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Review Elizabeth Harvest

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Erntedankfest
von D.S.

In stilistischer Hinsicht bietet ELIZABETH HARVEST zweifelsfrei viel sehr Appetitliches. Er ist wie eine riesige, prall gefüllte Tafel, an der man sich niederlässt und genießt: filmästhetische Leckereien aus vergangenen Dekaden, die hier im Überfluss zitiert, imitiert, neu kombiniert werden.

Dem Thema Ton wird dabei weniger Aufmerksamkeit gewidmet – abgesehen von einem Exkurs über das Werk Erik Saties, mit dem der geniale, stinkreiche Wissenschaftler Henry (Ciarán Hinds, RED SPARROW) seine junge Ehefrau Elizabeth (Abbey Lee, THE NEON DEMON) zu beeindrucken versucht, ist mir in dieser Hinsicht jedenfalls nichts in Erinnerung geblieben. Allerdings ist ELIZABETH HARVEST damit einer von mindestens fünf Filmen beim FFF 2018, in denen Satie explizit eine mehr oder minder große Rolle spielt, und das IST bemerkenswert.

Wie auch immer, wirklich auffällig ist hier die visuelle Gestaltung. Das gilt zuallererst dafür, wie Elizabeth als aparte, aber atemberaubende Schönheit in Szene gesetzt wird – von der Kamera mal in verträumten, mal in sehnsüchtigen, mal in verzweifelten Posen viel öfter als nötig bildfüllend eingefangen, kann man sich ihrer Ausstrahlung kaum entziehen. Ihre extreme Präsenz, ihre zahllosen Auftritte haben natürlich auch storyseitige Relevanz, die hier allerdings nicht gespoilert werden soll. Unabhängig davon tut eine Umschreibung als Abbey-Lee-Model-Reel dem Werk definitiv nur bedingt Unrecht.

Präsentiert wird sie dabei zumeist im wunderbarsten Retro-Stil – ihre Frisur, ihre Kleidung wirken wie direkt einer Spät-60er-Hippie-Modezeitschrift entsprungen –, wozu die häufig zum Einsatz kommende Splitscreen-Technik passt wie die Faust aufs Auge. Diese Nostalgie-Verliebtheit steht natürlich im starken Gegensatz zum futuristischen Hauptthema der Handlung, das sich unter anderem auch in zahlreichen hochmodernen Technologie-Gadgets in Henrys abgeschiedener, abgeschotteter Luxus-Villa äußert.

Ein spannender Kontrast, der die Genre-Kreuzung von ELIZABETH HARVEST spiegelt: Romantisches Märchen trifft auf dystopische Science Fiction. Schöne Oberfläche auf düstere Seele. Inhaltlich ist das Ganze dabei jedoch nicht ganz so spannend gehalten wie stilistisch – jedenfalls ab ungefähr der Mitte des Films, wenn das zentrale Geheimnis hinter dem zunächst mysteriösen Geschehen gelüftet wird. Im Folgenden warten nur noch einige kleinere, immerhin recht böse Überraschungen auf den Betrachter; ihren Höhepunkt hat die Story klar zu früh erreicht und die Handlung beschäftigt sich danach vorwiegend mit dem wiederholten Erklären dessen, was wir zuvor gesehen haben.

Das mindert die Wirkung des Films beträchtlich – ich vergebe trotzdem sehr knappe 7 Punkte, da mich die Bildkomposition und -gestaltung sowie insbesondere auch der Umgang mit Farbe und Licht doch nachhaltig beeindruckt haben.

staunte im Harmonie, Frankfurt

39 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Elizabeth Harvest
  • Score [BETA]: 56
  • f3a.net: 6.3/10 39
  • IMDb: 5.7/10
  • Rotten Tomatoes: 50%
  • Metacritic: 54/100
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2021-06-14 11:46

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