s Some Time Later (2018) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Some Time Later

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Reviewer

Leimbacher-Mario * 7.5

Viva 3spana

Mit „Some Time Later“ (oder „Some Time After“, so ganz scheint man sich da beim Titel noch nicht entschieden zu haben) liefern die Spanier mal wieder einen bizarren und wahnsinnig schnell gesprochenen Thinker ab, irgendwo zwischen Monty Python und Ballard: In der weit entfernten Zukunft (?), das Jahr 9000nochwas wird grob genannt, ist die Gesellschaft strikt aufgeteilt in draußen und drinnen, arm und reich, arbeitslos und arbeitend, es steht nur noch ein Hochhaus und eine Revolution schickt sich an, diese fragwürdige, unfaire herrschende Ordnung anzugreifen...

Die Spanier reden immer schnell, was ihre Filme im O-Ton mit Untertiteln oft in echtes Konzentrations- und Schnelllesetraining ausarten lässt. Das ist in dieser Groteske nicht anders, sogar noch angereichert mit massiv intellektuellen Themen, komplizierten Wörtern, komplexen Zusammenhängen, weisen Zitaten und langen Sätzen. Das ist, trotz seinem Herz auf der Zunge und der gefühlten Leichtigkeit, kein Ding für zwischendurch. Was ja gut ist. „Some Time Later“ ist unterkühlt, aber auch heißblütig, clever, aber auch augenzwinkernd, fordernd, aber selten überfordernd. Er wirft viele Thesen und Topics in den Raum, tanzt auf etlichen Hochzeiten und ihm geht eine echte, interessante Story ab. Geschweige denn glaubhafte Figuren. Doch das fängt er mit ein paar der feinsten Darsteller Spaniens, seinem absurden Humor, exzellentem Setdesign und bissigen Metaphern wieder auf. „High-Rise“ trifft hier in der Tat „Brazil“ und den fliegenden Zirkus. Eher Intellektübung als Emotionskino. Von ausgepressten Zitronen und realitätsfernen Königen, vom unterdrückten Volk bis zur verwöhnten Oberschicht, von gewiegten Wirtschaftssystemen und fadenscheinigen Aufständen. Von Glück, Zufriedenheit und Liebe. Die ganz großen Themen also, heruntergebrochen in ganz kleinen, aberwitzigen Situationen. Hier kriegt vom Militär über die Kirche bis hin zur Jugend jeder sein Fett weg. Manchmal ist es zu viel des Guten, etwas hochnäsig und versnobt. Aber langweilig oder mutlos ist hier gar nichts. Hier wird sehr hoch gezielt und beileibe nicht darauf geachtet, dass jedermann mitkommt.

Fazit: Die Spanier mal wieder... Komisch-futuristischer Surrealismus vom Feinsten, irgendwo mutig zwischen Gilliam und Bunuel. Speziell und eigen, voller Kreativität und Kritik, Denkanstöße und Skurrilität. Intelligent, belesen, sicher auch ein wenig anstrengend und selbstverliebt. Rasant und chaotisch. Ein kurioses Kleinod.

guckte im Residenz, Köln

Herr_Kees * 6.0

Kikerikiii

Im Jahr 9177 ist die bewohnbare Welt auf einen Gebäudekomplex zusammengeschrumpft, der streng nach den Regeln der freien Marktwirtschaft und den Launen seines Königs geführt wird. Als ein Bewohner aus dem Lager der Arbeitslosen versucht, in dem Gebäude Limonade zu verkaufen, stürzt er das gesamte System, das darauf ausgelegt ist, jedermanns Status zu bewahren, ins Chaos – Mord und Krieg inklusive. Helfen könnten vielleicht noch die Jugendlichen, aber die diskutieren lieber anstatt zu revolutionieren.

Die liebenswert absurde spanische Kapitalismussatire erinnert ein wenig an Monty Python und Terry Gilliam sowie natürlich an die Landsleute Javier Fesser und Alex de la Íglesia, hat herrlich surreale Ideen und philosophische Dialoge, ermüdet jedoch nach etwa der Hälfte. Zu eintönig die Optik, zu redundant das argumentative Hin und Her, zu mühsam das Lesen des Untertitel-Stakkatos.

war im Metropol, Stuttgart

21 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Some Time Later
  • Score [BETA]: 57
  • f3a.net: 5.4/10 21
  • IMDb: 5.9/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-12-08 17:21

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