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Review Parasyte: Part 1

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End-los überdrehte Alien-/Horror-Comedy
von D.S.

Fröhlich alberner Alien-Spaß für die ganze Familie! Falls die Familie eine japanische ist, zumindest – dem durchschnittlichen westlichen Mainstream-Kinogucker dürften die hier zelebrierten Sesamstraßen-Style-Mutationen, gelegentlichen Gore-Eskapaden und die grundlegende Debilität des Geschehens vermutlich doch ein Stück zu obskur sein, um PARASYTE zum veritablen Sommer-Blockbuster zu machen.

Nichtsdestoweniger ist dieser letztjährige Mega-Publikumshit aus Japan im Kern äußerst niedlich und harmlos – seinem bedeutungsschwangeren Beginn zum Trotz, bei dem eine anonyme Stimme zu Bildern von Umweltzerstörung darüber philosophiert, ob die Erde nicht ohne den Menschen besser dran wäre. Wie sich allerdings schnell herausstellt, dient diese Fragestellung hier tatsächlich nur als Vehikel für pure, leichte Unterhaltung; mit „Öko-Kritik“ auf dem Niveau alter GODZILLA-Filme.

Im Zentrum der Handlung steht dabei der Teenager Shinichi, in dessen Körper ein fremdartiger Parasit eindringt. Womit er allerdings noch gut bedient ist: Denn während zahllose zeitgleich stattfindende Attacken auf nichtsahnende, meist friedlich schlummernde Bürger darin resultieren, dass die Parasiten in den Kopf ihrer Opfer eindringen und den Wirtskörper komplett übernehmen, scheitert Shinichis Invasor an den Apple-Kopfhörern, die jener in den Ohren hat – und muss sich letztlich damit zufriedengeben, die Hand des Teenies sein neues Zuhause zu nennen.

Da werden dann natürlich erst mal Erinnerungen an allerlei Filme wach, in denen fremdbeseelte Hände ihren großen Auftritt haben, von EVIL DEAD bis IDLE HANDS. Diese Fremdheit wird in PARASYTE allerdings auf die Spitze getrieben: Der sich selbst „Migi“ nennende Parasit gibt Shinichis Hand Auge und Mund, spricht und handelt gerne selbsttätig, kann den Arm, an dem sie sich befindet, FANTASTIC FOUR-artig flexibel um mehrere Meter verlängern und sie in eine Martial-Arts-Kampfmaschine mit Schwertfunktion verwandeln – nicht unpraktisch, wenn man ruchlose Monsterwesen zerlegen will.

Und das will – oder muss – unser schräges Slacker-/Parasiten-Duo bald in ungeahnter Regelmäßigkeit. Denn während Migi sich als freundliches Kerlchen erweist, das grundsätzlich vor allem wissbegierig ist und die Koexistenz mit seinem menschlichen Wirt als lehrreiche Erfahrung empfindet, ist der Rest des Parasiten-Heers eiskalt von seinem vorgegebenen Ziel beseelt: möglichst viele Erdenbürger zu übernehmen, dann im neuen Körper möglichst viele weitere zu töten, aufzufressen und so auf lange Sicht unsere Rasse schließlich auszulöschen. Dem stellen sich Shinichi und sein Handmutant entgegen – und werden so zu deren bevorzugtem Jagdobjekt...

PARASYTE basiert auf einem Manga, den ich nicht kenne – nach allem, was ich darüber gelesen habe, schlägt dieser (wie auch seine Verfilmung als Anime-Serie) aber wohl deutlich ernstere, düsterere Töne an und präsentiert sich vielschichtiger. Auch, wenn diese Live-Action-Verfilmung zumindest versucht, Nebenhandlungsstränge zu etablieren: Worum es in der Story von Teil 1 mit echter Vehemenz nur geht ist einerseits, Shinichi möglichst oft in peinliche Situationen zu bringen (es darf ja keiner wissen, dass er eine „Alien-Hand“ hat... das scheint dieser aber meist komplett egal zu sein). Und andererseits, uns schicke – sowie manchmal erstaunlich blutige – Fight-Sequenzen zu präsentieren. Die machen dann meist durchaus Spaß, allerdings ist die Grenze zwischen atemberaubenden und atemberaubend schlechten CGI-Effekten ziemlich fließend.

Wie auch immer: Storyseitig gewinnt PARASYTE erst in seinem zweiten Teil wirklich an Gewicht und Fahrt. Erst hier wird klar, wie weit die Parasiten-Infiltration tatsächlich schon gediehen ist, was ihr Ziel ist, was ihr entgegengesetzt werden kann. Ebenfalls erst hier nimmt die Action (budgettechnisch) größere Ausmaße an – und werden uns umfangreichere Auftritte bekannterer Schauspieler (wie Superstar Tadanobu Asano und KILLERS-Bösewicht Kazuki Kitamura) geboten.

Weshalb das FFF (bislang) nur den ersten Teil von PARASYTE im Programm hat, ist deshalb unklar. Zumal die Story an dessen Ende tatsächlich mittendrin abbricht; der Film KANN nicht für sich alleine stehen. Aber vielleicht will uns Rosebud auch nur vor dem Übermaß an Kitsch bewahren, den PARASYTE 2 spätestens in seiner zweiten Hälfte über das Publikum ergießt. „Storytiefe“ bedeutet bei einer Manga-Verfilmung für ein Massenpublikum eben auch sehr simple Emotionen, die in maximalem Umfang ausgeschöpft werden: Eine für die Geschichte weitgehend irrelevante Liebesbeziehung wird unnötig aufgeblasen und auch sonst dem Geschehen durch das Verhalten bzw. die Dialoge der Figuren eine unglaubwürdige Ernsthaftigkeit beigemischt, welche die permanent albern übersteigerte Handlung kaum tragen kann.

Für sich betrachtet, macht PARASYTE: PART 1 definitiv ordentlich Spaß, bringt seine Geschichte aber zu allem anderen als einem Ende. Das übernimmt dann PART 2 durchaus schlüssig, ist aber ansonsten streckenweise etwas schwer genießbar.

Es möge also jeder selbst entscheiden, ob er sich mit diesem ersten Teil auf eine überwiegend amüsante, manchmal an eine überdrehte Variante von MEN IN BLACK erinnernde Party einladen lässt – bei der er aber von vorneherein schon weiß, dass er sie nicht bis zum Ende wird genießen können (auf die eine oder andere Weise).

Gute Unterhaltung bietet PARASYTE dabei ohne Frage, ist allerdings stellenweise schon derbe albern. Und kommt eben einfach nicht zum Schluss. 6,5 Punkte von mir.

31 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Parasyte: Part 1
  • Score [BETA]: 65
  • f3a.net: 5.9/10 31
  • IMDb: 7.1/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-01-18 10:04

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