s We Need to Talk About Kevin (2011) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews We Need to Talk About Kevin

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Reviewer

mdbnase * 8.0

Superb erzähltes und bebildertes Psycho-Drama mit Längen

In dem Thriller von Lynne Ramsay geht es grob gesagt um die Psyche von Eva, einer gebrochenen, von der Nachbarschaft verhassten Frau, deren Familienschicksal, das zu dieser Situation geführt hat in Rückblenden erzählt wird. Eva, die unbedingt Kinder will, findet keinen richtigen Zugang zu ihrem Erstgeborenen Kevin. Das Verhältnis ist von Beginn an gespannt. Denn Eva ist ungeduldig und einfach überfordert mit Kevins seltsamen, boshaften Aktionen und Verhaltensweisen und findet sich nicht damit zurecht, dass ihre Liebe nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint. Aber was ist passiert, dass Eva nun von allen gehasst wird?

Sowohl die Bildsprache als auch die Erzählstruktur in diesem Thriller sind ausgesprochen gut gelungen. So bekommt man scheibchenweise und in unchronologischer Reihenfolge die Hintergründe dieser Lebens- und Leidensgeschichte serviert. Tilda Swinton als gebrochene, verzweifelte Frau, die sämtlichen Kummer in sich hineinfrisst ist dabei großartig in ihrer Darstellung. Auf Schockeffekte wird verzichtet und die Geschichte sehr ruhig und langsam erzählt. Leider manchmal etwas zu ruhig, so dass sich im Mittelteil doch ein paar Längen auftun, die die Spannung etwas abflachen lassen. Leider kommt man dabei auch zu schnell dahinter, welchen Lebensweg Kevin einschlägt. Nichts desto Trotz wirken einige dieser langsamen Sequenzen intensiv und erinnern mich in seiner Diabolik an 'Das Omen'. Der Schluss dagegen knallt - trotz seiner gewissen Vorhersehbarkeit - rein und lässt den Zuschauer verwirrt und etwas ratlos zurück. Hier werden die Sympathien und Antipathien gegenüber den Protagonisten, die schon von Beginn an schwankend sind, nochmals richtig durch geschüttelt.

Eigentlich könnte man 'Kevin' als Psycho-Drama bezeichnen, das sehr nah an der Realität angesiedelt ist. Vor allem wird hier aber mit der Psyche und der Haltung der Zuschauer gespielt und man erkennt viele gesellschaftliche und pädagogische (Fehl-)Verhaltensmuster wieder, die einem - gelungen - den Spiegel vorhalten. In dieser Beziehung kann der Film absolut überzeugen. Der Längen (der Film geht 117 Minuten) und einiger zu penetranten Motiv-Wiederholungen wegen (z.B. die Farbe Rot als Leitmotiv oder das wiederholte besudeln der Schränke & Wände mit Brei und/oder anderem schleimigen Zeug) gibt es jedoch ein paar Abzüge. Ein Film auf den man sich einlassen muss! (8/10)

Herr_Kees * 8.5

Eine Frau sieht rot

Intelligentes, subtil gemachtes Psychodrama, hervorragend gespielt, fesselnd, beunruhigend und deprimierend, dazu eine beißend ironische Musikuntermalung und der wohl aggressivste und penetranteste Einsatz der Farbe Rot in der Filmgeschichte.

glotzte im Metropol, Stuttgart

Elenor * 9.5

... der werfe den ersten Stein ...

für mich ist jetzt wohl endgültig das im Vorspann stehende *Kino Kontrovers* ein Gütesiegel geworden (siehe auch exdrummer) ... man könnte sicherlich Tage/Nächtelang über diesen Film diskutieren ...
*wer hat Schuld* .. *gibt es Schuld in diesem Falle überhaupt?* ... rechtfertigen *Fehler* in einer Erziehung (es gibt sicherlich *schlimmere* als in diesem Fall gezeigte) solch ein *Ende*? ... wie kann man überhaupt über diese Mutter *urteilen* ? ... liegt ihre Qual in ihrer *Selbstbestrafung*? ... so viele Fragen ... und wohl doch keine Antwort darauf
und genau DAS macht diesen Film für mich so einzigartig und genial .. vor dem Kino hörte ich manche Stimmen, er sei *oberflächlich* behandelt worden ... aber kann man bei so einem Thema alles ausleuchten, oder erklären? .. .ich sage nein .. und vielleicht weil gerade DAS fehlt ... ist das eigene Hirn gefragt, besonders, wenn man selber Mutter ist ... und jetzt ein lautes *SO würde ICH das NICHT machen ....* . .. das wäre sicherlich gelogen ...
für mich eine wahre Perle... und ein seelischer Magenschwinger ... und trotz aller Dramatik ... mein herzhaftester Lacher beim Presslufthammer ...!

glorrk * 8.0

Ak.

= Arschlochkind, so würde man Kevin bezeichnen.

Ein Kind, das vom ersten Tag seines Lebens an böse und fies und nicht liebenswert ist. Doch gibt’s das überhaupt?

In mehreren Erzählebenen wird von Kevin, seinem Leben mit Eltern (brillant: Tilda Swinton als Mutter) erzählt, und wie es auf einen Tag X, auf die absolute Eskalation hinzusteuert.

Am Anfang wirken die Erzähl- und Zeitebenen etwas verwirrend, zum Schluß jedoch fügt sich alles zusammen. Der Film weiß zu fesseln und oft bleibt einem ein Lachen im Halse stecken.

Jedoch habe ich mir irgendwie gedacht, auf dem FFF ist er irgendwo fehl am Platze.

glotzte im Cinema, München

BuzzG S * 9.0

Dieser Review enthält SPOILER!
Hier ein Auszug aus meiner Kritik...für den vollen Text bitte auf den Link unten klicken.

Durch Evas Augen erleben wir Kevin, und wir finden nichts in ihm, was man als Zeichen echter Liebe oder Zuneigung deuten könnte. Nur einen Moment lang, Kevin ist krank, flammt in der Frau die Hoffnung auf, der Junge verfüge doch über eine Schwachstelle, einen weichen Kern, tief in sich begraben. Dieser Film ist kein hitziges Plädoyer an die Eltern - „Passt auf eure Kinder auf, sonst erzieht ihr sie zu Monstern!" -, sondern das Portrait einer Mutter, die ihrer (zu frühen) Verantwortung mit gemischten Gefühlen entgegengetreten und trotz aller ehrlicher Bemühungen an ihrer Bürde zerbrochen ist. Ihr innerer Kampf, ihre quälende Liebe ihrem verlorenen Sohn gegenüber, erinnert an das Ende von Roman Polanskis „Rosemary’s Baby" (1968), wenn Mia Farrow trotz ihrer Abscheu schließlich an die Wiege ihrer Höllengeburt tritt und sie schaukelt.

„We Need To Talk About Kevin" ist geschmackvoll inszeniertes, brillant gespieltes, aufwühlendes Kino, das uns keine einfachen Lösungen anbietet, sondern abermals unangenehme Fragen aufwirft. Vielleicht möchte man anfangs noch über die fast putzigen Streiche des „Titelhelden" schmunzeln - bis man letztlich feststellen muss, dass hinter diesem Schabernack kein kindlicher Spieltrieb, sondern eine unheimliche, berechnende Leere steckt...

Erstveröffentlichung

FFFler * 7.5

Tilda Swinton for Oscar

In den Tiefen des Internet gab es Anfang des Jahres einen kleinen Aufruhr bzgl. der Nichtnominierung als beste Hauptdarstellerin von Tilda Swinton für die Oscarverleihung. Dieser Aufruhr ist verständlich, liefert sie in We need to talk about Kevin eine eindringliche und absolut überzeugende Performance ab. Aber auch außerhalb von Swintons Leistung kann Lynne Ramsays Film überzeugen. Die Geschichte eines Kindes, das bei der Mutter rebellisch ist und beim Vater ein ganz anderes Gesicht zeigt, ist verstörend, kompromisslos und versteht es den Zuschauer zu schocken. Das Ganze wurde von Ramsay in eindringlichen, teils verstörenden Bildern eingefangen und setzt dem Zuschauer in nicht gerade wenigen Momenten zu. Einzig das Stilelement der Zeitsprünge wollte nicht so recht funktionieren, weiß man somit doch schon recht früh worauf der Film hinaus möchte und raubt ihm damit einem Großteil der Spannung. Dennoch ein empfehlenswertes Werk bei dem alleine Swintons Performance jedes Eintrittsgeld wert ist.

50 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

We Need to Talk About Kevin
  • Score [BETA]: 77
  • f3a.net: 7.7/10 50
  • IMDb: 7.7/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-10-26 11:05

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