s First Love (2019) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews First Love

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Reviewer

D.S. * 7.5

Takashi Miike zum neu Verlieben

Ich bin für gewöhnlich nicht der größte Fan von Takashi Miikes Filmen. Kann gar nicht mal genau sagen, warum – zu oft zu viel Leerlauf in der Handlung, zu unsympathische Charaktere, nicht mein Humor? FIRST LOVE aber hat mich fast direkt ins Herz getroffen: Eine nahegehende, dabei aber nicht eine Sekunde lang kitschige Geschichte zweier Verlierer, die im größtmöglichen, brutalstmöglichen Chaos zueinander finden und vor allen Dingen eine grandios komisch inszenierte Geschichte von Kapitalverbrechen, Pleiten, Pech und Pannen, die sich an sogenannter Gangsterehre abarbeitet und all die harten Typen der wunderbar unterhaltsamen Lächerlichkeit preisgibt. Die ultimative postmoderne Dekonstruktion des Yakuza-Thrillers; zwar temporeich, energiegeladen, blutrünstig – gleichzeitig aber charmant, witzig, ironietriefend ohne Ende.

Tatsächlich erinnert FIRST LOVE vor allem im Mittelteil eher an einen Film von Sabu als einen von Miike: wie hier durch Missverständnisse und Slapstick-artige Fehler einzelner Charaktere Chaos-Kettenreaktionen ausgelöst werden, kann unterhaltsamer – und leichtherziger – kaum auf die Leinwand gebracht werden. Man nehme dazu noch einige (dann wieder Miike-typisch) überzeichnete Figuren, die sich frohen Mutes in die teils buchstäblich rauschhafte Albernheit chargieren, und es bleibt kein Auge mehr trocken.

Die Handlung bietet dabei eigentlich nicht viel mehr als eine „Gangster beklauen Gangster“-Geschichte, gespickt mit dummen Zufällen und versehentlich involvierten Zivilisten. Das mündet aber am Ende in einem derart grandios zelebrierten Jeder-gegen-jeden-Showdown, so vielen herzerwärmenden Wahnwitz-Dialogen (und Mord-und-Totschlagsvarianten!) und ist so meisterhaft choreografiert, dass man nonstop blendend unterhalten wird.

Lässt sich weiß Gott nicht von jedem Miike-Film sagen, und wenn FIRST LOVE manchem Zuschauer auch ein wenig zu simpel gestrickt, zu albern, zu fröhlich, zu schwach auf der Brust erscheinen mag: Ich habe mich köstlich amüsiert. 7,5 Punkte.

goutierte im Harmonie, Frankfurt

Leimbacher-Mario * 7.0

Wahnsinn mit angezogener Handbremse

Eigentlich wollte ich einen kleinen „Liebesbrief“ an den Vielfilmer Takashi Miike verfassen, der gefühlt Filme dreht, wie ich Kritiken schreibe. Doch dazu hätte mich sein neuester und weit über 100. (!) Streich mehr wegblasen müssen. Genug unglaublich schöne Stunden und verrückte Abenteuer hat er mir schon bereitet, den Brief bekommt er ohne Frage noch, doch „First Love“ wäre nicht der richtige Anlass, hat das nicht ganz verdient. Nicht falsch verstehen: auch das ist ein netter, fein romantischer Gangster-Action-Maniac, unberechenbar und klasse. Kritik und Enttäuschung kann es hier nur auf hohem Niveau geben, Miike hat sicher schon viele schlechtere Werke abgeliefert. Nur leider auch viele bessere... Handlung: Ein todkranker Boxer und eine drogenabhängige Prostituierte treffen sich zufällig und werden in einen unerbittlichen Bandenkrieg hineingezogen.

Der Kern von „First Love“ und wortwörtlich das Herz des Films liegt in der Beziehung und Annäherung der beiden ruhigen, sympathischen Hauptfiguren. Das ist glaubhaft, das ist ansehnlich, beide mag man, beiden gönnt man das. Und dadurch verzeiht man auch die anfangs überraschend behäbige Geschwindigkeit, erst recht für einen Miike. Mit einem furiosen Finale u. a. im Baumarkt, in dem alle Fronten gesprengt und viele Register gezogen werden, wird man für die Wartezeit zudem auch noch etwas entschädigt. Der einarmige Samurai ist z. B. ein echter Schmankerl, auch eine völlig durchgeknallte, dauerschreiende Yakuza-Dame und eine eingestreute Animationssequenz völlig aus dem Nichts ebenso. Doch ich komme nicht drumrum: irgendwie mutet das wie (sehr solider) Dienst nach Vorschrift an. Doch muss man (zu hohe) Erwartungen wirklich in die Wertung eines Films einfließen lassen? Eher nein. Denn ein zahmer Miike ist immer noch ein wilder Film und normale Bewertungskriterien und Maßstäbe sind bei ihm ja nicht auf einmal ausgesetzt. „First Love“ hat überraschend emotionale Momente, ein paar explosive dazu und eine es sich sehr einfach machende aber angenehme Auflösung. Ein Einsteiger-Miike.

Fazit: Eine süße Lovestory, aber zu wenig Gas. Nicht nur für Miike-Verhältnisse. Die ersten zwei Drittel werden fast verschlafen, das Finale haut immerhin nochmal einiges raus. Enttäuschung auf hohem Niveau. Manchmal merkt man bei Miike eben doch Quantität über Qualität... Hier fehlt das letzte Quäntchen deutlich.

war im Residenz, Köln

Herr_Kees * 6.5

„The most important thing is humanity“

Miikes Einhundertdritter hat für seine Verhältnisse eine vergleichsweise konventionelle, wenn auch gut konstruierte Story: FIRST LOVE ist ein Gangsterthriller, der durch einige Komplikationen zunehmend komplexer wird und immer mehr Personal involviert, bis am Schluss alle Parteien zu einem blutigen und rasanten Showdown aufeinandertreffen.

Die für den Regisseur berüchtigten Schockeffekte sucht man hier vergebens, nur einmal fällt der Film überraschend aus dem Rahmen, als für einen aufwändigen Stunt wohl kein Budget vorhanden war und die Situation stattdessen hübsch kreativ gelöst wurde – mehr solcher Sequenzen hätten dem Film gutgetan.

Nichtsdestotrotz ein kurzweiliger Boxer-vs-Yakuza-vs-Triaden-vs-Cops-Actionthriller. Es kann ja nicht immer ein neuer FUDOH, AUDITION oder ICHI rausspringen.

war im Metropol, Stuttgart

37 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

First Love
  • Score [BETA]: 81
  • f3a.net: 7.4/10 37
  • IMDb: 7.4/10
  • Rotten Tomatoes: 100%
  • Metacritic: 77/100
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-12-08 16:15

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