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Review Rabid Dogs

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Toll wütend.
von D.S.

Eine Ästhetik-Bombe mit Fesselkraft sondergleichen: Das diesjährige Centerpiece, ein französisch-kanadisches Remake des Bava-Spätwerkes RABID DOGS, stellt sich stilistischen Vergleichen mit DRIVE, beeindruckt durch seine Kameraarbeit, Farbgebung und Montage – und zieht den Betrachter ganz nebenbei tief in eine Handlung hinein, die von einer Eskalationsstufe direkt in die nächste führt und bei der die wachsende Anspannung der Charaktere fast körperlich fühlbar wird.

Eigentlich wollen sie nur flüchten, über die Grenze in die USA, nachdem ihr Banküberfall in einem Blutbad mit mehreren Toten geendet ist und ihr Anführer von der Polizei erschossen wurde. Allerdings sind unsere drei jungen Gewaltverbrecher weder die Smartesten noch die Besonnensten, und so wird aus dieser einfachen Idee eine wahre Tour-de-force für alle Beteiligten: neben den einander misstrauenden Hitzköpfen eine als Geisel auserkorene Touristin und der Fahrer des per Zufall ausgewählten Fluchtwagens – ein Jedermann, vielsagenderweise im Volvo unterwegs, der gerade auf dem Weg ins Krankenhaus war, um seine schwerkranke Tochter auf dem Rücksitz zur lebensrettenden Nierentransplantation zu bringen.

Solcherlei Einzelschicksale sind unseren Bösewichten allerdings herzlich egal, was auch mehrere andere Unglücksselige noch erfahren werden, die ihnen bei ihrer Fahrt ins Dunkel über den Weg laufen. Ihre erschreckende Kälte verwandelt sich dabei zwar Schritt für Schritt in handfeste Panik, als ihre Situation immer auswegloser wird und die labilen Charaktere in immer größerem Maße zu überfordern beginnt. Aber tollwütige Hunde sind ja nicht gerade dafür bekannt, bei einer gefühlten Bedrohung weniger aggressiv zu werden...

Ich kenne Bavas Original (noch) nicht, aber ich bin trotzdem ziemlich überzeugt davon, dass ihm hiermit Würde erwiesen wurde – denn sehr viel besser kann man einen solchen Film kaum machen. Die Inszenierung ist unangenehm dicht, wir sind ganz nah dran an den langsam jede Kontrolle verlierenden, teils schwer psychopathisch daherkommenden Gangstern und ihren armen Opfern, erleben die Bedrohungssituation dadurch außergewöhnlich intensiv mit. Jede Figur ist optimal besetzt und hinterlässt individuellen Eindruck, höchstens die der weiblichen Geisel bleibt vielleicht etwas blass. Vor allem aber gelingt es dem Film, sein Eskalationspotential stets noch ein Stück mehr auszuschöpfen: Die Nerven sind bald zum Zerreißen gespannt und wir spüren, was auch immer als nächstes passiert, es wird nicht gut enden.

Dass die Handlung einige Überraschungen bereithält, dass das brutale Geiseldrama zwischenzeitlich in ein surreales Happening umkippt, dass die Filmästhetik wie erwähnt künstlerische Höhen erreicht: all das sorgt dafür, dass RABID DOGS weit mehr beeindruckt, als die simple Handlung jemals würde erwarten lassen.

Tatsächlich kann man hier einen atemlosen, schmerzhaften, stilistisch überbordenden Krimi erleben, der sich in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich anfühlt und den man nicht so schnell vergessen wird. Ganz ähnlich wie DRIVE. Nur ohne Kitsch und wesentlich brutaler. Must-see. Dicke 7,5 Punkte.

verweste im Cinestar, Frankfurt

58 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Rabid Dogs
  • Score [BETA]: 63
  • f3a.net: 7.5/10 58
  • IMDb: 5.0/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-08-07 20:10

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