s Bliss (2019) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Bliss

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Reviewer

Lovecraft * 2.5

What the f*cking f*ck?

Bei inspirationsloser Malerin löst ein 24/7-Drogenrausch eine extreme Blutlust aus.

Die Protagonistin ist in jeder Faser restlos unsympathisch, ein Drehbuch eigentlich nicht vorhanden und wenn man sämtliche Flüche aus dem Script streichen würde, würden die Texte auf eine Briefmarke passen. Dazu permanente Stroboskop-Effekte und lärmender Heavy-Metal. Und Splatter als purer Selbstzweck. Toll.

Immerhin eröffnet sich die Möglichkeit eines lustigen Trinkspiels für Wagemutige: Bei jedem "Fuck" oder "Fucking" auf der Tonspur: Hoch die Tassen! Wer dann nicht nach spätestens 40 Minuten tot ist, hat geschummelt.

war im Cinestar, Berlin

Dr_Schaedel S * 5.5

Dieser Review enthält SPOILER!

The Joy of Painting

Nix „happy little clouds“ – BLISS steigert sich von einem zunächst etwas naiv und klischeehaft anmutenden Künstler- und Drogendrama zum beinharten Splatterhorror, wobei nicht immer ganz klar ist, wo die Grenze zwischen Realität und Drogenhalluzination zu ziehen ist.

Tatsache ist, dass die Künstlerin Dezzy (Dora Madison, sogar blutverschmiert sehr appetitlich anzusehen, leider nicht wirklich die ideale Besetzung für die Rolle) in ihrem Atelierloft eine Schaffenskrise hat und sich eine Droge namens „Bliss“ (= Seligkeit) aufschwatzen lässt, die sie nicht nur im Delirium wie wild an ihrem Meisterwerk arbeiten lässt, sondern sie auch in einen wahren Blutrausch versetzt, wann immer sich die Gelegenheit bietet. So wird das anfangs noch gänzlich abstrakte, zarte Gemälde im Laufe des Films praktisch ein visueller Zähler des Bodycounts des Films.

Ein furchtbarer, neosurrealistischer Kitsch übrigens, dieses Bild. Es könnte auch ein CD-Cover der Thrash-Metal-Band KREATOR sein. Und das ist leider symptomatisch für den Film. Er möchte gerne Pop sein. Oder vielmehr Punk oder Metal. Und greift dabei bis zur Fremdscham in die Klischeekiste: von erotischen Männerfantasien bis zum keineswegs kohärenten Künstlerbild, in dem die Künstlerin abwechselnd mondäne Businessfrau und dann wieder abgefucktes Metalchick ist. Der Macher des Film Joe Begos (Buch und Regie) scheint sich selbst nicht einig gewesen zu sein, wie er seine Hauptfigur anlegen soll. Gestern Nacht noch mittellos, dafür Schnaps und Drogen in der Birne, am nächsten Tag schon wieder fit und ausgeschlafen im Cabrio auf den Straßen der Innenstadt unterwegs.

Das ist das Problem: BLISS will viel und verzettelt sich dabei mehr als einmal total. Dabei bleibt leider auch der interessanteste Aspekt auf der Strecke: die religiöse Komponente. Dass die Künstlerin nämlich einem modernen Faust gleich ihre Seele an die Droge verkauft. Künstlerischer Erfolg vs. Verlust der Unschuld. Das ist doch ein Stoff (haha!) für Klassiker.
Man hätte so viel auf dieser Ebene machen können. Die Namen der Drogen „Diablo“ und „Bliss“ sind sicher vielsagend. Die Sucht gleicht einer dämonischen Besessenheit, aus der harmlosen Malerin wird eine mordende Bestie, die sich in ihren lichten Momenten vor sich selbst ängstigt.
Und die titelgebende Seligkeit – naja, sie wird irgendwann auch noch visualisiert, aber so richtig eingebettet wirkt auch das nicht, eher nachgeschoben.

Dieser Film ist selbst wie ein unfertiges Gemälde, eher eine ästhetische Fingerübung, weitgehend zweckfrei. Wie die Pinselstriche auf der Leinwand setzt er Szene an Szene und Bild an Bild. Wirklich erzählen tut er nichts, jedenfalls nichts Weltbewegendes. Geste siegt über Inhalt.
Es ist eine laute, ungestüme Studie, mit Suchbewegungen im popkulturellen Formenkosmos und in dem des Horror- und Underground-Films. Das kann gefallen, muss aber nicht, und vor allem nicht über die (gnädigen) 80 Minuten hinweg. Tat es aber in manchen Momenten zu dieser späten Stunde in einer Vollmondnacht zugegebenermaßen, auch wegen des tollen Soundtracks von Electric Wizard & Co.

Regisseur Begos (Jahrgang 1987) hat da sicher ein recht spätpubertäres Werk abgeliefert, das bei aller Roheit aber über weite Strecken technisch durchaus gekonnt die Sinne auf Trab zu halten weiß. Der production value ist beim trashigen Vorspann noch nicht abzusehen, zeigt sich aber in der Requisite und den durchaus nicht schlecht gemachten Splatterszenen. Fazit: Tolle Bilder und Stimmungen, aber insgesamt unglaubwürdig und auch nicht sehr originell. Weckt Erinnerungen an Gaspar Noés CLIMAX von letztem Jahr, kann mit diesem aber nicht mithalten.

Fazit: Für mich persönlich kein schlechter, weil stilechter Auftakt des FFF 2019, aber einmal reicht.

war im Cinema, München

12 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Bliss
  • Score [BETA]: 77
  • f3a.net: 6.3/10 12
  • IMDb: 6.7/10
  • Rotten Tomatoes: 100%
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-09-19 10:15

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