s The Treatment (2014) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews The Treatment

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Reviewer

Sonysonic * 9.0

Kein Film für nebenbei!

Wer sich in diesen Film begibt sollte sich nervlich auf einen Streifen gefasst machen, der keine Berührungsängste mit Themen hat die im Volksmund tabuisiert sind und mit denen der Großteil unserer Gesellschaft wenn dann in den Nachrichten oder Kriminalsendungen konfrontiert wird.

Der Hauptprotagonist ist bereits seit der Kindheit thematisch stark sensibilisiert und vorbelastet und wird nun auch noch beruflich mit diesem Trauma konfrontiert. Interessant hierbei ist wie er in diesem Gewirr aus Verdächtigen, Opfern und Spuren, trotz einiger sich ihm bietenden Chancen sein Kindheitstrauma aufarbeiten (bzw. lösen) zu können, seine zuvor alleinig diesem Mysterium gewidmeten Prioritäten verschiebt und sich nun besonders durch innerliche (Selbst)Betroffenheit ausgelöste Eigeninitiative inbrünstig dem beruflichen Rätsel zuwendet.

Was diesen Film besonders dramatisiert ist nicht nur die bildlich und akustisch schonungslose Konfrontation des Zuschauers, sondern die während des Filmes schleichende und sich später auch erschütternd offenbarende personifizierte Perversion.

D.S. * 7.5

Von Trollen und Frauen-Toxinen

Wüsste ich nicht inzwischen, dass die Romanvorlage von THE TREATMENT aus England stammt und dort spielt, würde ich jetzt wohl so was sagen wie: Eine solche Story kann ja nur aus Belgien kommen. Dem Päderasten-Paradies. Gott, wie fertig muss dieses Land sein. Denn eine derart sicke Story kann man sich ja nicht einfach so ausdenken...

Tja, dem ist nicht so, das Böse ist wohl hinsichtlich seiner Ortspräferenzen deutlich flexibler. Sei’s drum, abgrundtief ist es hier allemal. Das fängt schon bei der Vor- und Hintergrundgeschichte unserer Hauptfigur an: Kommissar Nick Cafmeyer, der auch 25 Jahre später nicht wirklich verarbeitet hat, dass sein Bruder beim Cowboy-und-Indianer-Spielen von einem Pädophilen entführt wurde, dem niemals etwas nachgewiesen werden konnte, und bis heute noch verschwunden ist.

Dann wird er zu einem Tatort ganz in der Nähe seiner Wohnung gerufen, und alle Erinnerungen kommen mit voller Wucht wieder hoch: Eine Familie wurde über Tage hinweg von einem Eindringling gefangengenommen, der Täter ist beim Eintreffen der Polizei mit ihrem kleinen Sohn verschwunden. Fieberhaft macht man sich auf die Suche, aber für Nick ist von Anfang an klar, dass es hier einen Bezug zur Entführung seines Bruders gibt, zu groß scheinen die Ähnlichkeiten. Ob er mit dieser Annahme recht hat, rückt jedoch bald auch für ihn in den Hintergrund angesichts der Monstrosität der aktuellen Tat, die sich Schritt für Schritt offenbart und in ihrem vollen Umfang wirklich kaum zu ertragen ist. Dabei werden die Ermittlungen von Nick und seinem engagierten Team immer komplexer – und bleiben zunächst doch fast ergebnislos. Die Hinweise sind widersprüchlich, die Untiefen des Falles schier nicht auszumessen, Spuren zum Täter nicht aufzufinden. Und es scheint, als bliebe er weiter aktiv...

Hier handelt es sich um ganz schwere Kost; und wenn THE TREATMENT aufgrund seiner Inszenierung vordergründig auch an einen stinknormalen TV-Krimi erinnern mag: Eine solche bestialische, derart deprimierend düstere Geschichte kann ich mir im (deutschen) Fernsehen irgendwie nur sehr schwer vorstellen.

Trotz seiner Laufzeit von über zwei Stunden langweilt der Film nicht einen Moment, im Gegenteil: mit fortschreitender Dauer wird man vom Geschehen zunehmend stärker gefesselt, denn es offenbaren sich immer mehr finstere Details, die einen kaum unberührt lassen können. Die Hintergründe und ihre Zusammenhänge sind extrem vielschichtig; die blanke Ermittlungsarbeit wechselt sich immer wieder mit Aufnahmen direkt aus dem Herzen der verschiedenen verstörenden Verbrechen ab; das Ganze entwickelt eine solche Intensität, dass es schon fast ungemütlich wird. Sehr gut gespielt, nüchtern gefilmt, durch das nur schrittweise Zusammenfügen der Story-Puzzleteile effektiv spannungssteigernd aufgebaut.

Einer der emotional härtesten, schmerzhaftesten Krimis seit langem, der einen fast sprachlos zurücklässt. 7,5 von 10 Punkten.

war im Cinestar, Frankfurt

MrHenke * 6.0

Eine harte Krimikante...

...bekommt man bei THE TREATMENT auf jeden Fall und zusammengefasst geboten!

Eine schreckliche Düsterheit geht von dem Film aus...und es ist schon eine Zeit her, seit ich dieses Gefühl im Kinosessel verspürte.
Durchweg ist alles hochemotional, packend und intensiv geschauspielert!

Abzüge gibt es dann in der B-Note. Hier stolpert man leider doch nach ca. 60 Minuten über die eine oder andere (ärgerlich) unerklärliche Verfahrensweise und logisch sehr holprige Gegebenheit im Film.

THE TREATMENT schafft es aber auch, an gewissen Grenzen filmisch mutig daher zu kommen, um den Zuschauer noch weiter in sich reinzuziehen...was bleibt, ist ein Film, den man nicht mal "...so zwischendurch" laufen lassen kann!

war im Savoy, Hamburg

ArthurA S * 8.5

Dieser Review enthält SPOILER!

Düster, unangenehm, gnadenlos, heftig

Kaum ein Verbrechen ist so schlimm, pervers und ruft bei allen so heftige Reaktionen hervor, wie sexueller Missbrauch von Kindern. Diesem heiklen Thema widmet sich The Treatment, die Adaption des Romans “Die Behandlung†von Mo Hayder. Obwohl Hayder eine erfolgreiche englische Krimiautorin ist, kommt die erste Verfilmung von einem ihrer Romane ausgerechnet aus Belgien. Angesichts des Falls “Marc Dutroux†(Kinderschänder und -mörder) und des Verdachts eines größeren Kinderpornografie-Rings in Belgien, erhält der Film natürlich eine besondere Note dank seinem Herkunftsland. In The Treatment wird aus dem Romanhelden Jack Cafferey, der flämische Polizist Nick Cafmeyer (Geert Van Rampelberg), der nach Jahrzehnten immer noch unter den Folgen der nie geklärten Entführung seines kleinen Bruders leidet. Der damals verdächtige, aber nie überführte Pädophile Ivan Plettinckx (Johan van Assche) quält Nick mit Briefen und ständigen Andeutungen, er wüsste die Wahrheit über seinen Bruder. Während ihn sein persönliches Trauma nicht loslässt, wird er im Rahmen seiner Arbeit mit einem grausamen Fall konfrontiert. Eine Familie wurde brutal angegriffen, tagelang in Gefangenschaft gehalten, während der kleine Sohn der Familie missbraucht und entführt wurde. Einige Tage später wird die Leiche des Jungen gefunden, doch es wird schnell klar, dass der kranke Mörder nicht aufhören wird. Hat der Fall womöglich eine Verbindung zum Verschwinden von Nicks Bruder? Schafft er es, den Mörder zu finden, bevor eine andere Familie das gleiche grausame Schicksal ereilt? Und was hat es mit dem “Troll†auf sich, von dem viele Kinder aus der Gegend reden? Auf der Suche nach der Wahrheit begibt sich Nick Cafmeyer in die Abgründe der Gesellschaft und seiner eigenen Seele. Doch die Wahrheit ist noch viel schrecklicher, als man sich das ausmalen kann.

The Treatment behandelt ein schwieriges, unangenehmes Thema und je mehr sich Stück für Stück dem Zuschauer (und dem Protagonisten) das ganze Bild offenbart, desto unangenehmer wird es. Ohne zu viel zu verraten: einer der Haupt-Twists bei Cafmeyers Ermittlungen ist ziemlich krank. Durch plötzliche Erkenntnis, dass das bereits als äußerst grausam empfundene Verbrechen noch einen Tick perverser und abgefuckter war, als man dachte, werden sich sogar bei den hartgesottenen Krimifans die Nackenhaare sträuben. Es ist eine düstere und gnadenlose Welt, in die Mo Hayder und Regisseur Hans Herbots uns hier entführen. Mehrere Charaktere müssen hier “Sophies Entscheidung†treffen, nicht zuletzt auch unser Protagonist, der sich zwischen dem moralisch richtigen Verhalten und dem sehnlichen Wunsch nach Abschluss entscheiden muss. Die richtige Wahl gibt es für niemanden, man verliert in jedem Fall. Auch wenn der Film gegen Ende einige lichte Momente ermöglicht, verweigert er dem Zuschauer das Happy End.

Erstveröffentlichung

glotzte im Cinedom, Köln

Jimmyjohnjamesmyer S * 6.5

Dieser Review enthält SPOILER!

Erst krass, dann krasser und dann am krass unnachvollziehbarsten

Hui, was sind die Leute immer geschockt wenn ein Film mit der Thematik des Kindesmissbrauchs auftaucht. Das war schon am Beispiel "Serbian Film" ersichtlich, der dann nicht mal auf dem FFF lief sondern beim Hamburg Filmfest präsentiert wurde.

Das belgische Thriller/Drama "The Treatment" nimmt sich passend zu den heimischen Skandalen auch dieses Themas an und präsentiert einen Cop mit Hintergrundgeschichte, der Schritt für Schritt nach einem Kindsmord in die schmierige Unterwelt der Kinderpornoproduzenten geführt wird. Die Tatsache, daß sein eigener Bruder von einem Pedo entführt wurde, der ihn auch nach Jahrzehnten noch mit Überraschungsauftritten im Garten plagt, macht die Sache natürlich noch unweit dramatischer.

Man muß dem Film lassen, daß er ziemlich solide umgesetzt ist und die perfekten Bilder und sehr guten Darstellungen der Schauspieler einen am Anfang gekonnt in den düsteren Plot ziehen. Stellenweise fühlt man sich an die europäische Version von "Sieben" mit noch härterer Thematik erinnert (z.B. in den Szenen in denen die Polizei die Wohnung des Bösewichts durchforstet und über so manche Widerwärtigkeit stolpert). Während der geplagte Cop sich in der Recherche zwischen Polizeiarbeit und der Aufklärung des Schicksals seines vermissten Bruders immer tiefer in die verzweigten Perversionen verirrt, die sich hinter dem anfänglich vermuteten Mord an einem Jungen entblättern, stolpert "The Treatment" dann aber leider auch etwas arg von einer Steigerung in die nächste und vergisst vor lauter gezwungener Härte den Plot nachvollziehbar zu halten.
Es wird hier wirklich eine Perversion auf die andere gesetzt, frei nach dem Motto "Darf es noch etwas mehr sein?". Dabei fallen aber grundlegende Motivationen unter den Tisch und sowohl das Schicksal des Bruders wie die Motivation des Entführers und des Oberbösewichts (der den Namen "Troll" trägt und schrittweise in den Plot eingeführt wird) bleiben extremst nebulös.

Nachdem der Zuschauer durch den Schmutz von schmierigsten Kinderpornoproduzenten gezogen wurde erscheinen selbst die im Vergleich zu dem "Troll" fast harmlos. Wenn Stück für Stück blossgelegt wird wie genau die Vorgehensweise des obskuren Serientäters sich gestaltet kriegt man schon mal das würgen und der Film schafft es dieses langsame Aufdecken der Verbrechen wirklich gekonnt im Stile bekannter Detektiv-Muster aufzudecken und die Spannung zu halten.

Dann aber wirkt es irgendwann nur noch so als wollte man schockieren und verliert sich im ewigen toppen der Perversionen, so daß ein an sich wirklich dramatisches, tiefschwarzes Finale irgendwie komplett versandet. Die vielen Fäden zusammenzuführen gelingt am Ende nur bedingt und das ewige Streuen von roten Heringen ist dann irgendwann auch nerviger als eine Columbo Folge.

Insgesamt ein wirklich solider Film, der sich dann aber doch zu offensichtlich an einem Tabuthema abarbeitet das offensichtlich immer einen tiefen Eindruck macht obwohl das ganze dann doch eher an einen Exploitation-Film erinnert. Daß der ganze Masterplan des "Trolls" dann so in der Luft hängenbleibt ist fast so ärgerlich wie die unnachvollziehbare Verbindung zu dem verlorenen Bruder des Hauptcharakters.

war im Savoy, Hamburg

Herr_Kees * 7.5

A Belgian Film

Ein äußerst düsterer und durchweg überzeugend gespielter Mystery-Thriller, der insbesondere in der zweiten Hälfte mit einigen Parallelhandlungen die Spannungsschraube deutlich anzieht und für jede falsche Fährte mindestens auch eine Enthüllung präsentiert, die schlimmste Erwartungen noch übertrifft – auch wenn ein perfideres Verbrechen als Kindesmisshandlung kaum vorstellbar scheint.

Leimbacher-Mario * 7.5

Wie ein ARD-Krimi gerne wäre...

Warum mir das Fantasy Filmfest erst letztes Jahr so richtig aufgefallen ist, weiß ich gar nicht genau... aber es wurde definitiv Zeit nach 10 Jahren mit dem Lieblingshobby Film, erst recht Horror & Co. Und dann geht man seinen Terminkalender durch, welche Filme man denn überhaupt spontan gucken kann... und es blieb u.a. der Nachmittagstermin, an dem Die Behandlung lief. War jetzt der Beschreibung nach kein Muss, aber schlecht las sich das nicht...

Aber dass mir dieser kleine, teuflische, belgische Thriller/Krimi so sehr gefallen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Hübsch anzusehen, eine ideale Stimmung, geprägt von Horror, Unsicherheit & Melancholie gleichermaßen, gute Schauspieler, mit Kindesmissbrauch ein heikles Thema - das auf der Großleinwand zu sehen, war schon ein Genuss. Wann bekommt man schon mal einen Thriller auf Fincher-Niveau zu sehen, aus einem unserer Nachbarländer, und das im Kino?

Der Film handelt von einem Polizisten, der in einem mysteriösen Fall von Kindesentführung & Missbrauch einer ganzen Familie ermitteln muss. Ein Fall, der ihn an seine eigene Vergangenheit erinnert, in der sein Bruder vor seinen Augen entführt und nie wieder gefunden wurde. Und vielleicht vollendet sich ja hier der Kreis... oder es tun sich komplett neue menschliche, nur zu realistische Abgründe auf, rund um Kinderschänder-Ringe & so furchterregende Menschen, dass schnell Mystifizierungen greifen und vom Kinder essenden Troll die Rede ist, der Wände und Bäume hochklettert...

De Behandeling ist vielleicht nicht so brutal und abartig wie die schlimmsten verbotenen Filme à la Serbian Film oder Human Centipede, aber er hinterlässt ähnliche Spuren auf der Seele, eher noch mehr. Er überrascht, unterhält, schockiert und stimmt nachdenklich. Zu realistisch, zu böse, zu grau das gezeigte Weltbild. Aber die Welt ist nun mal leider kein Ponyhof, eher das Gegenteil...

Hier wird zwar auf extreme Gewalt verzichtet, vieles spielt sich im Kopf ab, aber dies ist bekanntlich ja oft noch eindringlicher und effektiver als Blutfontänen und Gedärme. Hier wird nicht im Schonwaschgang geschleudert und kein Blatt vor den Mund genommen - und das ist gerade bei diesem Thema auch gut so!

Es gibt eine Szene, in der der Hauptdarsteller/Kommissar alleine auf seinem Bett sitzt und einen Brief vom möglichen pädophilen Entführer seines Bruders liest und dieser dabei scheinbar direkt hinter ihm auftaucht, in Nahaufnahme, und den Brief weiter liest... Gänsehaut pur!

Fazit: besser als jeder Tatort, teilweise mit der Niederträchtigkeit in Richtung Finchers "Sieben"... trocken, humorlos, harter Tobak!

48 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

The Treatment
  • Score [BETA]: 72
  • f3a.net: 7.1/10 48
  • IMDb: 7.2/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-08-09 01:42

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