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Review The Midnight After

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Lots of Lost People
von Frank

THE MIDNIGHT AFTER startet mit rasant geschnittenen Bildern des überfüllten Hongkonger Stadtlebens und führt in Windeseile die Protagonisten zusammen, schubst sie förmlich in den Schicksal bestimmenden Bus.

Es ist in der Tat erstaunlich, dass man es geschafft hat, Hongkong im Verlauf derart menschenleer zu zeigen. Da drängt sich der Verdacht auf, einer der verantwortlichen Filmschaffenden hatte gute Beziehungen zum Hongkonger Verkehrsministerium. Klasse auch die Art und Weise, wie diese Bilder eingefangen wurden: Atmosphärisch und durchaus variabel, nicht immer die gleichen leeren Straßen zeigend.
Das passt auch ganz gut zum mysteriösen Charakter von THE MIDNIGHT AFTER; Vergleiche mit LOST schmeicheln ihm vielleicht etwas zu sehr, gewisse Parallelen gibt es jedoch rein gefühlsmäßig, aber auch auf Grund der Tatsache, dass die "Auserwählten" eifrig damit beschäftigt sind zu ergründen, was genau passiert. Und das tun sie vor allem gemeinsam untereinander.

Die Figuren sind fast allesamt ziemlich sympathisch und wenn nicht, dann sind sie es genau deshalb. Außerdem werden sie überzeugend von den Darstellern gespielt, sodass der Zuschauer Spaß daran hat ihnen zuzuhören und zu folgen, solange sie noch am Leben sind.

Die Neuinterpretation des Bowie-Klassikers Space Oddity hat mir übrigens richtig Spaß gemacht. Tonal kristallklar und tief und in Bilder gekleidet, die zwar nicht ganz so mein Fall waren, aber der Ära David Bowie huldigen. Überhaupt war der Score gut und bot stets passende Sounds, in Erinnerung geblieben ist mir jedoch nur Space Oddity.

Der Humor entpuppt sich vor allem in der ersten Stunde als eine große Stärke des Films, sodass diese wie im Flug vorüber geht. Dann allerdings baut TMA ab und wird im letzten Drittel zunehmend abstruser.
Woran liegt das?

THE MIDNIGHT AFTER nutzt viele aktuelle Ereignisse des jüngeren (Asia-) Geschehens als Ideengeber für seine Story bzw. flechtet sie lose zu seiner Story:
Die Ereignisse auf der Leinwand sind letztlich eine große Metapher mit anklagendem Grundton***SPOILER***, angefangen mit der Fahrt durch den Tunnel, in Gestalt einer Gesellschaftssatire mit leider allzu deutlichem politischen Statement.
Der Film will unterhalten und kritisieren, zeigt aber keine eindeutige Intention, auf Story-Ebene zu einem klaren Schluss zu gelangen, die Ereignisse wirklich auflösen, klären zu wollen. Alles wirkt bloß symbolisch und nicht wirklich ursächlich.
Sicher, die Protagonisten sind die treibenden Kräfte auf der Suche nach einer Lösung, aber sowohl ihre Theorien wie ihre Dezimierung scheinen doch im Verlauf ziemlich willkürlich.***SPOILER***
Dem entgegengesetzt, unternimmt TMA gegen Ende plötzlich den Versuch oder suggeriert eine logische Auflösung, und wirkt dabei ziemlich abrupt und überstürzt.

Ich kann nur schließen, dass THE MIDNIGHT AFTER, dem Drehbuch nach und so wie er inszeniert ist, kein Film ist, der im Sinne einer Auflösung interpretiert und verstanden werden will oder soll.
Anders sähe das aus, wenn es tatsächlich einen zweiten Teil gäbe. Aus dem Film selbst ist diese Absicht jedoch für mich nicht erkennbar. Also muss ich ihn so stehen lassen und entsprechend bewerten.

THE MIDNIGHT AFTER hat mir nach starkem Anfang zu sehr nachgelassen und seinen anfänglichen Humor und seine Mystery-Atmosphäre leider zunehmend durch politisch motivierten Plot ersetzt (den ich als Nicht-Asia- oder -Hongkong-Experte obendrein nicht vollends verstanden habe) und dabei einige Längen entwickelt. Auch kann ich mich mit dem Ende nicht anfreunden. Daher gibt es von mir trotz anfänglich sehr gutem Unterhaltungswert keine höhere Bewertung, sondern nur gute 6,5 Pkt.

guckte im Savoy, Hamburg

50 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

The Midnight After
  • Score [BETA]: 59
  • f3a.net: 6.2/10 50
  • IMDb: 5.6/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-01-29 01:01

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