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Review Ride

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Nachts sind alle Irren grau
von D.S.

Nach UNDER THE SILVER LAKE der zweite Film im diesjährigen Programm, in dem LA eine Hauptrolle spielt. RIDE führt uns jedoch nicht durch eine traumfabrikartig bebilderte Stadt der Engel, sondern durch die neonbeschienene, gewaltaffine Alltagsnachtwelt der kalifornischen Metropole. Dabei müsste der Film sich eigentlich RYDE schreiben, denn die derart benamte fiktive Variante von LYFT oder UBER stellt den Dreh- und Angelpunkt der Handlung dar: Wir begleiten den â€×Ryde“-Fahrer James über einen Abend hinweg, der mit einem gewöhnlichen Chauffeur-Auftrag beginnt, jedoch ab einem gewissen Moment in immer bedrohlichere und brutalere Situationen eskaliert. Denn merke: Nicht jeder Fremde, den du bei dir einsteigen lässt, will auch dein Freund sein...

Ein Großteil des Geschehens spielt sich dabei im Inneren von James’ Toyota-Limousine ab. Die Begrenztheit des Raumes macht sich der Film jedoch nie zunutze – die Beklemmung, in einem geschlossenen Metallkonstrukt einen Psychopathen unmittelbar neben sich sitzen zu haben, seinen Atem im Gesicht zu spüren und nicht aus seiner Reichweite kommen zu können, macht er niemals spürbar. Das ist jedoch nicht das einzige Potential, das RIDE verschenkt: Auch, wenn man das Programmheft nicht gelesen hat, weiß man ab der Sekunde seines Auftauchens, dass es sich bei Bruno um einen gefährlichen Soziopathen handelt – sein Verhalten schon beim Erstkontakt mit James sorgt dafür, dass da gar keine Zweifel aufkommen können. Statt von seiner Wandlung zum Irren überrascht werden zu können, warten wir also nur darauf, dass er die zwischenzeitlich zurechtgerückte Maske restlos fallen und uns eine Kostprobe seines echten Wahns spüren lässt. Worauf wir dann auch noch ziemlich lange warten. Und warten. Und warten.

Tatsächlich dauert es bis weit in die zweite Hälfte des Films, bis hier endlich etwas passiert, das RIDE als Genrefilm qualifiziert. Zwar sind die Leistungen der Hauptdarsteller durchweg solide, dennoch ist es spätestens nach einer halben Stunde etwas unbefriedigend, wenn wir nichts anderes geboten bekommen als ihre ausufernden Dialoge über das Leben an sich, das als Schauspieler, das in LA. Okay, ein paar tatsächlich schöne Aufnahmen der Stadt gibt es gratis obendrauf, aber auch das reicht nicht für ein spannendes Filmerlebnis.

Als die Stimmung dann schließlich kippt und Bruno in die Vollen geht, entwickelt RIDE endlich ein wenig Tempo und weckt mehr Interesse, denn der Typ ist wirklich ziemlich durch und scheint keine Hemmungen zu haben, andere zum Opfer seines Zerstörungstriebs zu machen. Die Wirkung seiner Zwangsmaßnahmen wird allerdings dadurch gemindert, dass nicht nur sein Vorgehen irrational wirkt, sondern häufig auch das der Leidtragenden. Sprich, das Verhalten von James und Fahrgast/Love-Interest Jessica lässt sich allzu oft nur als unlogisch und unglaubwürdig bezeichnen.

Dennoch gestaltet sich das Geschehen in der zweiten Filmhälfte relativ unterhaltsam. Bis das Ende kommt. Plötzlich, unmotiviert, beliebig, schwach geschrieben. So entlässt RIDE einen schließlich eher enttäuscht in die Nacht. Tut insgesamt nicht weh, hat aber auch nicht viel Nährwert – 4,5 Punkte.

goutierte im Harmonie, Frankfurt

24 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Ride
  • Score [BETA]: 40
  • f3a.net: 4/10 24
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© Fantasy FilmFest Archiv 2021-06-14 11:30

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