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Review The Way of the Gun

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Gunslinger’s Melodrama ...
von D.S.

Vorab: kann den Film wegen zu starker Konkurrenz nicht auf dem FFF sehen. Aber wozu gibt es schließlich so fein sortierte Videotheken wie das "Video City" in Frankfurt? :-)

"The Way of the Gun" beginnt sehr unterhaltsam mit einigen richtig derb politisch unkorrekten Verhaltensweisen der zwei Hauptfiguren, und gibt allen, die mal wieder richtig Lust haben, sich Feinde zu machen, exklusive (und garantiert wirksame) Tips. "Schön", denkt man sich, "ein weiterer Film in der Reihe cool, ironisch, dreist und brutal".

Und so tauchen wir dann ein in die Geschichte zweier kleiner, extrem skrupel- und ruchloser Krimineller, die mehr oder weniger ziellos vor sich hin leben und eher mal handeln, bevor sie denken. Dabei sind sie noch lange nicht dumm oder moralisch vollständig desinteressiert: nein, einer von ihnen ärgert sich später im Film beispielsweise über die Kiddo-Gangster von heute, denen es offenbar nicht mehr um das jeweilige "Crime" geht, sondern nur noch darum, "A Criminal" zu sein ;-)

Genau hier aber tritt schon eins der größten Probleme des Films zutage: wir erfahren GAR nichts über die Hintergründe der beiden, und sie werden auch nicht sonderlich stark charakterisiert. Sondern laufen als reichlich leere Hüllen durch die Gegend - obwohl sie gut gespielt werden, von Benicio Del Toro ("Snatch", "Traffic" - gewohnt beeindruckend) und "Eiskalte Engel"-Schnösel Ryan Phillippe (überraschend brauchbar!). Dieser Eindruck entsteht wohl auch deshalb, weil den beiden "Helden" eindeutig zu wenig Spielzeit gewidmet wird: der Film schleppt einfach zu viele Minor Characters mit sich herum, die zwar alle für sich interessante Ansäzte enthalten, aber den Film mitunter etwas aufblasen - und, nicht zu seinem besten, verlangsamen.

Wobei das ohnehin ein Problem ist: nicht nur einmal wünscht man sich, das Geschehen würde jetzt endlich mal etwas schneller über die Bühne gehen. Nicht nur bei den Nebenhandlungssträngen, sondern fatalerweise auch manchmal während der Shoot-Outs! Diese sind, wie erwähnt, durchgängig recht brutal; dramaturgisch aber ab und an etwas unentschlossen bzw. "zäh" - und also nicht immer effektiv. Ein Beispiel ist gleich der erste Höhepunkt im Handlungsstrang, als nämlich unsere Desperados ihren spontanen Einfall in die Tat umsetzen, die "hochgradig werdende" Mutter des Kindes eines offenbar schwerreichen Typen zu kidnappen. (Jene wird übrigens gespielt von Juliette Lewis, die zwar sehr eindrucksvoll und intensiv spielt, einem aber doch manchmal mit ihrer Weinerlichkeit schwer auf die Nerven geht - wobei das natürlich ein Problem ihrer Rolle ist).

In dieser und den folgenden paar Szenen sind durchaus einige originelle Einfälle verbraten worden: selten haben Gangster ihren Verfolgern nachhaltiger vorgeführt, daß sie die Clevereren sind :-) Und insbesondere werden hier schon, fast unmerklich, die Wurzeln für die bald vordringliche Frage des Films gelegt: wem kann man vertrauen, wer führt wirklich Gutes und wer Böses im Schilde?? Klar, das ist keine innovative Frage; aber der Film versucht sich auch nicht etwa in Handlungstwists der Sorte "Scream", "Wild Things", "Dead Man’s Curve" etc. Hier geht man viel ernsthafter zur Sache.

Und das ist dann schließlich auch das zentrale Problem des Films: er kann sich nicht entscheiden, was er denn sein möchte. Zum einen ein teilweise brutaler Geiselthriller. Zum zweiten die Geschichte zweier cooler Anti-Helden - die insgesamt sehr ernst und fast pathetisch rüberkommen, am Anfang des Films und (selten) zwischendrin aber tarantinomäßige, krasse "Witze" bringen (ähhh ... mal eher bezüglich ihrer Verhaltensweisen). Und dann eben ein x-faches Melodram, das tausend Familiengeschichten, Moralfragen, Vertrauensfragen ... voller Schwere und Ernsthaftigkeit thematisiert. Alle diese Teile sind zwar in sich mit Können umgesetzt, und sie schaffen es alle zunächst, Interesse zu erwecken. Aber das ändert nichts daran, daß der Film oft mitten in einem Handlungsstrang abgleitet und man sich fragt: "Hallo? Was soll DAS denn jetzt? Das will doch jetzt keiner wissen!!!"

Naja, so kommt der Film auf eine Spielzeit von vollen zwei Stunden, obwohl die zu erzählende Geschichte mitsamt all ihrer Konflikte das wirklich nicht nötig hätte. Da passiert nämlich wirklich nicht mehr viel: man hat die Geisel bei sich, der es gar nicht gut geht wegen des herannahenden Babies. Man tritt mit dem potentiellen Geldgeber in Kontakt. Der hat aber eigene Pläne - und wieder eigene haben seine Berater und Untergebenen. Und irgendwann trifft man, in mehreren Etappen, aufeinander. Und wie es ausgeht, interessiert dann fast nur noch am Rande, denn bei all dem Neben- und Unter-Handlungsschauplätzen bleibt einfach nicht genug Platz dafür übrig, einen Konflikt aufzubauen, der WIRKLICH fesselnd wäre.

So wird leider einiges Potential des Films (gute Schauspieler, mehrere gute Ideen vor allem hinsichtlich der Verbandelungen der Charaktere untereinander ... die ich hier jetzt aber nicht weiter ausführen werde, weil das dem Film ein paar (leicht) überraschende Momente nehmen würde) verschenkt.

Mithin: weder Brokkoli noch Spinat - man weiß letztlich einfach nicht, was man vom Gezeigten halten soll. Teilweise einfach das Schema A großer Hollywood-Melodramen zum Vorbild genommen, dann wieder extremste Un-Korrektheit und Gewalt, und nebenbei ein paar Figuren, Dialoge oder Verhaltensweisen, die auch "Scarface" oder einfach dem Mafia-Thriller Deiner Wahl entsprungen sein könnten.

Seltsam, seltsam, aber doch leidlich unterhaltsam. Kann man sich ansehen - auf Video reicht das aber definitiv!!

P.S.: Ich weiß, das Review ist zu lang. Der Film aber auch ;-)
Dominic

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The Way of the Gun
  • f3a.net: 5.5/10 13
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-08-06 23:22

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