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Review Tale of Tales

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Es war einmal...
von ArthurA

Mit den neuen Disney-Märchenblockbustern à la Cinderella, Maleficent oder Alice im Wunderland hat Matteo Garrones Das Märchen der Märchen wenig gemeinsam, und doch ist es ein Märchen in seiner reinsten Essenz. Denn genau genommen waren Märchen aus alten Tagen alles andere als jugendfrei und harmlos. In Charles Perraults "Rotkäppchen" gab es keinen Jäger und kein fröhliches Ende für das Mädchen, in der Original-Erzählung von "Dornröschen" wird sie schlafend vom Prinzen vergewaltigt und auch die kleine Meerjungfrau geht leidend zugrunde, ohne jemals das Herz des Prinzen für sich gewonnen zu haben. Genug mit dem Hollywood-Zuckerguss, muss sich Matteo Garrone gedacht haben, dessen Das Märchen der Märchen dieses Jahr auch in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes aufgenommen wurde. Auf die alten Märchen, die zwar auch eine Moral-Botschaft hatten, aber in ihrer Art der Vermittlung deutlich skrupelloser waren, wollte sich Gomorrha-Regisseur Garrone rückbesinnen. Hier gibt es keine gutmütigen Könige, heldenhaften Prinzen oder eine gute Fee. Stattdessen haben wir eine besitzergreifende Königin (Salma Hayek), die um jeden Preis ein Kind will, auch wenn ihr Gatte dabei sein Leben lässt, einen lüsternen König (Vincent Cassel), der sich in die Stimme einer Greisin verliebt, ohne ihr Aussehen zu kennen, und einen weiteren Nichtsnutz-König (Toby Jones), der einen Riesenfloh mehr liebt als seine eigene Tochter***SPOILER***, die er nach einem leichtfertigen Spiel einem brutalen Oger in die Ehe übergeben muss. Ja, die Märchen-Monarchie kommt hier nicht sehr gut weg.

Erzählt werden die drei Märchen in nur sehr lose miteinander verknüpften Geschichten, und gerade der Zusammenschnitt der Erzählung macht es dem Zuschauer zuweilen nicht gerade einfach, der Geschichte zu folgen. Man vermag (möglicherweise aufgrund der Erzählweise) auch nicht wirklich in das Schicksal seiner Protagonisten zu investieren und mit ihnen mitzufiebern. Stattdessen übt der Film mit seiner bildgewaltigen, größtenteils handgemachten Optik, die den CGI-Kulissen der US-amerikanischen Märchenfilm-Pendants allemal vorzuziehen ist, seinen engagierten Darstellern und mit Alexandre Desplats magischer Musik eine unwiderstehliche Faszination auf den Zuschauer aus. Wie es für die Charaktere dabei ausgeht, bleibt fast schon zweitrangig. Die Umsetzung ist hier der Schlüssel und mit dieser hat Garrone mit seinem ersten englischsprachigen Film einen wichtigen Beitrag zum europäischen Kino geleistet, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hat.

Erstveröffentlichung

war im Residenz, Köln

62 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Tale of Tales
  • Score [BETA]: 76
  • f3a.net: 7.6/10 62
  • IMDb: 6.8/10
  • Rotten Tomatoes: 78%
  • Metacritic: 80/100
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-01-26 06:28

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