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Review Yakuza Apocalypse: The Great War of the Underworld

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Taste the Blood of Yakuza
von D.S.

Eins kann man Takashi Miike nun wirklich nicht vorwerfen: dass er mit zunehmendem Alter gesetzter und damit berechenbarer werden würde. Sein filmisches Schaffen ist eine einzige Wundertüte, die zudem immer prall gefüllt ist. Innerhalb vergleichsweise kürzester Zeit können aus ihr so unterschiedliche Filme herauskommen wie zuletzt etwa das zu zahme Slash-Spektakel LESSON OF THE EVIL, das verquaste Mystery-Drama OVER YOUR DEAD BODY und jetzt YAKUZA APOCALYPSE – der so bunt, durchgeknallt und durcheinander geraten ist, dass man ihn kaum noch einem Genre zuordnen kann.

Mafia- trifft Vampir- trifft Fantasyfilm trifft Blödel-Comedy, gekreuzt mit jeder Menge Groteske und ein wenig Endzeitstimmung, das trifft es vielleicht am besten. Aber wen kümmern auch eigentlich Genres, wenn man als Filmemacher seiner Phantasie und Spielfreude freien Lauf lassen kann? Dafür, dass dabei am Ende trotzdem ein immerhin halbwegs kohärentes, zumindest aber weitgehend unterhaltsames Ergebnis herauskommt, sorgt Miike mit seiner langen Erfahrung und hier mal wieder deutlich spürbaren Lust am Erzählen.

Zur Story muss nicht viel gesagt werden: Ein Yakuzaboss wird von einer feindlichen Organisation ermordet, entpuppt sich dabei als waschechter Vampir, gibt die Führungsverantwortung und seine besonderen Kräfte weiter an seinen jungen Protegé, der dann schließlich mit den Angreifern sowie den Verrätern in den eigenen Reihen aufräumt – und sich dabei einer wachsenden Armee von Blutsaugern erwehren muss. Bei denen es sich nicht etwa um normale Vampire handelt, sondern um sich dementsprechend danebenbenehmende Yakuza-Vampire. Ab spätestens der Hälfte der Laufzeit dreht sich die Handlung eigentlich nur noch um einen episch absurden Dreifrontenkrieg: Yakuzas gegen Yakuza-Vampire gegen die yakuzafeindliche gegnerische Organisation, die in ihren Reihen etwa auch einen Schildkrötendämon und einen Froschterroristen hat.

Hier gibt es kaum einen Einfall, der zu bescheuert wäre, um nicht eingebaut zu werden – entsprechend wahnwitzig (und gegen Ende sogar größenwahnsinnig) fühlt sich YAKUZA APOCALYPSE dann auch an. Zuweilen geht das allerdings arg zu Lasten des Tempos; die ohnehin sehr dünne Handlung dehnt sich vor allem im letzten Drittel über manchmal, den kaum noch zählbaren Bossfights zum Trotz, ganz schön ermüdende Längen.

Da kann es dann bei aller Farbenfrohheit und Durchgeknalltheit schon mal passieren, dass man das Interesse verliert. Zudem ist es schade, dass die beißende Persiflage von Yakuza-Klischees vom Anfang des Films bald eher sehr plattem Humor weicht. Die Fights dagegen sind vielleicht zu zahlreich und nicht immer spektakulär, dafür aber ziemlich hart.

Insgesamt ist YAKUZA APOCALYPSE sicher kein Meisterwerk, dafür wirkt die bunte Bizarrerie teils einfach zu beliebig, manchmal auch zu albern, und dafür ist die Story selbst auch zu beschränkt. Ein schräges Erlebnis und, mit dem richtigen Publikum, eine schöne Party ist das Ganze aber allemal. Von mir gute 6 Punkte; wer weniger übermüdet ist als ich, feiert bis zum Ende mit und bewertet vermutlich noch etwas besser.

war im Cinestar, Frankfurt

48 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Yakuza Apocalypse: The Great War of the Underworld
  • Score [BETA]: 58
  • f3a.net: 5.4/10 48
  • IMDb: 6.0/10
  • Metacritic: 61/100
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-01-25 05:52

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