erwachsenen Frau existiert, was die von ihm ausgehende Angst aber nur geringfügig mindert.

Der Film verliert dann keine Zeit & lässt diese geplagte Seele auf eine scheinbar ganz gut betuchte Familie los. Mit einer Schrotflinte werden allesamt in deren Haus gnadenlos & ultrabrutal getötet, sogar die Kinder. Und man ist sich als Zuschauer schnell nicht mehr ganz sicher (im Gegensatz zur Protagonistin), ob diese gerade kaltblütig getötete Familie wirklich ihre damaligen Peiniger gewesen sind. Diese Zweifel befallen auch ihre Begleitung, ihre damalige Freundin Anna aus dem Kinderheim. Und diese Zweifel werden auch nicht kleiner, als sich Lucie nun endlich erlöst die Kehle durchschneidet.

Mehr oder weniger einem Zufall ist es zu verdanken, dass Anna doch noch das Folterverlies der Familie & darin eine weitere zutiefst gefolterte Seele findet. Was für ein grauenhaftes Artdesign, & die Befreiung von ein paar ihrer Leiden in der Badewanne ist körperlich spürbar & schmerzlich. Dann wird das Haus jedoch recht schnell von einer Art Sekte gestürmt, zu der auch die ermordete Familie zählte. Sie erschießen die ebenfalls von Visionen geplagte Frau aus dem Keller & erklären Anna, dass sie junge Frauen (& Kinder) so lange foltern & quälen, bis diese in eine Form des Martyriums eintreten & von der anderen Seite berichten können. Und, wie nicht anders zu erwarten, wird Anna ihre nächste Kandidatin. In der strangen zweiten Hälfte des Filmes wird kaum noch gesprochen, Anna nur noch geschlagen, gefüttert, wieder geschlagen, festgekettet & weiter ins Martyrium gezwungen, welches sie gegen Ende, durch eine etwas überzogene Häutung, auch erreicht & der Anführerin der Sekte etwas über die andere Seite ins Ohr flüstert. Diese schießt sich dann aber mit den Worten "Zweifel weiter" zu einem ihrer Sektenuntertanen in den Kopf und der verstörende, nachdenklich stimmende Film endet.

Viele reden immer über die krasse zweite Hälfte, dabei mag ich Hälfte eins lieber, ist sie gruseliger & emotionaler durch die Beziehung der zwei Frauen. Über das Ende lässt sich aber super spekulieren & diskutieren, was auch immer zu einem guten Film gehört. Außerdem gibt es außer der unrealistischen Häutung & heftiger Prügel auch nicht mehr allzu viel zu sehen. Wobei die Schläge & Gefangenschaft der lieben Anna einen schon mitnehmen können, was sich jedoch auch abnutzt. Gegen Ende wird der Film immer ruhiger & meditativer, aus der Folter wird fast schon Erlösung, auch spürbar in der Stimmung des Filmes. Da ist Hälfte eins wesentlich aufwühlender. Vielleicht sollte ja gerade dieser Effekt erreicht werden, was aber sicher keine Entschuldigung für die Taten der Sekte sein sollte. Egal ob Gore, Look, Musik oder tolle darstellerischen Leistungen der Frauen - hier ist ein schwer verdauliches Stück modernen Horrors gelungen! Sicherlich polarisierend & eher für den harten Kern der (Horror-) Filmfreunde!

Fazit: einer der härtesten & kontroversesten Filme aller Zeiten... und dabei nicht nur auf Schock setzend, sondern auch ein richtig guter Film... auch wenn Hälfte 2 sich etwas zieht & das Ende (& die dortige Stimmung) leicht falsch gedeutet werden kann.

85 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Martyrs
  • Score [BETA]: 65
  • f3a.net: 7/10 85
  • IMDb: 5.9/10
Bewertungen von IMDb werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-02-24 11:39

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