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Review Fudoh: The New Generation

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Dieser Review enthält SPOILER!

Kinder an die Macht
von Mirco Hölling

Der Teenager Riki Fudoh ist der Sohn des Paten einer Yakuza-Familie. In jungen Jahren hat der Vater seinen älteren Sohn als Tribut an den damaligen Paten getötet, weil dieser eigenmächtig einen Dealer einer konkurrierenden Familie liquidiert hat und einen Bandenkrieg riskierte. Das Geschehen hat ein Trauma in dem seinerzeit sehr jungen Riki Fudoh hinterlassen und er gründete nun seine eigene Bande: bestehend aus Kindern und Heranwachsenden. Nach und nach liquidiert diese Bande einige Yakuza-Clanchefs, immer den Tarnungsvorteil der unscheinbaren Kinder nutzend. Doch die etablierten Yakuzas setzen sich unerbittlich zur Wehr.

"Fudoh" war Miikes erstes Lebenszeichen Richtung Westen. Viele Menschen waren 1997 begeistert von der Andersartigkeit der Erzählweise und der Originalität und Verrücktheit seiner Ideen. Bei vielen stand der Name Miike fortan auf dem Zettel und hat diesen Platz ob seiner weiteren Filme sicherlich nicht mehr verlassen.

"Fudoh" ist recht nüchtern und kalt erzählt. Auch wenn die Hauptfigur einiges an Leid, Schmerz und Traumata durchmachen musste, hat sich ein scheinbar undurchdringlicher Panzer aus Eiseskälte und Skrupellosigkeit aufgebaut, die ihn vor weiteren Verletzungen schützt. Bis hin zum Finale funktioniert dies auch prächtig. Zwar bleibt völlig im Dunkeln, wieso sich Fudoh so viele Kinder und Teenys anschließen, haben sie doch anscheinend gar keinen materiellen Vorteil. Die Treue seiner Anhänger deutet aber auf Fudohs Charisma und Führungsqualität hin.

Der Reiz liegt natürlich in einer relativ normalen Yakuza-Krieg-Geschichte, nur dass in diesem Fall eine der Parteien zum großen Teil aus Kindern besteht. Die Mordsequenzen an den Clan-Chefs sind daher auch recht eindringlich und teilweise sogar verstörend.

Trotz eines großen Action- und Blutgehalts ist "Fudoh" sehr langsam erzählt. Viele Szenen sind kammerspielartig und auch verbale Kommunikation ist nicht unbedingt die große Stärke der Handelnden. Gespickt ist der Film mit miiketypischen kleinen Gemeinheiten und Wahnsinnsideen, wie z. B. einer Fudoh-Anhängerin, die ihre Gegner mittels eines Vagina-Blasrohrs (!) außer Gefecht setzt. Man muss es sehen, um es zu glauben.

Die Darsteller machen ihre Sache alle sehr ordentlich, wenn auch keiner einen herausragenden Part zu bewältigen hat. Auch die Kameraarbeit ist solide und treffend, jedoch auch eher unauffällig. Der Soundtrack ist zum großen Teil sachlich und diskret. Ausnahme: Spannungs- und Actionsequenzen. Da donnert ein Electronic-Beat-Soundtrack aus den Boxen.

Schon in diesem Film, seinem ersten wirklich populären Werk, behandelt Miike sein Stammthema. Das des Außenseiters und Einzelgängers. Hier werden dann auch die Ursachen des Einzelgängertums beleuchtet. Und wie so häufig in seinen Filmen verbirgt sich hinter den rauhbeinigen und brutalen Solisten eine ausgeprägte Einsamkeit und tiefe Verletzungen. Aber auch schon hier wird dieses eher ernsthafte Thema durch viele ironische Verrücktheiten gebrochen.

"Fudoh" ist mit Sicherheit kein absolutes Meisterwerk, aber ein toller Film, der seinerzeit zu Recht auf viele große Nachzügler dieses sonderbaren Japaners hoffen ließ.

Mirco Hölling (13.12.2002)

14 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Fudoh: The New Generation
  • f3a.net: 6.8/10 14
© Fantasy FilmFest Archiv 2021-09-17 08:08

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