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Review An Evening with Beverly Luff Linn

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Mach mir den Dupieux
von D.S.

THE GREASY STRANGLER ist eklig, widerlich, vollkommen absurd – und grenzgenial. Eine zeitgemäße John-Waters-Interpretation, die sich für immer in die Erinnerung des Betrachters einbrennt. Keine Ahnung, ob Regisseur Jim Hosking Angst vor der eigenen Courage bekommen hat, aber sein Nachfolgewerk ist im Vergleich erstaunlich brav geraten. Fühlt sich phasenweise glatt wie ein normaler Film an. Hat statt einem brechreizinduzierenden Michael St. Michaels eine wie immer liebreizende Aubrey Plaza (THE LITTLE HOURS) in der Hauptrolle. Hat auch ansonsten mit Emile Hirsch (LONE SURVIVOR) – der hier verdammt an einen jungen Jack Black erinnert – und Jemaine Clement (LEGION) halbwegs Star-Power zu bieten. Hat neben ein paar Fürzen und einmal Dicke-alte-Leute-Sex erstaunlich wenig Extra-Ekliges im Regal. Nähert sich in seinem reduzierter körperlichen, stärker assoziativen Humor-Stil rasant einem Quentin Dupieux an. Sprich, ist schon fast von einer toleranten Arthouse-Crowd und auch von den durchschnittlichen FFF-Besuchern zu goutieren – solange sie zwar ein Herz für grandiose Absurditäten haben, auf zu extreme Hässlichkeits-Exzesse aber lieber verzichten.

Okay, ganz ohne ist auch BEVERLY nicht. Neben den oben genannten Feinheiten sei hier insbesondere das herzhafte Verspeisen einer Portion mit rosafarbenem Käse überbackener Zwiebelringe durch die tragische Co-Hauptfigur Colin (Jemaine Clement mit einer Rotzbremse für die Ewigkeit im Gesicht) erwähnt – sowie natürlich die Auswahl schmerzhaft abseitiger, unfassbar unförmiger 80er-Kleidung, welche die Protagonisten in jeder einzelnen Szene mutig spazieren tragen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Grenzen des Allgemeinverträglichen sprengt BEVERLY trotz allem nach wie vor in einem fort; wer normale Komödien mag, wird den Film trotz allem nach wie vor furchtbar finden und am Verstand aller Beteiligten zweifeln. Helge Schneider oder ein (wesentlich) hässlicherer Dupieux ist hiermit nun aber ein passenderer Vergleich als John Waters – und im Reich des schlechten Geschmacks ist das ein Quantensprung.

Die Hosking-typischen Tourette-Figuren sind auch in BEVERLY vorhanden, die visuelle Jauchegrube ist absolut präsent, das Fehlen jeden offensichtlichen Sinns Ehrensache. Dennoch ist dieser Film deutlich leichter verdaulich als der GREASY STRANGLER – leider aber insgesamt auch nicht over the top genug, um ihn genauso eindrucksvoll zu machen.

Ein Dupieux ist bei aller vordergründig ähnlichen Absurdität nun mal effektiv feingeistiger, ein Hosking dem Wesen nach deutlich gröber... dieses Werk wirkt wie ein Kompromiss aus beidem, und Kompromisse sind selten die beste Wahl. BEVERLY ist höchst hirnschmerzend amüsant. Tritt aber doch zu oft auf die Bremse, um völlig fassungslos zu machen. Was letztlich der einzige Zweck eines solchen Films sein kann. Darum von mir nur 7 Punkte – wahnsinnig, aber nicht wahnsinnig genug.

war im Harmonie, Frankfurt

30 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

An Evening with Beverly Luff Linn
  • Score [BETA]: 45
  • f3a.net: 5.7/10 30
  • IMDb: 5/10
  • Rotten Tomatoes: 27%
  • Metacritic: 47/100
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2021-06-14 09:59

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