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Review My Name Is Bruce

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Sich ein Denkmal setzen, indem man sich vom nicht vorhandenen Sockel stößt
von D.S.

Bruce Campbell war mir schon immer sympathisch, aber ein echter Spezialist war ich bislang nicht - ich kenne fast nur seine etwas größeren Filme; er allein als Darsteller wäre für mich nie Grund genug gewesen, die grottigeren Seiten seiner Filmographie zu erforschen. Das hat "My Name is Bruce" schon mal im Handstreich geändert: so liebevoll, wie hier einzelne Trash-Werke vorgestellt oder sogar in den Plot eingebaut werden, bekommt man riesige Lust, schnellstmöglich auf die Suche nach ihnen zu gehen. Aber schon ein kurzer Blick in die IMDb macht klar: fast die Hälfte der hier zitierten Filme gibt es gar nicht. An so viel Müll, wie "My Name..." behauptet, hat Herr Campbell also gar nicht mitgewirkt.

Zudem hat sich sein "B-Movie-Ruf" in den letzten Jahren ja ohnehin verringert, seit er in mehreren qualitativ hochwertigeren und auch ein paar Großproduktionen aufgetreten ist. So gesehen, kommt der Film vielleicht fast ein paar Jahre zu spät - er persifliert ein Bruce-Bild, das heute gar nicht mehr ganz adäquat ist. Aber das ist nebensächlich: denn die Fans seiner Horror- und Trash-Klassiker lieben ihren Bruce ja ohnehin auf einer Ebene, für die seine tatsächlichen Produktionen im Detail nicht so schrecklich wichtig sind. Bruce ist und bleibt für sie ein Kultstar des schlechten Geschmacks, und mit diesem Bild von sich hatte er wohl noch nie ein Problem - im Gegenteil, zum Teil pflegt er es sogar selbst, unter anderem durch seine Website.

Vor allem pflegt er aber auch ein gutes Verhältnis zu seinen Fans, und dieser Film ist der jüngste Beweis dafür - der ist durch und durch nur für sie gemacht: Zahllose Anspielungen auf seine größeren und kleineren Filmerfolge, Zitate seiner Figuren, seiner typischen One-Liner - aber auch Dialoge, die wunderbar zu den von ihm oft verkörperten Charakteren passen würden. Bescheuerte Monsterklischees. Ein Film im Film im Film. Und eine Handlung, die dem kultig-trashigsten aller B-Movies zur Ehre gereichen würde. Ich hatte fast den Eindruck, Bruce Campbell hat es geschafft, sich zu 100% von Außen zu betrachten: als Fan seiner eigenen "Legende", und als dieser einen Film zu machen, der allen solchen Fans gefallen muss.

Und das muss er wirklich, denn hier sitzt fast alles. Jedenfalls, wenn man eben ein Fan ist. Dann kommt man aus dem sich Freuen fast nicht mehr heraus, wenn die berühmte Kettensäge oder "Bubba Ho-tep" nicht einfach nur präsentiert, sondern mit genau dem richtigen, für Bruce Campbell und seine Figuren so typischen fetten Augenzwinkern in die Story eingebaut werden. Wenn sich Bruce über sich selbst und das in manchen Medien von ihm gezeichnete Bild auf eine Weise lustig macht, die ihm als Person stellenweise eigentlich ganz schön weh tun müsste - er kennt da wirklich keine Gnade, wenn er sich als Pissetrinkenden, selbstsüchtigen, feigen Alkoholiker-Jammerlappen darstellt. Verdammt souverän und echt beeindruckend.

Wenn man kein Fan ist, sieht das aber wohl etwas anders aus. Dann können der billige Look und die nicht vorhandene Story auch ganz schön auf die Nerven gehen und der Sinn und Zweck hinter der ganzen kruden Selbst-Abfeierei oder auch -Verächtlichmachung ziemlich unklar bleiben. Aber ganz ehrlich: wer mit Bruce Campbell nichts weiter anfangen kann, nein: wer ihn nicht liebt, sollte sich diesen Film auch nicht ansehen. Als Horror-Comedy für "Nicht-Eingeweihte" ist er nicht angelegt und in allen Belangen zu dünn, um wirklich zu funktionieren.

Für alle Freunde von Ash & Co. ist "My Name is Bruce" aber eine sichere Empfehlung. Von mir dennoch nur 6,5 Punkte - mir war der Monsterlook dann doch viel zu billig. Und ich hätte mir mehr "Evil Dead"-Witze gewünscht. Aber groovy ist das Ganze allemal!

saß im Metropolis 6, Frankfurt

67 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

My Name Is Bruce
  • Score [BETA]: 73
  • f3a.net: 6.8/10 67
  • IMDb: 7.8/10
Bewertungen von IMDb werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-09-25 01:55

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