s Ride (2018) Review - Fantasy FilmFest Mobil
Menü

Reviews Ride

Finden

Reviewer

Leimbacher-Mario * 4.5

Eine Fahrt mit angezogener Handbremse

"Ride" ist weniger "Collateral" für Arme als viel mehr ein Kollateralschaden. Eigentlich hätte er nur eine Kurzkritik verdient, da er meines Erachtens kaum ausgewachsener Film genannt werden kann. Als "Black Mirror"-Episode ginge das noch, doch auch da wäre mit bei den schwächsten und dafür ist er auch zu light auf dem Technikaspekt. Als Netflix-Happen wäre er noch zu gebrauchen - leicht verdaulich und schnell vergessen - doch ansonsten wirkt das hier allenfalls wie ein halbgares Filmchen für die Bewerbungsmappe. Es geht um einen Fahrer für einen Uber-Konkurrenten in L.A., der mit einem anfangs unterhaltsamen und später gefährlichen Fahrgast eine unvergessliche und höllische Nacht erlebt...

Oft kriegt man Flashbacks zu "Drive" oder "Nerve", die Stadt der Engel und Teufel und Möchtegern-Stars ist immer eine Rundfahrt wert. Besonders in der Nacht voller leuchtender Reklame und zwielichtiger Gestalten. Das beweist "Ride" mal wieder eindrucksvoll und auch die Dialoge/Figuren/Schauspieler sind die meiste Zeit gelungen. Unterhaltung ist trotz langem Leerlauf nicht von der Hand zu weisen. Doch insgesamt passiert einfach zu wenig, gibt das Script nichts her, geht der Fahrt viel zu früh das Benzin aus. Man hätte viel mehr spannende Umwege oder einfach eine actionlastigere Route nehmen müssen. Aus den Augen aus dem Sinn. Nur Bella Thorne vergisst kein Mann so schnell...

Fazit: Zum Netflix & Chilln okay, als "Black Mirror"-Episode wäre er unterdurchschnittlich, als Kinofilm unbrauchbar und kaum abgeschlossen. Er hört auf bevor es richtig losgeht. Dabei sind die Ansätze unterhaltsam und Bella Thorne mehr als attraktiv. Macht doch bitte erst den Film, wenn ihr ihn auch zu Ende gedacht habt und es sich lohnt, okay?

war im Residenz, Köln

D.S. * 4.5

Nachts sind alle Irren grau

Nach UNDER THE SILVER LAKE der zweite Film im diesjährigen Programm, in dem LA eine Hauptrolle spielt. RIDE führt uns jedoch nicht durch eine traumfabrikartig bebilderte Stadt der Engel, sondern durch die neonbeschienene, gewaltaffine Alltagsnachtwelt der kalifornischen Metropole. Dabei müsste der Film sich eigentlich RYDE schreiben, denn die derart benamte fiktive Variante von LYFT oder UBER stellt den Dreh- und Angelpunkt der Handlung dar: Wir begleiten den „Ryde“-Fahrer James über einen Abend hinweg, der mit einem gewöhnlichen Chauffeur-Auftrag beginnt, jedoch ab einem gewissen Moment in immer bedrohlichere und brutalere Situationen eskaliert. Denn merke: Nicht jeder Fremde, den du bei dir einsteigen lässt, will auch dein Freund sein...

Ein Großteil des Geschehens spielt sich dabei im Inneren von James‘ Toyota-Limousine ab. Die Begrenztheit des Raumes macht sich der Film jedoch nie zunutze – die Beklemmung, in einem geschlossenen Metallkonstrukt einen Psychopathen unmittelbar neben sich sitzen zu haben, seinen Atem im Gesicht zu spüren und nicht aus seiner Reichweite kommen zu können, macht er niemals spürbar. Das ist jedoch nicht das einzige Potential, das RIDE verschenkt: Auch, wenn man das Programmheft nicht gelesen hat, weiß man ab der Sekunde seines Auftauchens, dass es sich bei Bruno um einen gefährlichen Soziopathen handelt – sein Verhalten schon beim Erstkontakt mit James sorgt dafür, dass da gar keine Zweifel aufkommen können. Statt von seiner Wandlung zum Irren überrascht werden zu können, warten wir also nur darauf, dass er die zwischenzeitlich zurechtgerückte Maske restlos fallen und uns eine Kostprobe seines echten Wahns spüren lässt. Worauf wir dann auch noch ziemlich lange warten. Und warten. Und warten.

Tatsächlich dauert es bis weit in die zweite Hälfte des Films, bis hier endlich etwas passiert, das RIDE als Genrefilm qualifiziert. Zwar sind die Leistungen der Hauptdarsteller durchweg solide, dennoch ist es spätestens nach einer halben Stunde etwas unbefriedigend, wenn wir nichts anderes geboten bekommen als ihre ausufernden Dialoge über das Leben an sich, das als Schauspieler, das in LA. Okay, ein paar tatsächlich schöne Aufnahmen der Stadt gibt es gratis obendrauf, aber auch das reicht nicht für ein spannendes Filmerlebnis.

Als die Stimmung dann schließlich kippt und Bruno in die Vollen geht, entwickelt RIDE endlich ein wenig Tempo und weckt mehr Interesse, denn der Typ ist wirklich ziemlich durch und scheint keine Hemmungen zu haben, andere zum Opfer seines Zerstörungstriebs zu machen. Die Wirkung seiner Zwangsmaßnahmen wird allerdings dadurch gemindert, dass nicht nur sein Vorgehen irrational wirkt, sondern häufig auch das der Leidtragenden. Sprich, das Verhalten von James und Fahrgast/Love-Interest Jessica lässt sich allzu oft nur als unlogisch und unglaubwürdig bezeichnen.

Dennoch gestaltet sich das Geschehen in der zweiten Filmhälfte relativ unterhaltsam. Bis das Ende kommt. Plötzlich, unmotiviert, beliebig, schwach geschrieben. So entlässt RIDE einen schließlich eher enttäuscht in die Nacht. Tut insgesamt nicht weh, hat aber auch nicht viel Nährwert – 4,5 Punkte.

verweste im Harmonie, Frankfurt

Herr_Kees * 2.5

Sind wir bald daaa?

Auf der Rückbank hatte man früher wenigstens noch was zum Spielen dabei, hier ist man Writer/Director Jeremy Ungar mehr oder weniger ausgeliefert. Ja, so lang können 75 Minuten sein. Zumindest, wenn man sie im Wagen mit James, Jessica und Bruno verbringt, den ödesten Fahrern/Passagieren/Psychopathen der Filmgeschichte, die mit derselben Halbherzigkeit über Showbusiness-Trivia tratschen, mit der sie später versuchen, sich umzubringen. Oder Hilfe zu holen. Oder zu singen.

So wird aus der netten Idee des Uber-Trips zur Hölle eine unerträglich langweilige Fahrgemeinschaft und ein Film, der peinlichst darauf achtet, die rechte Fahrbahn nicht zu verlassen und sich immer schön an alle Verkehrsregeln hält. Dabei wird jede Möglichkeit, Spannung zu erzeugen, zu schockieren oder dem Zuschauer emotional nahe zu gehen, verpasst. Auch wenn sich die Schauspieler redlich Mühe geben: laaangweilig – der Toyota unter den Autothrillern.

Alexander * 2.5

Mumbleride

Hätte es auf dem diesjährigen Filmfest einen Wettbewerb gegeben, auf dem die Zuschauer den Film benennen sollten, dessen Protagonisten sich am denkbar dämlichsten verhalten, so hätte „Ride“ bei der Auswahl sicherlich ganz weit vorne gelegen. Warum flüchtende Menschen angesichts einer Fülle von zur Auswahl stehender Möglichkeiten ausgerechnet die aller dümmste Alternative wählen wurde schon oft diskutiert, zum Ende von „Ride“ allerdings wählt Regisseur Jeremy Ungar die wohl hanebüchenste Variante, die ich jemals in einem schlechten Film sehen musste, so das ich lauthals aufschrie (ja, das war ich!), mir an den Haaren zog und vom Sitz sprang. Man sollte sein Publikum einfach nicht für blöde verkaufen.

Und man kann einen ohnehin schon nur recht durchschnittlichen Film gegen Ende sogar vollkommen versauen, und genau das ist hier passiert. Bis es allerdings soweit ist, müssen wir verdammt lang anfühlende 75 Filmminuten mehr ertragen als genießen, wird unsere Geduld in diesem geschwätzigen Film durch eine relativ öde, dialoglastige erste Filmhälfte auf das äußerste strapaziert, fahren wir mit einem kleinen Taxi durch ein unglaubwürdig leergefegtes, nächtliches Los Angeles, dessen Schauwerte so minimal platziert werden, das es sich theoretisch auch um eine Taxifahrt durch Frankfurt-Preungesheim gehandelt haben könnte.

Alles an „Ride“ nervt irgendwann nur noch. Vor allem aber ist es die wohl entsetzlichste Musik der jüngeren Filmgeschichte, die mir gegen Ende des Filmchens so auf die Nerven ging, das ich am liebsten faule Eier in Richtung Leinwand geschmissen hätte. Alleine für diese Beschallung des Grauens ziehe ich noch einen extra Punkt ab. Und angesichts der bemerkenswert kurzen Laufzeit ist es fast auch schon wieder eine Kunst einen so müden Film hinzurotzen. Meine zur Mitte des Films noch ein klein wenig aufrecht gehaltene Erwartungshaltung wurde grandios unterboten und das einzige was mir wirklich an „Ride“ gefallen hat, war Bella Thorne.

Dabei wurde das Thema bereits schon hundertmal besser durchgekaut und Filme wie z. B. „Kalifornia“ oder „Curve“ beweisen eindrucksvoll, wie man aus einer ähnlichen Grundidee wirkliche Spannung herausholen kann.

Der unverschämte Kino-Tarif von € 11,- für diesen Mist wäre besser auf der nächsten Kirmes in ein paar Fahrten mit dem Autoscooter investiert gewesen, auch wenn Bella Thorne wahrscheinlich nicht mit drinsitzen wird.

24 Bewertungen auf f3a.net

Zurück

Bewertungen

Ride
  • Score [BETA]: 40
  • f3a.net: 4/10 24
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-11-15 13:39

Archiv Suche


oder ?