Reviewer
D.S. * 6.0
Kunst-volles Folk-Horror-Drama
Zypern, 1882. Vier Jahre nach Beginn der britischen Kolonialherrschaft sind die meisten Einwohner:innen gezwungen, sich halb tot zu arbeiten, um die von der Besatzungsmacht verlangten hohen Steuern zu bezahlen. Malerin Eleni dagegen kann sich durch den Verkauf ihrer Bilder über Wasser halten und ist nicht nur aus diesem Grund Außenseiterin: Die Mutter dreier Kinder lebte lange in Frankreich, hat keinen Ehemann (mehr) – und, noch schlimmer: ihr Baby Yiannakis ist bislang nicht getauft. Als bei einem schicksalhaften Unglück alle drei Kinder ums Leben kommen, wird sie deshalb nicht getröstet, sondern als verflucht gebrandmarkt.
Eleni kann ihren Verlust derweil kaum verkraften. In tiefster Depression wendet sie sich einem dunklen Ritual zu und malt mit Blut vom Nachbarsjungen Michalakis ein Bildnis ihrer Kinder, um sie von den Toten zurückbringen. Ihr Wunsch scheint sich auf den ersten Blick tatsächlich zu erfüllen. Auf den zweiten aber entpuppen sich die kindlichen Gestalten als Kalikantzari: Kobolde der griechischen Mythologie, die dieser zufolge in den zwölf Tagen nach Weihnachten Zugang zur Erde erlangen, wo sie für Zerstörung und Tod sorgen. Geführt von der dämonenhaften "Motherwitch", schicken sie sich an, ewige Nacht herbeizuführen …
Horrorfilme aus Zypern gibt es nicht viele, und auch dieser ist kein reinrassiger: Die vielen unterschiedlichen Aspekte seiner Geschichte lassen den schwarz-poetisch aufgeladenen Slowburner zeitweise mehr wie ein Sozialdrama oder eine Abrechnung mit den Übeln des Kolonialismus wirken. Gleichzeitig verleihen sie ihm aber eine Wucht und Tiefe, die puren Genrefilmen oft abgeht. Dass er zudem mit hervorragender Bildgestaltung punktet, kann kaum verwundern: Regisseur Minos Papas hat in seiner langen Karriere bereits als Kameramann für Scorsese gearbeitet. Besonders beeindruckend ist jedoch die Botschaft des Films über die Kraft von Kreativität, das Verarbeiten von Trauer und das Finden neuer Hoffnung zu ermöglichen.
Mir persönlich ein wenig ZU langsam, aber trotzdem definitiv sehenswert. 6 Punkte.
Eleni kann ihren Verlust derweil kaum verkraften. In tiefster Depression wendet sie sich einem dunklen Ritual zu und malt mit Blut vom Nachbarsjungen Michalakis ein Bildnis ihrer Kinder, um sie von den Toten zurückbringen. Ihr Wunsch scheint sich auf den ersten Blick tatsächlich zu erfüllen. Auf den zweiten aber entpuppen sich die kindlichen Gestalten als Kalikantzari: Kobolde der griechischen Mythologie, die dieser zufolge in den zwölf Tagen nach Weihnachten Zugang zur Erde erlangen, wo sie für Zerstörung und Tod sorgen. Geführt von der dämonenhaften "Motherwitch", schicken sie sich an, ewige Nacht herbeizuführen …
Horrorfilme aus Zypern gibt es nicht viele, und auch dieser ist kein reinrassiger: Die vielen unterschiedlichen Aspekte seiner Geschichte lassen den schwarz-poetisch aufgeladenen Slowburner zeitweise mehr wie ein Sozialdrama oder eine Abrechnung mit den Übeln des Kolonialismus wirken. Gleichzeitig verleihen sie ihm aber eine Wucht und Tiefe, die puren Genrefilmen oft abgeht. Dass er zudem mit hervorragender Bildgestaltung punktet, kann kaum verwundern: Regisseur Minos Papas hat in seiner langen Karriere bereits als Kameramann für Scorsese gearbeitet. Besonders beeindruckend ist jedoch die Botschaft des Films über die Kraft von Kreativität, das Verarbeiten von Trauer und das Finden neuer Hoffnung zu ermöglichen.
Mir persönlich ein wenig ZU langsam, aber trotzdem definitiv sehenswert. 6 Punkte.
Leimbacher-Mario * 5.0
Dunkle Zypressenmessen
„Motherwitch“ lässt auf und aus Zypern die mütterliche Trauerkloshexe los, wenn eine Frau (Ende des 19. Jahrhunderts) alle drei Kinder bei einem Unfall verliert – und danach in Kontakt mit dunklen Mächten tritt, um das eventuell rückgängig zu machen…
Dem Film fehlt rote Farbe…
Technisch habe ich nicht viel gegen „Motherwitch“ zu sagen. Die Berge und Sonnenuntergänge Zyperns sind erhaben. Mehr als das. Was für ein Fleckchen Erde! Die weibliche Hauptdarstellerin legt viel Schmerz und Wille und Wut in ihre Performance. Exotenbonus gibt's von mir dafür unbedingt. Und einige Einblicke in die Kultur des Inselstaates über etliche seiner kolonialen Besatzermächte gibt’s obendrauf. Aber hey, ich bin gekommen, um einen Horrorfilm zu sehen … und da versagt „Motherwitch“ leider unter jeden halbwegs anständigen Ansprüchen. Das ist wie gesagt alles interessant. Urlaubsreif. Aber nie spannend. Nie innovativ (im Folkhorrorbereich). Nie grausam (genug). Nie gänsehauterzeugend. Hübsch plätschert's vor sich hin und her und hin und her. Und ich habe unerbittlich gegen zufallende Augen zu kämpfen. Erst recht an einem vollen Festivaltag, was denke ich der wahrscheinlichste Ort ist, wo man „Motherwitch“ antrifft und wo er gegen die meiste Konkurrenz in der schwarzen Erde von Zypern untergeht…
Lore vor den leeren Latz
Fazit: Tolle zypriotische Landschaften, intensive Leading Lady, tragische Familienverluste, glaubhaftes Erscheinungsbild… In allerlei Genrebelangen allerdings zaghaft, zäh und zerbrechlich. Zu wenig, zu mild, zu blass. Ganz einfach.
Dem Film fehlt rote Farbe…
Technisch habe ich nicht viel gegen „Motherwitch“ zu sagen. Die Berge und Sonnenuntergänge Zyperns sind erhaben. Mehr als das. Was für ein Fleckchen Erde! Die weibliche Hauptdarstellerin legt viel Schmerz und Wille und Wut in ihre Performance. Exotenbonus gibt's von mir dafür unbedingt. Und einige Einblicke in die Kultur des Inselstaates über etliche seiner kolonialen Besatzermächte gibt’s obendrauf. Aber hey, ich bin gekommen, um einen Horrorfilm zu sehen … und da versagt „Motherwitch“ leider unter jeden halbwegs anständigen Ansprüchen. Das ist wie gesagt alles interessant. Urlaubsreif. Aber nie spannend. Nie innovativ (im Folkhorrorbereich). Nie grausam (genug). Nie gänsehauterzeugend. Hübsch plätschert's vor sich hin und her und hin und her. Und ich habe unerbittlich gegen zufallende Augen zu kämpfen. Erst recht an einem vollen Festivaltag, was denke ich der wahrscheinlichste Ort ist, wo man „Motherwitch“ antrifft und wo er gegen die meiste Konkurrenz in der schwarzen Erde von Zypern untergeht…
Lore vor den leeren Latz
Fazit: Tolle zypriotische Landschaften, intensive Leading Lady, tragische Familienverluste, glaubhaftes Erscheinungsbild… In allerlei Genrebelangen allerdings zaghaft, zäh und zerbrechlich. Zu wenig, zu mild, zu blass. Ganz einfach.
war im Residenz, Köln
15 Bewertungen auf f3a.net
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Bewertungen
Motherwitch
- Score [BETA]: 60
- f3a.net: 5/10 15
- IMDb: 6.9/10