s Red State (2011) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Red State

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Reviewer

FFFler * 8.5

Fear God

Kevin Smith auf Abwegen, doch seinen Stil wird er auch in seiner Horrorsatire Red State nicht los. Die Dialoge klingen immer noch nach Clerks und Konsorten und machen den Film in seinem Genre schon fast zu etwas ganz Besonderem. Sein neuestes Werk handelt von einer Gruppe religiöser Fanatiker, die drei sündige Kinder entführt und diese ihrer gerechten Strafe zukommen lassen möchte. Doch sie haben ihre Rechnung nicht mit der Regierung gemacht. Smith will viel mit seinem Film und dank seiner zynischen Betrachtungsweise geht das Ganze vollkommen auf, nahezu jede Seite wird hier auf aberwitzige Art und Weise bloß gestellt. Wirklicher Horror vermag im Grunde zwar nur in der ersten Hälfte des Filmes aufkommen, da der Rest das bislang gesehene ad absurdum führt, aber genau dieser Stilbruch gepaart mit seinem wirklich großartigen Ausgang, macht Red State zu etwas Einzigartigem. Die Darsteller sind dabei blendend aufgelegt; vor allen Dingen Tarantinos Lieblingsschauspieler Michael Parks darf endlich mal in einer Hauptrolle sein ganzes Potential zeigen und mag John Goodman auch viele Kilos verloren haben: Seine Coolness ist weiterhin unbestritten. Nach seinen letzten enttäuschenden Filme zeigt Smith hier, dass er es noch nicht verlernt hat und liefert ein herrlich zynisches Werk ab, das man nicht verpassen sollte.

Erstveröffentlichung

war im Cinemaxx 7, Berlin

Roughale S * 10.0

Dieser Review enthält SPOILER!

Ein echtes Monster...

Wer ist das Monster, der Film, der Prediger, die "Befreier"? Eine zentrale Frage, die sich durch den Film zieht, aber das ist nur einer der vielen Aspekte, dieses sehr vielschichtigen Films.

Zum einen haben wir eine relativ genre-typische Ausgangssituation, drei Jungs geraten in eine Falle, das erinnert an die Vorgehensweise in Backwood Slasherfilmen, TCM, etc. Aber dann schwenkt der Film mit einem starken Fokus auf die Täter und widmet denen relativ viel Zeit, man erkennt deutlich die absolute Verblendung, die den Prediger und seine Schafe (alles Verwandte und Angeheiratete) antreiben - aber man spürt auch das Charisma des Anführers, was an der hervorragenden Leistung Michael Parks liegt, der ist für einen Oscar wohl eher nicht vorgesehen, oder? Wär aber voll berechtigt - faszinierend abstossend, wie er den Prediger darstellt.

John Goodman liefert auch die gewohnte Leistung ab, da gab es nichts zu meckern.

Der Film kommt auch mit einer ordentlichen Härte auf die Zuschauer zu, vielleicht nicht so in einer andauernden Splatterorgie (was auch eher unpassend gewesen wär), sondern vielmehr inhaltlich in seiner Konsequenz und auch auf einer subtilen Ebene, wenn es um die Bekämpfungsmassnahmen geht. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, denn auch Spolier sollten meiner Meinung nach Grenzen haben. ;-)

Trotz all der Härte hat der Film auch den Kevin Smith typischen Humor, ich sehe zwar den Film nicht als eine Satire an, dazu sind mir die ernsten Passagen zu hart, aber das kann man eventuell auch anders sehen. Für mich war es nur ein weiterer Teil der Vielschichtigkeit des Films.

Ganz klasse Arbeit! Was soll eigentlich das Gerede von Smith, es wär sein vorletzter Film?

Dick_Laurent S * 9.0

Dieser Review enthält SPOILER!

Vor der eigenen Tür kehren

Ein gerade im Hinblick auf die Terrorhysterie, die spätestens seit den Ereignissen vom 11. September mit dem Bild des Bösen als durchgeknalltem Islamisten daherkommt, längst überfälliger Beitrag. Hier kommt die Bedrohung eben nicht aus dem Ausland, sondern hat sich schon längst unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit im eigenen Land manifestiert.
Eine tiefschwarze, ultraböse Satire, die uns CLERKS-Macher Smith da auftischt. Hier bekommen alle ihr Fett weg: religiöse Fanatiker mit antistaatlichen und paramilitärischen Tendenzen ebenso, wie der um sein Außenbild bemühte Staatsapparat, der auch nicht davor zurückschreckt, Unschuldige zu töten, wenn es nur dazu dient, eine misslungene Operation als Erfolg zu verkaufen.
Das ist aktuell, politisch brisant und konsequent bis es wehtut. Für mich der bislang beste Film des Festivals.

war im Cinemaxx 7, Berlin

Timo * 7.0

Gott ist heute nicht hier

RED STATE ist viel weniger der erwartete Red-Neck Horror als ein hundsgemeiner, satirischer Shootout zwischen Fundamentalismus und dem amerikanischen Rechtssystem. Besonders gelungen sind die vielen Perspektivwechsel, die der Zuschauer durchleben muss um am buchstäblichen Ende anzukommen. Dabei ist der Film wunderbar zynisch, nie jedoch lächerlich. Michael Parks ist wieder einmal herrlich schräg. Neben seiner legendären Rolle in KILL BILL ist diese in RED STATE ein weiteres Highlight in seiner Filmographie und sicherlich einer der charismatischsten Schergen des laufenden Kinojahres. RED STATE ist schnell und schmutzig - die Filmminuten verfliegen in Windeseile. Viel Substanz bringt der neuste Film von Kevin Smith jedoch nicht mit, weil er jede eingeschlagene Richtung stets ad absurdum führt. Reicht jedoch völlig für einen unterhaltsamen Kinoabend aus.

Erstveröffentlichung

staunte im Metropolis 1, Frankfurt

D.S. * 7.0

Der Zorn des Herrn (Smith)

Ich halte nichts von Religion und in der Regel auch nicht von Gläubigen. Ausnahme sind solche wie Kevin Smith, die über das von ihnen verinnerlichte Irrationale nicht ein rationales Weltbild beerdigen. Die in der Lage sind, über die von ihnen jeweils präferierten Anbetungsfiguren und Katechismen auch zu lachen. Und die vor allen Dingen eine klare Grenze zwischen Religiosität und Fanatismus ziehen - und verteidigen.

Das tat Kevin Smith bereits in DOGMA, dort auf harmlos-humoristische, locker-lustige, in Ansätzen auch mal sarkastische Weise. In RED STATE ist sein Tonfall schärfer: Er widmet sich dem Thema christlicher Fundamentalismus auf eindeutig zynische Weise. Was dafür spricht, dass er ernsthaft angepisst ist vom Vormarsch reaktionärer, anti-liberaler, christlich begründeter Positionen in der US-amerikanischen Gesellschaft. Jedenfalls strahlt RED STATE für mich eine Menge Wut aus, auch und gerade in den (Dialog-)Witzen, die er vor allem im letzten Drittel einbaut.

Ohnehin ist der Film in Teilen zwar ganz klar als Smith-Werk erkennbar - die überzeichneten Charaktere, die smarten Dialoge, die grotesk-komischen Einfälle speziell im Finale sprechen seine typische Sprache. In seiner Handlung, seiner Inszenierung und insbesondere in seinem Gewaltlevel unterscheidet sich RED STATE aber deutlich von allem, das der Regisseur bislang veröffentlicht hat. Das waren nämlich Komödien und Liebesfilme (wenn auch meist reichlich offbeat). Dieses Werk aber ist eine Mischung aus Backwoods-Torture- und Actionfilm, voller drastischer Szenen, Shoot-outs und Adrenalin. Humor fehlt über weite Strecken v.a. im mittleren Filmdrittel ganz: das Lachen hier ist ein bitteres, galliges.

Kein Wunder, basiert seine Handlung doch auf authentisch Ekelhaftem: Vorbild für den ultrareligiösen Clan im Film, der Homosexuelle und andere „Sünder" bestrafen will, ist die „Westboro Baptist Church" unter Fred Phelps - die sich inhaltlich in zahlreichen Aspekten gar nicht so weit weg von der Tea-Party-Bewegung ansiedelt. (Im Forum der IMDb sehen das ein paar Inder übrigens anders: für sie ist RED STATE ein illegales Remake eines obskuren Bollywood-Films. Die dortige absurde Diskussion wird Kevin Smiths „Liebe" für Filmbewertungs-Websites sicher nur vergrößern.)

Allerdings bekommt nicht nur die religiöse Rechte ihr Fett weg: Genauso hart werden diejenigen Vertreter von Staat und Law & Order angegangen, die sich freier Meinungsäußerung, Protest und ähnlicher „Probleme" am liebsten ebenfalls einfach entledigen würden. Und auch hier ist einiges an Wut seitens Kevin Smith spürbar.

Als Terror-Film kann RED STATE nur teilweise überzeugen. Dafür ist sein Setup letztendlich - allem traurigen Realismus zum Trotz - zu generisch, der Handlungsverlauf zunächst zu vorhersehbar. Er konzentriert sich außerdem nicht ausreichend darauf, Atmosphäre aufzubauen und auszuschöpfen: Gefangenschaft bei Psychopathen und Panik vor dem, was sie einem antun werden, wurde schon deutlich intensiver und beklemmender vermittelt. Das Genre ist in weiten Teilen dann doch nur Vehikel, um eine Botschaft zu transportieren.

Diese allerdings wird dann gerade im letzten Drittel des Films mit so bitterbösen Überraschungen versüßt, dass man ihm nicht böse sein kann - im Gegenteil: Durch seine Auflösung wird RED STATE zu einem echten Genuss und lässt viele Beschränkungen hinter sich, mit denen ein echter Genrefilm sonst zu kämpfen hat.

Daher eine klare Empfehlung und 7 Punkte von mir. Man sollte nur nicht den Fehler begehen, einen reinblütigen Horrorfilm zu erwarten. Aber das wird bei einer Kevin-Smith-Produktion ja eh niemand tun. Oder?

glotzte im Metropolis 1, Frankfurt

glorrk * 9.0

Erstens kommt es anders...

...als man denkt.
Das müssen auch die Hauptdarsteller des Filmes erfahren, die über einen Chatroom ein vermeintliches Date mit einer reiferen Frau zum Gruppensex buchen. Denn daraus wird natürlich nichts und plötzlich finden sie sich in den Fängen einer fundamentalchristlichen Sekte wieder. Soweit nichts neues. Wer jetzt den üblichen Torture-Porn erwartet, der wird eines besseren belehrt, denn plötzlich schlägt der Film eine ganz andere Richtung ein.

Und die ist bitterböse, kompromisslos mit tiefschwarzem Humor...
Der Film hält stets ein hohes Tempo, ohne hektisch zu werden, einen genialen John Goodman und lässt einem das Lachen oftmals im Halse stecken bleiben.

war im Cinema, München

mdbnase * 8.5

Zack, die (blaue) Bohne!

war im Metropol 1, Stuttgart

Heidi * 9.0

Hallelujah

Eine Story von der man meint, dass es nicht so weit von der Realität entfernt ist (und natürlich gibt es auch dafür in den USA eine Vorlage aus dem wirklichen Leben): Teenager, die einfach nur Sex wollen, religiöse Fanatiker, die den Verfall der gesellschaftlichen Moral bekämpfen, in dem sie Menschen, die nicht nach ihren Werten leben, vor Gott richten und auf der anderen Seite die amerikanische Regierung, zum einen vertreten durch einen genialen John Goodman, die versucht auf den einfachsten, nicht immer gerechtesten Weg, den religiösen Fanatikern Einhalt zu bieten. Der Abschlussdialog zwischen Goodman und den Regierungsmitarbeitern ist eindeutig das Highlight des Films.

Schockiert, was alles in der heutigen Gesellschaft möglich ist oder sein könnte, mit Erkenntnissen und Nachdenken wie bei "How to Get Rid of the Others", ist "Red State" kein Horrorfilm im klassischen Sinne, sondern eher ein Horrorszenario unserer Gesellschaft.

war im Cinema, München

MarxBrother81 * 8.0

Kein Independent mehr

Angeblich wird Kevin Smith als Independent-König von der USA gehandelt.
Richtig ist aber, das Herr Smith nach seinen Werken "Clerks" und "Mallrats" wohl eher nur noch Mainstream gemacht hat.
"Dogma", "Jay und Silent Bob", "Cop out" - das waren alles Filme die von grossen Filmfirmen produziert wurden, da brauch mir keiner mit Independent (unabhängig) kommen.
Fakt ist: Kevin Smith macht seine Filme nicht mehr so wie er sie früher machte, sondern wie die Majors das wollen.
Und das muss ja nicht schlecht sein, wie RED STATE beweist.
Ein blutiger Mix aus Sekten-Thriller und Action-Drama gepaart mit bösem Witz hat er damit abgeliefert. Und das funzt an allen Ecken und Kanten.
John Goodman als Bulle ist sowieso das Highlight des ganzen Filmes!

Fazit: guter Film, der ruhig noch härter ausfallen hätte können!

69 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Red State
  • Score [BETA]: 68
  • f3a.net: 7.3/10 69
  • IMDb: 6.2/10
Bewertungen von IMDb werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-09-24 13:38

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