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Review The Red Inn

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Kastaniengrillen und andere Sonntagsbeschäftigungen
von D.S.

Vorab: ich kenne keine der Vorlagen oder Originale zu diesem Film. Und auch die gerne zum Vergleich herangezogenen Edgar-Wallace-Verfilmungen oder deren Parodien wie "Der Wixxer" sind absolut nicht mein Metier. Darum wird dieses Review nicht nur eher kurz, sondern im Zweifelsfall auch nicht besonders relevant - und interessant vermutlich vor allem für all diejenigen, denen es ähnlich geht wie mir.

Kurz gesagt: man muss schon die richtige Stimmung mitbringen für "The Red Inn". Ein sonniger Sonntagmittag, ohne weiter was zu tun zu haben, ist optimal, denn zu solchen Gelegenheiten hat man sich doch als Kind immer die 50er-Jahre-Klamotten im Fernsehen angeschaut. Und genau deren Atmosphäre greift der Film auf, erweckt sie zu neuem Leben - und zwar auf eine Art und Weise, dass man fast versucht ist zu glauben, er käme tatsächlich aus dieser Zeit.

Mal von einem abgesehen: den erstaunlich hohen Production Values. Das fängt bei den liebevollen Kostümen an und endet bei einigen bestimmt recht teuren Kamerafahrten. Was aus "The Red Inn" einen viel größeren Film macht, als es die alte Story und ihre Umsetzung erwarten lassen würden. Letztere wirkt, wie erwähnt, nur selten wie aus der Jetztzeit. Was Positives wie Negatives bedeutet: man lässt sich Zeit und - man lässt sich Zeit. "The Red Inn" ist kein Gagfeuerwerk und auch selten komplett überdreht. Running Gags sind dünn gesäht - aber stets gut eingesetzt. Ein "Frankenstein Junior" ist nicht zu erwarten, eher ein... ja, was eigentlich?

Eine hervorragend gespielte Groteske um eine Gruppe Reisender, die notgedrungen nachts, im Unwetter, Halt in einem heruntergekommen Landgasthaus machen muss. Das Wirtsehepaar samt debilem Ziehsohn und wunderhübschem Töchterchen hegt finstere Pläne: die Gäste sollen ausgeraubt, getötet und dann an die Schweine verfüttert werden. Dumm nur, dass sich unter ihnen auch ein Priester und sein Zögling befinden. Denn Gottesleute umbringen, das geht dann doch zu weit... oder?

"The Red Inn" ist von vorne bis hinten altmodisch. Langsam. In sich mehr Theaterstück als Film. Aber auch, wenn viele seiner Witze ihre Haltbarkeit eigentlich längst überschritten haben müssten: sie funktionieren, sie bieten angenehme Unterhaltung auf einfachem Niveau. Und ein paar sind sogar richtig gut.

Man muss sich auf jeden Fall einlassen können auf diese spezielle, irgendwo antiquierte Form von Erzählung und Amüsement. Zeit mitbringen, weder auf Story- noch formale Tricks und Überraschungen Wert legen. Dann kann man mit "The Red Inn" einen gemütlichen Nachmittag mit zahlreichen Lachern verbringen und sich danach wie in einer Wohlfühl-Wolke gebadet vorkommen. Klingt dämlich, ja, aber das ist der Film ja auch. Mit voller Absicht - und trotzdem mit Stil. 6 Punkte. Mindestens einer davon für das Kastaniengrillen!

war im Metropolis 6, Frankfurt

20 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

The Red Inn
  • Score [BETA]: 60
  • f3a.net: 6.6/10 20
  • IMDb: 5.3/10
Bewertungen von IMDb werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-02-29 11:49

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