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Review Memento

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Aerobic fürs Gehirn oder Brainfuck?
von Niki Wurster

Es fällt mir wirklich nicht leicht ein Review für MEMENTO zu schreiben, da ich jetzt noch Kopfschmerzen bekomme, wenn ich auch nur an den Film denke. Das ist jedoch nicht irgendein negativ gemeinter Spruch, sondern tatsächlich Fakt.

Ich stimme zu 100% mit meinem lieben Kumpel Azrael (ein Review über diesem) überein, schliesslich haben wir uns noch eine halbe Stunde nach dem Film den Kopf darüber zerbrochen, ob der Film nun Logikfehler hat oder uns nur etwas entgangen ist. In der Tat wurde klar, dass es extrem schwierig war, alle Details und den genauen Ablauf der Handlung nach dem Film zu rekonstruieren. Man fühlt sich ein wenig wie der Protagonist Leonard Shelby, der seit einem Unfall am Verlust seines Kurzzeitgedächtnises leidet. Das bedeutet, dass er sich an alles vor dem besagten Unfall erinnert, jedoch keinerlei neue Erinnerungen machen oder neue Fähigkeiten erlernen kann. Aus diesem Grund schiesst er Plaroids von Personen, Plätzen und Dingen, notiert sich Details und tätowiert sich wichtige Fakten direkt auf den Körper.

Der Film besteht aus zwei Erzählsträngen, einer in Farbe und einer in schwarz/weiss. Das besondere daran ist, dass der Film mit dem Anfang (schwarz/weiss) sowie dem Ende (farbig) beginnt und der farbige Handlungsstrang rückwärts abläuft, so dass sich beide dann in der Mitte treffen. Was wir sehen ist dann praktisch 5 Minute Farbe gefolgt von 5 Minuten Schwarz/Weiss und so weiter. Das hört sich jetzt furchtbar kompliziert an... ist es auch! Das Problem des Zuschauers ist es, sich im Gedächtnis zu bewahren, was beim farbigen Strang passiert ist, sich das dann während des darauffolgen schwarz/weissen Segments alles zu merken, um dann beim nächsten farbigen Teilstück anknüpfen zu können ohne etwas vergessen zu haben. Kein Film für laue Sonntagnachmittage...

Leonard Shelby versucht den Vergewaltiger und Mörder seiner Frau zu finden, der auch den Zustand seines Gehirns verursacht hat. Seine Krankheit macht ihn zur leichten Beute für jede Art von Hochstapler, da er innerhalb einer Zeitspanne von etwa 5 Minuten all das vergisst, was davor geschehen ist. Genau das ist unseres Erachtens nach ein schwerer Logikfehler. Wie kann es sein, dass er, wo er sich doch an nichts nach dem Unfall erinnern kann, weiss, dass er unter dieser Beinträchtigung leidet? Auch das müsste er immer wieder vergessen und dann wie vom Donner gerührt alle paar Minuten aufwachen ohne jegliche Erinnerung daran, was unmittelbar zuvor passierte und warum er sich nicht daran erinnern kann.

Zusätzlich dazu ist das Ende des Films viel zu konfus. Es ist nicht klar ersichtlich, was denn nun genau pasiert ist und das schadet MEMENTO gewaltig. MEMENTO bleibt dann auch nur ein interessantes Experiment, das den Zuschauer fordert wie kein anderer Film zuvor, aber zum Schluss keine befriedigende Aufkärung bieten kann. Ich kann mir darum auch nicht erklären, warum der MEMENTO so dermassen gehypet wurde. Der beste Film des Jahres ist er definitiv nicht, noch nicht einmal annährend. Vielleicht kommt ein so hohes Rating wie in der Internet Movie Database (momentan Top 250 #12!) deshalb zustande, weil die meisten Leute Angst davor haben, einem scheinbar so intelligenten Film eine schlechte Bewertung zu geben, da sie dann selber unintelligent wirken könnten.

Mir hat MEMENTO durchaus imponiert, aber ich komme einfach nicht mit den Logikfehlern zurecht. Wer weiss, vielleicht klärt sich das ja beim zweiten Anschauen...

glotzte im Metropol, Stuttgart

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Memento
  • f3a.net: 9/10 54
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-01-25 06:41

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