s I See You (2019) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews I See You

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Reviewer

cthulhu314 * 4.0

Nix für Logikfanatiker

Tja, wie schreibt man einen spoilerfreien Verriss, wenn man sich eigentlich nur an der inhaltlichen Logik stört? Ich versuch's mal so: Spannung? Check. Inszenierung? Check. Story? Zuviel gewollt. Logik? Würg.

Wer eher oberflächlich mitanalysiert bzw. mit konstruiertem Storyverlauf und Logiklücken leben kann, sollte den nicht verpassen. Es gab viel Applaus und beim Verlassen des Kinos hörte ich überwiegend gute bis begeisterte Kommentare um mich herum. Insofern hätte ich es auch einfach bei einer miesen Bewertung lassen können. Zugegebenerweise werden die Schwächen ganz ordentlich kaschiert. Aber die Diskrepanz zwischen Inhalt und Inszenierung ist so groß, dass ich für alle Logikfanatiker wie mich eine Warnung aussprechen möchte: Ihr werdet den Film hassen. Aber wie gesagt, ich war da heute eindeutig in der Minderheit. Im Zweifel halt drauf ankommen lassen und sich selbst eine Meinung bilden.

staunte im Cinestar, Berlin

Herr_Kees * 8.0

„Do you know what ph****ing is?“

Der Film sei schwer vermarktbar, hieß es, weil etwas über den Inhalt zu verraten einem Spoiler gleichkäme. Da ist was dran und das ist wohl die Crux eines cleveren Drehbuchs.

I SEE YOU spielt von Anfang an mit unseren Genre-Erwartungen, setzt durch Andeutungen, vor allem aber Auslassungen ein Kopfkino in Gang, das parallel zum Film auf der Leinwand abläuft und doch immer wieder in die Irre geführt wird. Was sehen wir in I SEE YOU: einen Spukfilm, einen Ermittlungsthriller oder beides?

Nach etwa der Hälfte des Films bringt ein ***SPOILER***Perspektivwechsel mehr Klarheit. Nur, um uns gleich darauf mit Twist um Twist wiederholt den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Manch einem mag die Geschichte im Nachhinein zu konstruiert erscheinen – aber war sie das in THE USUAL SUSPECTS nicht auch?

glotzte im Metropol, Stuttgart

Leimbacher-Mario * 8.0

Doppelter Dachboden

„I See You“ braucht keine echte Inhaltsangabe. Es geht um einen Polizisten und seine Familie, in deren Stadt ein Kind spurlos verschwindet und in deren Haus, neben all möglichen Vertrauensbrüchen und Streitigkeiten, mysteriöse Dinge vor sich gehen. Mehr sagt man nicht, mehr braucht man nicht. Denn „I See You“ entwickelt gerade aus der Unwissenheit und niedrigen Erwartungen einen derartigen Sog von Wendungen, von Interesse, von offenen Fragen, dass man dem Regisseur und noch mehr dem Drehbuchautor nur gratulieren kann. Und das obwohl Jungregisseur Adam Randall mit „iBoy“ (noch in Ordnung) und „Level Up“ (sehr schwach) bisher kein bisschen auf diesem Niveau abgeliefert hat. Das nenne ich mal Regie-Rebound!

„I See You“ ist ein in jeder Sekunde fesselnder Thriller über Sünden, Geheimnisse und Betrachtungswinkel, Schuld und Busse, Sichtbares und Unsichtbares, Licht und Schatten, Reichtum und Armut. Verschachtelt aber immer verständlich, komplex aber immer klar, clever aber nie hochnäsig oder arrogant oder zu verkopft. Eigentlich der perfekte Film, den Netflix aufkauft und der dann leider und völlig zu Unrecht in deren riesigen, überschwemmten Katalog untergeht. Ihn auf dem Fantasy Filmfest auf großer Leinwand und als einer der Ersten gesehen zu haben, ist dennoch eine Erfahrung, die ich nicht missen will. Eine der absolut positiven Überraschungen des Jahrgangs! Schön, Helen Hunt mal wieder zu sehen, selbst wenn ihr Gesicht unangenehm gemacht aussieht. Schön auch, dass man sich in Regisseuren noch höllisch vertun kann. Oder ist „I See You“ eine Alltagsfliege bzw. ein Glückstreffer, bei dem das geniale Drehbuch eine mittelmäßige Regie übertüncht?! Wer weiß. Ist auch erstmal egal. Denn „I See You“ ist eine perfide Rätselbox voller Spannung, Variationen und schwankenden Sympathien, dass man mit sich gespielt fühlt, ohne sich dabei benutzt vorzukommen und ohne vorgeführt worden zu sein. Selbst wenn man hier und da die filmische Logik, einige etwas überhastete Twists und Zufälle hinterfragen kann. Nochmal ansehen werde ich ihn mir mit Sicherheit und ich bin gespannt, ob er seine Brillanz, seinen Pump und seine Faszination behält.

Fazit: Furioser Fintenleger und ein top Thrillertipp. Umso weniger man weiß, desto besser. Rund, spannend, überraschend und höchst kurzweilig. Für mich nahe an einem Volltreffer. Unterhaltung vom Feinsten.

war im Residenz, Köln

Alexander * 9.0

Knapp an der Genialität vorbeigeschrammt

Das größte Geschenk, das es für mich auf einem Fantasy Filmfest zu entdecken gibt, sind Filme, die ihr Geheimnis in so vielen, ineinander verschachtelten Erzählebenen verhüllen, dass man glaubt, den wahren Kern der Geschichte niemals ergründen zu können. Und genau so einen hingebungsvollen, faszinierenden Mystery-Thrill schenkt uns in diesem Jahr der Film „I See You“.

Ein Film, der mit einer Vielzahl von sowohl audiovisuell überraschenden Momenten, fein ausgearbeiteten Charakteren, als auch cleverem Storytelling und dem gezielten Einsatz von einem nahezu berauschend gut eingesetzten und stellenweise wirklich unheimlichen Music-Score eine Atmosphäre von so dicht ineinander verwobenen Fährten legt, dass es auch dem geübtesten Cineasten und Genrefan schwer fällt, Schritt zu halten.

All dies ist „I See You“, der vielleicht beeindruckendste Mystery-Thriller des Jahres. Wow. Es macht wirklich unendlichen Spaß, in diesem Film herauszufinden, was da eigentlich grade auf der Leinwand abgeht. Man ist nahezu zwangsweise versucht, Parallelen zu vermeintlich verwandten Geisterhaus- oder Crimethrillern zu ziehen, die letzten Endes aber alle in die Sackgasse führen sollen.

„I See You“ hält die Spannungslatte so hoch, dass man sich über die gesamte Spielzeit gefesselt im Kinosessel schwitzend fragt, was verdammt noch mal in dieser Geschichte nicht stimmen mag. Die Cleverness, wie hier eine Geschichte von hinten aufgerollt wird, sucht wirklich ihresgleichen***SPOILER***, und der Twist, einen Film urplötzlich aus einer komplett anderen Perspektive zu erzählen und damit alles bisher Gesehene quasi auf den Kopf zu stellen, beeindruckt.

Das ist hochspannendes Kino für den Kopf und nebenbei hatte ich seit Jahren keine solche Angst mehr bei einem Film. Hier werden so ziemlich alle Knöpfe des Genrekinos zeitgleich gedrückt um den Zuschauer nachhaltig zu beeindrucken.

Als einzigen, vielleicht aber auch nicht ganz objektiven, Wermutstropfen könnte man sagen, dass der Film auf halber Strecke über seine eigene Genialität stolpert und sich durch seine verschwurbelte Erzählweise im letzten Drittel ein Stück weit selbst demontiert, wenn er sein eigentliches „Geheimnis“ offenbart und das zuvor detailreich aufgebaute Konstrukt wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen läßt.

Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, auch wenn ich es schade finde, hier erneut keine 10 Sterne vergeben zu können, die ich nach den ersten 45 Minuten noch grell funkelnd glänzen sah. Trotzdem eine echte Empfehlung und ein absolutes Highlight in diesem Jahr.

glotzte im Harmonie, Frankfurt

D.S. * 8.0

Eine Frage der Perspektive

Ich gebe zu, ich war unvorbereitet. Ich hatte zuvor nichts über I SEE YOU gelesen, nichts davon gehört. Der Idealzustand für die Sichtung dieses Films. Denn so konnte ich ohne jede Erwartungshaltung überwältigt werden – von stapelweise feinen Twists und Turns und intelligentem Storytelling auf hohem technischen Niveau.

Vor dem Screening wurden wir in Frankfurt bereits durch eine Roadshow des aktuellen Programms von Capelight angefixt, dann folgte dieses zunächst so schlicht und Standard-Thriller-artig daherkommende, sich bald aber als kleines Meisterwerk entpuppende Verwirrspiel – das nachdrücklich belegt, welchen Wert ein gutes Editing hat, und dass Film eben nicht bloß „Theater mit Special Effects“ ist. Es geht um die Erzählweise. Perspektiven. Finten. Falsche Fährten.

...und mehr kann man kaum verraten, ohne zu spoilern, was hier eine echte Schande wäre. Denn I SEE YOU lebt von dem, was er im Kopf des Betrachters anstellt, bevor jener die Wahrheit erfährt. Oder das, was der Film ihm als Wahrheit präsentiert... bevor er nochmal eine andere Route einschlägt. Und nochmal.

Dabei ist aber nicht nur das Drehbuch extrem clever geraten, auch die Kameraarbeit ist herausragend. Das Sounddesign. Und die Masken-/Make-up-FX, für die übrigens kein Geringerer als Alan Tuskes verantwortlich zeichnet (FX-Mastermind hinter YOU‘RE NEXT und dem Menschen-Walross in TUSK).

Was anfängt wie eine Kreuzung aus herkömmlichem Entführungsthriller und übernatürlich anmutenden Ereignissen, offenbart sich als viel, viel mehr – und es offenbart sich dabei Schritt für Schritt, durch cleveres Storytelling und Editing. Man kann kaum anders als den Hut vor allen Beteiligten zu ziehen. Mehr Überraschung geht kaum, mehr Zurückgenommenheit dabei auch nicht.

Für mich einer der smartesten Thriller seit Jahren. Highlight beim FFF 2019 und glatt 8 Punkte wert. Aber das ist, natürlich – eine Frage der Perspektive...

war im Harmonie, Frankfurt

21 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

I See You
  • Score [BETA]: 68
  • f3a.net: 7.6/10 21
  • IMDb: 6.2/10
  • Rotten Tomatoes: 67%
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-09-19 10:17

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