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Review Turbo Kid

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BMX, Baby!
von D.S.

Unter ihrem schillernd bunten Äußeren waren die 80er ein durch und durch schmutziges Jahrzehnt. Ihre plumpe Oberflächlichkeit und Kommerzgeilheit äußerte sich nicht zuletzt in billigen Actionfilmen vom Fließband, die sich sensationell ernst nahmen und deren Stumpfheit bis heute unerreicht ist. Höchste Zeit, sich dieses dunkle, antiästhetische Kapitel der Filmgeschichte einmal vorzunehmen – und es in einem wahnwitzigen Trash-Exzess auseinanderzunehmen!

TURBO KID ist durchaus eine Hommage an solche Streifen. Indem er ihre Handlungs- und Stilmuster aber auf den blanken Kern reduziert und damit überspitzt, legt er ihre Unbeholfenheit und Dämlichkeit schonungslos offen. Und gibt sie so der Lächerlichkeit preis. Fans der hier geschredderten Vorbilder könnten sich davon tatsächlich ziemlich auf den Schlips getreten fühlen.

Alle anderen aber, die etwa den zahllosen MAD MAX-Klonen damals schon fassungslos gegenüberstanden, die über das Gehabe von Martial-Arts-Sperenzchen wie KARATE TIGER oder Actiongülle Marke Chuck Norris immer nur lachen konnten, oder auch alle, die einfach ein Herz für euphorischen, liebevollen Trash haben – die werden TURBO KID begeistert umarmen. Denn er macht keine Gefangenen, treibt jeden Aspekt seiner Präsentation bis zum Äußersten. Und splattert nebenbei herum, als ginge es um Leben und Tod.

Dabei gibt er sich handlungsseitig als so düstere Dystopie, wie das in der B-Actionwelt von vor 30 Jahren eben aussah: 1997 ist die Zivilisation am Ende, die wenigen Ãœberlebenden kämpfen im endlosen, radioaktiv verseuchten â€×Wasteland USA“ um knappe Ressourcen und ihre bloße Existenz. Wobei sie – natürlich! – auf BMX-Rädern unterwegs sind und alberne Endzeitrüstungen tragen, die bevorzugt über extrudierbare Hand-Waffen verfügen. Unser Protagonist ist ein Junge, dessen Familie vom lokalen Warlord (Michael Ironside mit einer Präsenz, die ich ihm spätestens seit seinem lieblosen Auftritt in 88 nicht mehr zugetraut hätte) ausgelöscht wurde – der über die Kontrolle über das chemisch aufbereitete Trinkwasser verfügt. Wie es halt so kommen muss, nimmt der kleine große Fan des Comicsuperhelden â€×Turbo Man“ den aussichtslosen Kampf gegen ihn und seine Horden knallharter Killer auf – als Nachwuchs-â€×Power Ranger“, unterstützt von einem überdrehten Roboter-Girlie und einem coolen lonesome Cowboy.

Und dann geht es einfach nur noch ab, in so billig aussehenden, gleichwohl in so sensationellen Blutfontänen explodierenden Fights, dass kein Auge trocken bleibt. In allen Ausstattungsdetails, im Carpenter-Gedächtnissoundtrack, in der Figurenzeichnung, in den Dialogen: TURBO KID ist monströs überzeichnete 80er-Filmrealität, ist so gnadenlos authentisch, dass es weh tut und gleichzeitig das Herz des Zuschauers im Sturm erobert.

Wer an diesem genial dämlichen Gore- und Klischeefeuerwerk keinen Spaß hat, der versteht vermutlich keinen – oder kann aus Altersgründen die Idee dahinter und die Hälfte der Referenzen (darunter übrigens gleich mehrere auf SOYLENT GREEN) nicht nachvollziehen. Für den Rest der Menschheit wird hier eine finstere Zeit in ein befreiend helles Licht getaucht, vor keiner Peinlichkeit und keinem Exzess haltgemacht, für Party ohne Ende gesorgt.

Liebe zum Detail, ein klarer Blick für die Essenz des Ganzen und die Bereitschaft, dahin zu gehen, wo es wehtut: So und nicht anders muss eine Verbeugung vor den 80ern aussehen. Nämlich wie ein stilsicherer Tritt in die Weichteile. 7,5 Punkte, bitte mehr davon!

goutierte im Cinestar, Frankfurt

72 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Turbo Kid
  • Score [BETA]: 80
  • f3a.net: 7.6/10 72
  • IMDb: 7.5/10
  • Rotten Tomatoes: 90%
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verf├╝gbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-08-09 22:46

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