s Jug Face (2013) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Jug Face

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Reviewer

Jimmyjohnjamesmyer S * 8.0

Dieser Review enthält SPOILER!

Mein Krug der hat ne Fresse, ne Fresse hat mein Krug

"Jug Head" ist eine kleine Überraschung. Wo man eine altbekannte Geister/Possession-Story erwartet, stehen Charaktere, Stimmung, Setting und eine extrem nüchterne Darstellung obskurer Riten im Vordergrund. Der Trailer vermittelt ein ziemliches Low-Budget-Feeling, das im Film aber eher staunen lässt, wie man mit guten Schauspielern und passendem Setting auch mit wenig Geld einen dichten und überzeugenden Film abliefern kann.
Grundsätzlich geht es um Ada, die in einer Hillbilly-Gemeinde im Wald lebt, die eine seltsame Grube bzw. das, was in ihr wohnt, verehrt. Die Grube heilt ihre Anhänger und macht, was Supergruben und Götter halt so tun... heilen, Probleme lösen und für gute Laune und volle Moonshine-Krüge sorgen. Da aber nichts im Leben umsonst ist, müssen die Hillbillies dummerweise hier und da mal einen der ihren für die Grube entleiben. Ausgewählt wird dieser durch einen Töpfer, der besessen vom Geist der Grube Krüge mit Gesichtern des unglücklichen Opfers töpfert, das dann die Blubbergrube rot färben darf.

Soweit machen das auch alle mit, denn "The pit wants what the pit wants"... so lange, bis Ada einen Krug mit ihrem Gesicht aus dem Ofen zieht und das so gar nicht akzeptieren will. Erwartungsgemäß findet das der Grubengott wenig lustig und drückt seinen Unmut durch Strafen an den Hillbillies aus, deren eh schon dünne Zivilisationsdecke dann mal schnell ganz wegbröselt.

Das bedrückende an "Jug Face" ist weniger das Monster in der Grube (das durchaus auch mal herbe Sauereien hinterlässt) als vielmehr die archaische Darstellung der Bräuche in der Gemeinschaft. Da Ada zwangsverheiratet werden soll und vorher fröhlich mit einem Blutsverwandten die Büsche zum Wackeln gebracht hat, ist die Stimmung da ganz schnell im Eimer ... Ada bekommt auf die Mütze und muss fliehen. Besonders gruselig ist ihre Mutter, die rabiat für Ordnung sorgt und regelmäßig penibel prüft, ob in Adas Schritt noch alles fabrikneu ist sowie ihr Großvater, der offensichtlich von allen vergessen in einem Wohnwagen vor sich hin vegetiert.

Über weite Strecken ähnelt das Ganze mehr einer dreckigen und weniger charmanten Version von "Beasts of the Southern Wild" als der erwarteten Geistergeschichte, besonders wegen der seltsamen Selbstverständlichkeit, mit der alles dargestellt wird. Das Ganze ist bis zum bitteren Ende knochentrocken und bis auf ein bisschen Trommelgeschlage ohne großes Musikbrimborium erzählt und dabei doch auf seltsame Art hypnotisierend.
Definitiv ein Indie-Film mit eigener Note, der vor allem auch Freunden der Lucky-McKee-Filme gefallen könnte. Bis auf den etwas kitschigen Geisterjungen, bei dem das knappe Budget dann an den Special-FX offensichtlich wird, gibt es an "Jug Face" wenig zu kritisieren.

moritzleroy * 9.0

sehr schön

Sehr feine, humorvolle Produktion.
Neben Larry Fessenden wirken die meisten Schauspieler etwas un-hinterwäldlerisch, aber die beiden Hauptrollen sind sehr schön besetzt.
Wenn ich etwas vermisst habe, dann eine Einführung in den Ort des Geschehens, es bleibt bei einzelnen Behausungen im Wald, der Blick aufs Ganze fehlte mir.
Aber die Grundidee mit dem menschenfressenden Loch im Wald ist einfach so ironisch und schlau und verstrahlt komisch, dass solche Kleinigkeiten nicht ins Gewicht fallen.
Für mich eine Perle.

goutierte im Cinemaxx 8, Hamburg

Fex * 6.0

Moonshine macht die Birne weich

Hinterwäldlerkult in Tennessee um ein Erdloch im Boden mit dreckigem Wasser und mit magischen Kräften. Der viele Konsum von hartem Selbstgebrannten erklärt hier vielleicht so einiges. Alles zwar sehr straight gespielt und atmosphärisch inszeniert, trotz der abstrusen Story, die zusätzlich noch mit Geisterelementen angereichert wird. Dass der Film nicht sehr teuer war sieht man ihm zwar an, dafür werden die Drehorte gut genutzt und die Schauspieler sind allesamt ganz o.k. Die vereinzelten Splattereffekte sind jedoch schlecht, man sieht - bis auf zwei Schnitte - eigentlich immer nur unscharfen und verwackelten roten Matsch. Wie hier Robert Kurtzman zu den Credits kam, erschließt sich mir nicht. Der Film wirkt dadurch irgendwie recht halbgar, trotz der guten Ansätze.

saß im Cinemaxx 7, Berlin

Lovecraft * 5.5

"Jug Face" ist, vorab erst mal, einer der interessanteren Filme des diesjährigen Jahrgangs. Die Story um die White-Trash-Kommune mit ihrem dämonischen Wünschelbrunnen und den Tonköppen ist mal wirklich erfreulich originell. Hauptdarstellerin Lauren Ashley Carter spielt sich die Seele aus dem Leib und trägt den Film problemlos auf ihren fragilen Schultern. Auch wird das Leben der Hillbilly-Gemeinde atmosphärisch-derb dargestellt.

Woran liegt es jetzt, dass bei mir doch ein letztlich zwiespältiger Eindruck entstanden ist? Aus meiner Sicht hätte man aus der interessanten Grundkonstruktion noch viel mehr machen können, stattdessen bleibt das Drehbuch in (guten) Ansätzen stecken. Und dann, und das ist jetzt völlig subjektiv, ist mir das Ende des Films schlichtweg quer im Hals stecken geblieben. Das mag jetzt etwas unfair sein, steigert meine Bereitschaft zur höheren Punktevergabe aber nicht, sorry. Da rettet auch der umwerfende Auftritt von Sean Young als Mutter der Protagonistin (auch optisch sehr passend gewählt) nichts mehr. Chance vertan!

war im Cinemaxx 7, Berlin

Rostnagel * 2.5

Mies, mieser, Jug Face

In Jug Face geht es um eine böse Pfütze die, wenn sie nicht regelmäßig mit dem Blut der durch einen modellierten Tontopf auserwählten Personen versorgt wird, den Menschen eines kleinen Kaffs böse Krankheiten bringt oder diese gleich zerfleischt. Klingt dämlich, ist es auch. Lahme Schauspieler, ganz miese Effekte und eine Story, die sich eigentlich kaum so schimpfen darf, machen diesen Film in meinen Augen zu einer völligen Zeitverschwendung. Lieber die Zeit sinnvoll nutzen und den parallel zu Jug Face laufenden Film sehen (eigentlich egal welcher, es kann nur besser werden) oder mal ne Pause einlegen.

glotzte im Cinestar 3, Berlin

Herr_Kees * 5.0

Wer andern eine Grube gräbt

Ungewöhnlicher, aber harmloser "Kult"-Film, der aus seiner interessanten Prämisse außer ein wenig konventioneller Religionskritik leider zu wenig macht.

Ein ähnliches Konstrukt haben wir in Shyamalans THE VILLAGE schon überzeugender, einfallsreicher und fesselnder gesehen.

war im Metropol 1, Stuttgart

Takealittlesin * 2.0

Oh my god - was war das denn?
Also wir suchen uns jetzt alle einen Tümpel im Wald und beten an.
Denn dort unten wartet irgendein Ding, das uns holen kommt, wenn wir vom rechten Weg abweichen.
Also Leute keinen Sex mit euren Geschwistern, auch wenn der Bruder noch so geil aussieht.
Bin heute gut drauf - deswegen 2 Sterne.

saß im Cinecitta' 4, Nürnberg

D.S. * 5.5

Die falschen Drogen

JUG FACE ist ein ungeheuer ernsthaftes, dem Betrachter ungeheuer nahegehendes Drama um das Menschenbild einer Hinterwäldlersekte oder auch, im übertragenen Sinne, aller organisierten Religionen. Der Film ist fantastisch gespielt, insbesondere Lauren Ashley Carter (vielleicht manchen bekannt aus THE WOMAN) spielt in der Hauptrolle so überzeugend, dass man sie keine Sekunde lang als bloße Darstellerin wahrnimmt. Der Handlungsverlauf ist äußerst schmerzhaft und bedrückend - hier kommt niemand mit heiler Haut raus und es gibt nichts, was zu einem milden Urteil über das Gezeigte und seine Konsequenzen führen könnte: Ein deprimierendes Sozialdrama über die Opfer einer hierarchischen, glaubensgetriebenen und empathiefreien Kultur, wie man es selten so intensiv erlebt.

Dann aber ist da noch die andere Handlungsebene des Films. In der es um einen menschenfressenden Brunnen (na ja, eigentlich eher eine Pfütze) und um visionsgetriebenes Töpferhandwerk geht, welches die nächsten Opfer des blutgierigen Erdlochs bestimmt.
Ja nee, ist klar. Täter, Opfer, Repressionsstrukturen und der tödliche Tümpel: Welche Drogen haben die Drehbuchautoren hier bitte gefressen? Wie soll das zusammengehen? Wie soll man die Ernsthaftigkeit von Geschehen und Aussage würdigen, während man sich ob lauter Trash-Albernheit permanent an den Kopf haut?

Das führt zu der leider extrem deutlich immanenten Frage, wie wichtig dem Film sein auf den ersten Blick klares Anliegen wirklich ist. Ich gehe an dieser Stelle mal davon aus, dass die verantwortlichen Produzenten ob des wahrlich schweren Themas irgendwann Muffensausen bekommen und darauf bestanden haben, einen publikumsförderlichen Aspekt einzubauen. Blutgeiler Brunnen? Klingt ja nicht falsch, gab’s auch noch nicht, nehmen wir.

Dass dieser die Story leider ins Lächerliche zieht, ist trauriger Fakt. Der auch nicht durch die raren, kaum der Erwähnung werten Gore-Effekte abgemildert wird - dass Robert Kurtzman dafür als verantwortlicher Make-up-Effekt-Produzent seinen Namen hergegeben hat, ist mehr als überraschend.

So erleben wir bei JUG FACE einen enormen Kontrast zwischen gelungenem filmischen Handwerk, tollen Darstellerleistungen, dichter, mich irgendwie stark an BLACK SNAKE MOAN erinnernder Atmosphäre einerseits - und hochgradig trashigem, unfreiwillig komischem Set-up andererseits, das den Film einen Großteil seiner Glaubwürdigkeit und Kraft kostet. Überzeugend ist er deshalb nur in mancher Hinsicht. In anderer eher lachhaft.

Von mir gibt’s darum nur 5,5 Punkte. Beeindruckend ist JUG FACE dennoch - allein schon wegen der Leistung von Lauren Ashley Carter. Und wäre ohne die falschen Drogen, mit mehr Vertrauen in seine zu vermittelnde Aussage ganz sicher noch wesentlich beeindruckender geworden.

goutierte im Metropolis 9, Frankfurt

Alexander * 7.0

Das seltsame Verhalten von Hinterwäldlern zur Paarungszeit

„Sag mal... sind die in dem Film eigentlich alle total bekloppt?" ... fragte die Dame, mit der ich mir diesen sympathischen Schwachsinn ansehen durfte. Antwort: Irgendwie schon, ja. Aber ich mochte den Film. Mit wirklich einfachsten Mitteln wird hier eine recht eindringliche Geschichte erzählt (die Produktionskosten dürften bei $ 20,- gelegen haben, plus vielleicht den Spaten, um das Erdloch auszuheben). Der Film macht nicht den Fehler, eine simple Idee auf unerträgliche Länge aufzublähen, und unterhält in seinen kurzen 80 Minuten famos. Zusammenfassend könnte man sagen: „Loch in Erden, Blut darin, alle plemplem, alle hin!". Herrlich.

48 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Jug Face
  • Score [BETA]: 61
  • f3a.net: 5.1/10 48
  • IMDb: 5.3/10
  • Rotten Tomatoes: 82%
  • Metacritic: 58/100
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-10-31 05:42

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