s Scherzo Diabolico (2015) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Scherzo Diabolico

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Reviewer

Giallorossa * 3.5

Gerne fies und böse, aber nicht so!

Die Lobpreisung im Programmheft kann ich nicht nachvollziehen. Zwar gibt es ein paar (wenige) fiese bzw. blutige Szenen, der Film plätschert aber zunächst nur so dahin, bis dann endlich etwas passiert. Manch einer ist da aber schon weggenickt! Das Verschleppen des Mädchens ist auch nicht wirklich spannend inszeniert. Erst, nachdem ***SPOILER***sie freigelassen wird, macht der Film ein wenig Spaß. Insgesamt viel zu wenig. Ich wäre besser ins Bett gegangen.

war im Cinecitta', Nürnberg

Alexander * 8.0

Ein einfacher Plan.

Ein in Job und Ehe frustrierter Mann aus der Mittelschicht hat eine Idee. Welche das ist, reibt uns der Film nicht sofort plakativ unter die Nase, man ahnt jedoch sehr bald, wohin die unheilvolle Reise gehen wird und wird Zeuge, wie sich Stück für Stück die Puzzleteile zu einem erschütternden Bild zusammenfügen …

Ohne viele Erklärungen und unnötige Worte nimmt uns „Scherzo Diabolico“ mit auf eine wahrhaftig diabolische Reise, deren einzelne Stationen nicht immer vorhersehbar sind und deren Ausgang wahrlich kein Witz ist, sondern einem nach allen Regeln der Kunst den Atem stocken lässt.

Die Geschichte ist dem Zuschauer immer einen kleinen Schritt voraus, man meint erahnen zu können was wohl als nächstes passieren wird, bekommt dann aber einen so gemeinen Tiefschlag verpasst, das man mit offenem Mund nur noch kopfschüttelnd im Kinosessel sitzt.

Das ist gemein und fies und geht unter die Haut. Einer der wenigen Beiträge in diesem Jahr, die mich wirklich umgehauen haben.

Inhaltlich hätte ich so manchen Kommentar zu machen, aber das würde sofort spoilern. Je weniger man über diesen Film weiß, desto besser. Von mir eine absolute Empfehlung.

staunte im Cinestar, Frankfurt

D.S. * 6.0

Vielleicht hätte ein Metronom geholfen.

Ein sich seltsam schmutzig anfühlender Film mit geradezu aufdringlichem Klavier-Soundtrack, der sich zunächst als etwas zäher, relativ konventioneller – wenn auch mit abgründig unangenehmem Protagonisten ausgestatteter – Entführungsthriller entfaltet. Sich dann jedoch urplötzlich in megabrutalem Gesplattere und tiefschwarzem Humor über uns entlädt.

Wendungsreich ist gar kein Ausdruck für das hier dargebotene Geschehen, subtil allerdings auch nicht: Wenn SCHERZO DIABOLICO nach gehöriger Aufwärmphase dann endlich so richtig loslegt, gerät er permanent over-the-top. Dabei ist die Grundstimmung, sind die Details der Handlung allerdings in jeder Hinsicht und von allen Seiten so abstoßend niederträchtig, dass das Ganze dennoch niemals albern oder aber lässig pulpig, ironisch cool wirkt.

Schön anzusehen ist der Streifen deshalb ebenfalls beileibe nicht, woran sinnigerweise auch der billige Look seinen Anteil hat. Man beachte in diesem Zusammenhang gleichermaßen die krassen Ruckler im Helikopter-Kameraflug am Anfang und Ende des Films.

Wenn man von solchen technischen Mängeln, dem zu gemächlichen Aufbau mit einigen vielleicht nicht essentiellen Nebenhandlungssträngen und der ruckhaften Wandlung der Gesamtatmosphäre zum finalen Drittel aber absehen kann, erlebt man mit SCHERZO DIABOLICO ein zumindest beeindruckend direktes, schonungsloses Werk, das aufgrund seiner erzählerischen Eigenheiten vermutlich eine Weile im Gedächtnis bleiben wird.

Voll und ganz überzeugen konnte es mich trotzdem nicht. Was nicht nur daran liegt, dass die Handlung um einen netten „Jedermann“, der sich in einen eiskalt sadistischen Gewalttäter verwandelt, nur bedingt glaubwürdig vermittelt wird – und in ihrer Eskalation später jedes Maß verliert. Oder daran, dass die von ihm entführte Schülerin mit einer maximal uncharismatischen Darstellerin besetzt wurde. Oder an der dann leider doch sehr albernen Rolle, die ein bestimmtes Musikstück (das nicht mal ein Scherzo ist!) für die Handlung spielt. Mein Problem mit dem Film ist eher seine seltsam schlurfende Inszenierung, die mit dem Einsatz des richtigen Tempos im richtigen Moment offensichtliche Schwierigkeiten hat.

Diese Schwäche kannte ich allerdings schon von vorherigen Werken des Regisseurs Adrián García Bogliano, wie etwa HERE COMES THE DEVIL oder I'LL NEVER DIE ALONE (seinen auf dem FFF 2008 gezeigten 36 STEPS habe ich leider noch nicht gesehen). Auch dort kann er durch eine grimmige Atmosphäre und herbe Gewaltausbrüche beeindrucken. Dank schlechtem Pacing, zu stark simplifizierter Figurenzeichnung, vorhersehbarer Handlung und allzu offensichtlich beabsichtigter „Schockwirkung“ bleiben diese Filme aber in erster Linie als halbgare Exploitation in Erinnerung.

SCHERZO DIABOLICO ist da schon besser, überraschender, ernsthaft bösartiger. Kann man sich ansehen, und sei es nur seines ungewöhnlichen Flairs wegen. Etwas mehr, hm, Taktgefühl hätte aber wohl nicht geschadet. 6 Punkte.

war im Cinestar, Frankfurt

ArthurA * 6.0

Unlogisch, aber herrlich böse

Scherzo Diabolico, dessen Titel einem Klavierstück entliehen ist, welches (gemeinsam mit anderer Klaviermusik) eine wichtige Rolle im Film spielt, ist ein dreckiges, fieses Filmchen, das seine Exploitation-Wurzeln erst in der zweiten Hälfte offenbart. An dieser Stelle soll nicht mehr verraten werden, doch einige Wendungen der Ereignisse sorgen dafür, dass der Fokus der Zuschauer und der Verlauf der Handlung schlagartig um 180 Grad gedreht werden. Im Prinzip haben wir es dann plötzlich mit einem überraschend brutalen, bluttriefenden ***SPOILER***Rape 'n' Revenge-Film zu tun***SPOILER***, ohne jedoch die Vergewaltigungskomponente. Einige für den Verlauf der Handlung nötige Enthüllungen wirken dabei sehr an den Haaren herbeigezogen und jegliche Logik bleibt dabei auf der Strecke. Der Kontrast zwischen der fast ausschließlich psychischen Gewalt in der ersten und den sehr körperlichen Gewaltausbrüchen in der zweiten Filmhälfte verleiht dem Film einen sehr inkonsistenten Ton und lässt den Zuschauer sich auch mal die Frage stellen: "Was soll das Ganze eigentlich?" Mit dieser Frage hält der Film sich jedoch in seinem prestissimo-Finale nicht auf. Regisseur Adrián García Bogliano (Here Comes the Devil) ist hier auf jeden Fall ein kurioses Stück gelungen, dessen überwiegend klassische Klaviermusikuntermalung den ungewöhnlichen Rhythmus bestimmt.

Erstveröffentlichung

war im Residenz, Köln

Herr_Kees * 6.5

"Der Mensch plant, damit Gott etwas zu lachen hat." (Sprichwort)

SCHERZO DIABOLICO macht's spannend – weil wir zwar ahnen können, was passiert, aber nicht, wozu und was die Konsequenzen sind. Und so holt der Film nach einem bereits interessanten aber eher gemäßigten Verlauf doch tatsächlich im letzten Drittel noch die Keule raus und erwischt damit sowohl den Zuschauer als auch einige Protagonisten eiskalt. Über die Logik der Storyentwicklung kann man natürlich streiten, wobei sie nicht weniger Sinn ergibt als in anderen Genrefilmen – nur die überzogene Splattergewalt im letzten Akt wirkt eher unpassend und zieht den bösen Thriller etwas unter Niveau.

saß im Metropol, Stuttgart

Frank * 5.0

Adrián García Bogliano taucht in der IMDB bereits mit 19 Credits als Director auf. Ich dachte, er wäre ein aufstrebender Jungregisseur. Wie auch immer, seit 2010 hat er ein Segment zu ABCs OF DEATH (B FOR BIGFOOT) beigesteuert, den teilweise hochgelobten, aber mir unbekannten HERE COMES THE DEVIL gedreht und in 2014 mit LATE PHASES einen atmosphärisch toll eingefangenen Werwolf-Film veröffentlicht. Der war der Grund dafür, dass ich SCHERZO DIABOLICO freudig erwartet habe. Doch ohne vorherige Information wäre mir nicht bewusst, dass es der gleiche Regisseur ist.
Der Film erinnert prinzipiell an Frühwerke eines Regisseurs: Ein bisschen unausgegoren und unsicher im Stil hier, ein wenig experimentell und unvorhersehbar dort.
Bogliano macht mit diesem Werk qualitativ einen Schritt zurück.
Das mag daran liegen, dass er sich zu ein paar Experimenten mit der Kamera, genauer mit an Drohnen befestigten Kameras entschlossen hat. Mir sagte das merkwürdige Gewackel gar nicht zu; es fühlte sich schräger an als die gern kritisierten Wackelcams. Bei denen weiß man, so soll das sein. Bei dieser Drohne hatte ich immer das Gefühl, da ist was kaputt.
Leider präsentiert er uns diese Spirenzien gleich mit der viel zu lang geratenen Eröffnungssequenz – die Drohne verfolgt ein Auto auf einer Landstraße –, die von einem furchtbaren, aufdringlich im Vordergrund hörbaren klassischen Klavierstück begleitet wird.

Nun denn, der folgende Story-Aufbau gibt sich nicht unbedingt temporeich, aber irgendwie passt das auch, denn offensichtlich entwickelt der Hauptprotagonist einen Plan. Wir wissen eigentlich nur, dass er vom Chef die Überstunden nicht bezahlt bekommt und sich das Genörgel seiner Frau anhören muss, wenn er nach Hause kommt. Außerdem verweigert sie ihm den Sex, was er allerdings mit dem Besuch einer Prostituierten kompensiert, oder war es umgekehrt; sie verweigert ihm den Sex, weil er zu einer Prostituierten geht? Ich weiß es nicht. Egal.

Es macht Spaß, den Plan des Protagonisten zu verfolgen. Das war aber auch lange Zeit alles, was mir an SCHERZO gefallen hat. Nach LATE PHASES kann ich kaum glauben, wie schwach die Inszenierung hier ist. ***SPOILER***Die Entführung und die Szenen der Gefangenschaft des Mädchens fühlen sich dermaßen nebensächlich an, immerhin sind sie der Auslöser für das, was folgt. Hinzu kommen langweilige Hauptdarsteller, die es schwer hatten, meine Sympathie zu gewinnen.
Dass der Film im Verlauf seinen Charakter ändert, ist zwar nett für den Unterhaltungswert, da es dem Drehbuch die bis dahin fehlenden Elemente ***SPOILER***Pepp und Blut hinzufügt; die Inszenierung kann das jedoch auch nicht auf ein höheres Niveau heben. Einzig einige Aspekte die Figuren betreffend werden hier noch in ein anderes Licht gerückt.

Schwächen in der Inszenierung, ein unvorteilhafter Einsatz der technischen Mittel, ein billiger Look, ein aufdringlich nervender Klavier-Soundtrack sowie mäßig interessante Darsteller stehen einer im positiven Sinne eigenwilligen Atmosphäre, einer ungewöhnlich bösartig-brutalen Geschichte und einigen wenigen ästhetisch ansprechend bzw. experimentell gefilmten erotischen Szenen gegenüber.

Erwähnenswert und so ziemlich das einzige, das SCHERZO DIABOLICO mit LATE PHASES verbindet und den gleichen Regisseur erkennen lässt, ist der Einsatz von Split-Diopter, eine von mir sehr gern gesehene Kamera-Technik, die hier offensichtlich in zwei Einstellungen Verwendung fand, jedoch total an mir vorbei ging. Schade.

guckte im Savoy, Hamburg

Leimbacher-Mario S * 6.5

Dieser Review enthält SPOILER!

Rattos Locos

Ich bin ein kleiner Bogliano-Fan, mag seine bisherigen Filme sehr, egal ob Werwölfe, Kurzfilme oder mysteriöse mexikanische Hügel. Da war ich auf den neuen "Scherzo Diabolico" extrem gespannt, perfekt platziert im Mitternachtsslot des Fantasy Filmfests. Leider wurden meine Erwartungen enttäuscht, ist es für mich der erste Schnarcher des Regisseurs. Trotz einiger starker Elemente & Momente, trotz stark gegen den Mainstream gebügeltem Style & Anspruch. Aber ein Film muss einfach unterhalten & Spaß machen. Böse & krank kann man dabei ruhig sein, das kann auch manchmal Fun sein, aber langweilig & zu konfus sollte es nie werden. Dieser böse, mexikanische Scherz spielt seine Pointe aber leider erst viel zu spät aus.

In "Scherzo Diabolico" geht es um einen Mann mit Gewaltphantasien & wenig Erfolg im Leben. Im Beruf ist er eher der Laufbursche seines Chefs & muss unbezahlte Überstunden schieben, zu Hause läuft es mit seiner Frau nicht nur sexuell nicht mehr gut. Ist es nicht normal, dass man da schon mal seinen Vater erwürgen & ein junges Mädchen entführen will? Ein lustig-krasser Rachefilm mit ganz eigener Stimme - so könnte man ihn am ehesten beschreiben. Entweder man vergisst ihn ganz schnell, schläft sogar ein während einer langsamen ersten Hälfte, oder man wird ihn kaum los aus seinem Kopf.

Der Film hat einen treibenden Klassiksoundtrack, der nicht nur die Story gefühlt voran treibt, sondern darin sogar eine wichtige Rolle spielt. Im Kontrast mit dem etwas schludrigen mexikanischen Look erzeugt das eine Sogwirkung & krasse Atmosphäre. Dazu kommt eine teuflische Unberechenbarkeit & ein tiefschwarzer Humor, der einem im krassen Finale im Hals stecken bleibt. Leider ist alles bis zum Finale oft langweilig, langwierig & wirkt meist alles andere als shocking, eher amateurhaft & ziellos. Erst, wenn das Opfer im letzen Drittel zum Gegenschlag ausholt, fast so rachelüstern & hart wie in manch einem koreanischen Vertreter der letzten Jahre, entfaltet der Film seine Schockwirkung, und das nicht nur durch ausreichend Gore & Kills. Oft comicartig bizarr, manchmal vorausdeutend wie in der Szene mit der Ratte. Beißt du mich, zerquetsche ich dich & dein Leben. Style & Können hat der Regisseur immer noch in Hülle & Fülle, Talent ebenso wie Ideen en masse - jetzt muss er das alles nur noch wieder durchgehend kombinieren! Die vielen nackten Frauen & Sexszenen, auf die er selten verzichtet, kann er dabei ruhig beibehalten ;)

Fazit: (Nicht-) Rape & Revenge auf mexikanisch... und extrem anstrengend! Fällt zu den Vorgängerwerken des Regisseurs etwas ab, aber das bitterböse Finale entschädigt! Roh bis in die Knochen & bitterböse, fast wie in alten Exploitation-Zeiten!

goutierte im Residenz, Köln

49 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Scherzo Diabolico
  • Score [BETA]: 59
  • f3a.net: 5.4/10 49
  • IMDb: 6.4/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-12-14 17:03

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