s Evilenko (2004) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Evilenko

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Reviewer

miltimilti S * 8.0

Dieser Review enthält SPOILER!

Bedrückend

Evilenko ist ein Katz- und Maus- Spiel zwischen einem Kommissar, der sich auch aus privaten Gründen die Überführung des Mörders zum Ziel gesetzt hat, und dem Serienmörder Evilenko, der sich dem geschickt entzieht. Es erinnert an das Schweigen der Lämmer, eingebettet in die Zeit des Kommunismus und des politischen Einflusses, der bei staatstreuem Verhalten ggf. auch mutmaßlichen Killern Unterschlupf bot.
Der Hauptdarsteller ist ein brachial aussehender Mann, der obwohl er rein äußerlich keine feinen Züge hat, doch in der Lage ist, seine Opfer hypnotisch in seinen Bann zu ziehen, sodass sie ihm willenlos folgen. Ein glänzendes Porträt eines Pedanten, der in psychischer Enge lebt und seinem Trieb ausgeliefert ist. Fast ist man manchmal versucht, Verständnis aufzubringen für seine "Notlage" aber am Ende, als er seine über 50 Morde gesteht und diese emotionslos chronologisch auflistet wird dem Zuschauer klar, dass hier Mitleid nur bedingt angebracht ist. Eine hervorragende Schlussmusik unterlegt mit den Bildern der Opfer, die so viele sind, dass sie nur kurz über die Leinwand vorbeiziehen können, ist das erschreckende Ende.
Für mich war das im wahrsten Sinne des Wortes der realste Horrorfilm des Festivals.
Ein bedrückendes Psychogramm, puristisch inszeniert.

verweste im Metropol, Stuttgart

superwidescreen * 8.0

Unheimlich stark!

Die Story ist seit "Citizen X" zwar schon bekannt, aber diese Inszenierung ist absolut sehenswert! Was Schauspieler Roddy McDowell da auf der Leinwand bringt, steht Anthony Hopkins’ Hannibal Lecter in nichts nach - ist vielleicht noch erschreckender! Der Film kommt ohne grosse Ekel- oder Splattereffekte aus, hat eine exzellente Farbdramaturgie und zurückhaltende aber dennoch effektvolle Tonkulisse (in Dolby Digital 5.1). Angelo Badalamentis Filmmusik ist düster und trägt auch ihren Anteil zu der insgesamt beklemmenden Serienkiller-Geschichte bei. Den Film wird man so schnell nicht vergessen!

goutierte im Metropol, Stuttgart

Bobshock * 8.0

One Man Show

Mit diesem ungewöhnlich dichten atmosphärischen Meisterwerk beweist Malcolm McDowell sein schauspielerisches Können eindrucksvoll. Das sollte man gesehen haben - dagegen wirkt Heinz Rühmann wie ein Clown. In quälend langen Einstellungen unterlegt mit großartiger dramatischer Musik verlässt sich David Grieco voll auf seinen Hauptdarsteller um eine beklemmend realistische Darstellung dieses unfassbaren Monstrums zu zeigen. Er überlässt dabei vieles der Fantasie des Zuschauers, den er am Ende sprach- und fassungslos zurücklässt. Stylish, selbstbewusst und technisch auf hohem Niveau: Ein etwas anderer Fim - Ein Genuss für Cineasten!

Eraserhead * 7.5

Grausam weil wahr

Starker Tobak um Mitternacht... Langsam und mit unblutigen, trotzdem erschreckenden Bildern wird hier die Geschichte des Russen-Massenmörders nacherzählt. Die gruseligsten Szenen sind sicherlich die, wenn Dauer-Psychopath Malcom McDowell die Kinder verführt. Das Grauen spielt sich hier im Kopf ab, weil der Zuschauer weiß - das ist alles wirklich passiert. Der Zuschauer ist fassunglos vor Entsetzen und der Film versucht auch gar nicht, einem Erklärungen zu liefern, weil es diese wohl nicht gibt. Guter Film - nur der Termin wohl sehr ungünstig gewählt. Samstag Nacht, da erwartet man doch wohl eher Brain-Sucking-Aliens als so einen Downer.

war im Metropolis, Frankfurt

D.S. * 6.5

Nichts ist grausamer als die Realität.

Andrej Romanowitsch Chikatilo, der "Ripper von Rostow", ging als einer der grausamsten Serienmörder aller Zeiten in die Geschichte ein. Er tötete mehr als 50 Menschen, vor allem Kinder beiderlei Geschlechts, auf bestialische Weise, vergewaltigte sie mit einem Messer, stach ihnen die Augen aus, entfernte ihre Sexualorgane und verzehrte diese des öfteren. Dabei war Chikatilo aber nicht etwa ein tumber Schlächter, sondern, was vielleicht besonders erschreckend ist, ein hochintelligenter, gebildeter Mensch.

"Evilenko" ist nun nach "Citizen X", den ich leider nicht kenne, der zweite Versuch, sich diesem monsterhaften Wesen filmisch zu nähern. Ein sehr freier Versuch, der sich in Teilen meilenweit von den tatsächlichen Daten und Fakten weg bewegt und Geschehnisse in seine Erzählung einbaut, die in der Realität nicht ansatzweise eine Entsprechung finden. Grundsätzlich ist dagegen natürlich nichts einzuwenden, solange es dem filmischen Fluß und/oder dem Verständnis der dargestellten Figur und ihrer Taten weiterhilft. In diesem Fall aber trifft das nicht unbedingt zu, im Gegenteil: je weiter sich der Film von seiner "Vorlage" entfernt, desto schwächer wird er, desto unglaubwürdiger, konstruierter und mitunter alberner wirkt das auf der Leinwand Gezeigte. Insbesondere, was die Arbeit der Ermittler angeht, strickt "Evilenko" sich hier eine fast vollkommen realitätsfreie Geschichte zusammen, die zu Szenen führt, die man nur noch absurd nennen kann. Immerhin sind jene ungesehen und werden vermutlich lange erinnert werden, vor allem, da sie sehr intensiv inszeniert und gespielt sind.

Wirklich problematisch finde ich die "phantasievolle" Herangehensweise des Films aber, wenn es um die Figur und die Taten des Killers geht. "Evilenko" mag zwar durch den Blick in finsterste seelische Abgründe schockieren - geht dabei aber nicht so weit wie die Realität. Knapp gesagt: er verharmlost Chikatilo, so seltsam das auch klingen mag. Einerseits betrifft das die Darstellung seiner Vorgehensweise und seines Umgangs mit den Leichen der Opfer, was vielleicht in erster Linie budgetäre Gründe gehabt haben könnte. Andererseits aber betrifft das die Rekonstruktion seiner (familiären) Hintergründe, seiner Ehe und seines Sexuallebens. Hier läßt der Film den Eindruck entstehen, der Täter sei nach einfachen Schemata zu kategorisieren - und schreibt ihm zudem fast übernatürliche Fähigkeiten zu. Ich kann nur mutmaßen, daß man den Weg dieser extremen Vereinfachung gewählt hat, weil man der Meinung war, die Realität sei vom Publikum zu schwer zu "schlucken", zu schwer vorstellbar und akzeptierbar. Tatsächlich aber ist für mich gerade diese Simplifizierung, die Überbetonung einzelner Merkmale bei völliger Vernachlässigung anderer, Hauptgrund, dem Film seine Geschichte nicht ganz abzukaufen. Hier erscheint einfach einiges zu unrealistisch - und das ist es eben auch tatsächlich.

Nun könnte das schon reichen, um einen solchen Film, der einen großen Teil seines Schreckens nun mal aus seiner realen Vorlage bezieht, als ungeschickt zusammengezimmertes, exploitatives Werk zu disqualifizieren. So verhält es sich dann aber doch nicht, denn der Film hat einige Stärken, die über den fragwürdigen und teils unbeholfenen Umgang mit Realität und Fiktion hinweg trösten können. Zum einen ist hier der großartige, düstere Soundtrack Angelo Badalementis zu nennen. Zum anderen das liebevoll und detailliert konstruierte Setting, das den Betrachter in die Sowjetunion der 80er Jahre hineinversetzen kann (wenn auch einige der ohnehin oft eher hölzernen Dialoge durch den Anschein schlechter Synchronisation hier irritieren). Die größte Stärke des Films aber ist zweifellos Malcom McDowell, der hier die nach "Clockwork Orange" vielleicht beste Leistung seiner Karriere abliefert. Er verkörpert die eher platt in Andrej Evilenko umgetaufte Figur Chikatilos mit beängstigender Intensität, die Bestie in Menschengestalt kauft man ihm jederzeit ab, und seine Ausstrahlung ist dabei tatsächlich finsterer und unergründlicher als jene von Anthony Hopkins’ Hannibal Lecter.

Zusammengenommen ist "Evilenko" ein durchaus sehenswerter, packender, morbide faszinierender Film - der es mit dem Grauen der Realität jedoch nicht ganz aufnehmen kann und ein paar zu simple Erklärungsmuster konstruiert. Fast schon ärgerlich simple - deshalb von mir nur 6,5 Punkte.

PS: Für alle, die am realen Fall interessiert sind:
http://www.crimelibrary.com/serial_killers/notorious/chikatilo/coat_1.html

war im Metropolis, Frankfurt

11 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Evilenko
  • f3a.net: 7.3/10 11
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-09-19 04:50

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