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Review Anna and the Apocalypse

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Ein Zombiefilm für die ganze Familie
von D.S.

ANNA ist nett, aber komplett harmlos – ein (Peripher-)Genrefilm, den man sich vielleicht gut zu besonderen Anlässen mit allgemein nicht ganz so horroraffinen Schwiegereltern, Kollegen, Lovern ansehen kann, ohne von ihnen direkt zur menschlichen No-Go-Area erklärt zu werden.

Storyseitig bekommen wir hier das Übliche in Grün geboten: Ein nicht genauer erklärbarer Virus, der Menschen in Zombies verwandelt und höchst ansteckend ist, verbreitet sich unmittelbar vor Weihnachten ungebremst überall auf der Welt, unter anderem ist Glasgow schwer getroffen. Dort folgen wir einigen glücklichen (oder doch eher unglücklichen?) Überlebenden der ersten Infektionswelle, die zunächst mal, ganz SHAUN OF THE DEAD-mäßig, überhaupt nicht mitbekommen, was um sie herum passiert – und die dann versuchen, ihre Angehörigen und ihre eigene Haut zu retten. Ohne dabei besondere Intelligenz an den Tag zu legen.

Aber hey, dafür können sie singen und tanzen, und das zelebrieren sie hier auch ordentlich. ANNA ist in erster Linie tatsächlich ein reines, echtes Musical – wer mit diesem doch sehr speziellen Genre grundsätzliche Probleme hat, sollte sich dem Film mit wirklicher Vorsicht nähern. Zumal, da â€×reines, echtes Musical“ auch den musikalischen Stil der zahlreichen Song-Einlagen meint: Wir bekommen hier ironiefrei (?!) genau das geboten, das diese Beschreibung erwarten lässt, und das heißt irgendwas zwischen Andrew Lloyd Webber und 90er-Mainstream-Pop in Richtung Backstreet Boys oder Britney Spears. Okay, das ist alles sauber komponiert und choreographiert, überraschend â€×groß“ produziert und größtenteils glatt hitverdächtig gesungen (wenn man mal vom Top-Antagonisten, dem verspießert bösen Schul-Rektor absieht), aber hey, das ist fand ich durchweg wirklich gruselig. Sicherlich eine Frage des persönlichen Musikgeschmacks, aber ich mag keinen Radiopop in meinen Horrorfilmen... und dass ein Genre-Musical den auch nicht zwingend braucht, hat zuletzt mindestens REPO! THE GENETIC OPERA bewiesen.

ANNA will aber nun mal niemandem wehtun. Darum tritt ANNA auch immer auf die Bremse, bevor es zu wild, zu böse, zu hart oder abseitig wird. Zwar gibt es ein paar heftigere Kills zu goutieren, einige charmante Witze sowieso. Aber das Potential der teilweise durchaus charmanten und größtenteils absolut gelungen gespielten Figuren wird zu oft verschenkt, der Humor versemmelt gleich mehrere Elfmeter, der Film traut sich nicht, das zu sein, was er sein könnte: Eine Geek-Komödie für Nerds und damit irgendwas in der Reichweite des genannten SHAUN OF THE DEAD. Nein, stattdessen will er auch für Mama, Papa und Fido genießbar sein, und das macht ihn leider halbgar.

Über das erste Drittel hinweg zündet die Situationskomik immerhin noch ausnahmslos und man hat auch als Genrefan ununterbrochen viel Spaß mit dem Gezeigten. Dann jedoch gehen dem Drehbuch die von seiner grundlegenden Harmlosigkeit ablenkenden situativen Ideen aus und der Mangel an Intensität macht sich massiv bemerkbar. Zu massiv, vermutlich selbst für Menschen mit Musical-Affinität. Und im Finale wartet man irgendwann nur noch darauf, dass der letzte Tod gestorben, der letzte Kuss gehaucht, die letzte Note geträllert worden ist. Von mir gibt es äußerst wohlwollende 6,5 Punkte. Aber auch nur, weil es der FFF-Abschlussfilm war. Und weil Weihnachten naht.

war im Harmonie, Frankfurt

43 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Anna and the Apocalypse
  • Score [BETA]: 74
  • f3a.net: 6.5/10 43
  • IMDb: 6.8/10
  • Rotten Tomatoes: 90%
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verf├╝gbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2021-06-14 11:41

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