s Metalhead (2013) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Metalhead

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Reviewer

Thassa * 8.5

Blow Your Trumpets Hera

Als Hera zwölf Jahre alt ist, stirbt ihr Bruder durch einen Mähdrescherunfall. Der Rest der Familie, der aus Hera und ihren Eltern besteht, muss eine schwere Zeit durchstehen. Hera versucht den Verlust ihres Bruders mit Hilfe von dessen Vorliebe für gitarrenlastige Musik zu bewältigen, zieht daher fortan dessen Lederjacke an und fängt an, auf seiner E-Gitarre Riffs zu üben. Ihrer Trauer und ihrem Wut scheint sie mit Heavy Metal-Musik Ausdruck verleihen zu können. Kurz darauf macht der Film einen Sprung und Hera ist inzwischen eine junge Frau - mit ihrer persönlichen Rebellion ist allerdings lange noch nicht Schluss...

Ob Island nun im geographischen Sinn zu Skandinavien gehört, sei einmal dahingestellt, von filmtechnischer Seite aus gesehen reiht sich Metalhead jedenfalls in die skandinavischen Produktionen der letzten Jahre ein. Sehr trüb und verwaschen sind die Farben, die grandios die Tristesse des Umfelds von Hera zeichnen. Der Film nimmt sich (trotz einiger trocken-komischer Momente) stets ernst, und das tut ihm gut (!), da seine Figuren und Personenkonstellationen niemals ins Klischeehafte driften, sondern immer real, fast schon dokumentarisch wirken. Trotz des Zeitsprungs nach ca. 10min handelt es sich bei dem Film um einen Coming Of Age-Film, denn der Selbstfindungstrip der erwachsen gewordenen Protagonistin ist noch mitten im Gange. Dort, wo ein Heavy Metal-Hörer als Bürgerschreck seine Umwelt provozieren kann, zelebriert Hera ihr Rebellendasein auf eine Weise, die den Zuschauer teils melancholisch und rührselig stimmt, ihn aber auch stets wieder vermag aufzubauen. Keine Autoritätsfigur, sei es die Familie, sei es der Arbeitgeber, sei es die Kirche, bleibt verschont, und doch versucht letztendlich nur ein gebrochener Mensch seinen Platz im Leben zu finden.

Neben der der Regie- und Kameraarbeit, an der es nichts auszusetzen gibt, sind es vor allem die stets mindestens guten Darsteller, aus denen die Hauptdarstellerin heraus sticht, die es möglich machen, dass "Metalhead" so gut funktioniert. Schade ist es, dass das Verhältnis von Hera und ihrem Bruder nicht weiter bebildert wird - hier hätte man sicherlich noch mehr an Wirkung erzielen können, wenn es um die Beziehung der beiden geht. Zudem hätte man solche Szenen dazu nutzen können, den Film mit etwas mehr Gitarrenmusik zu garnieren, denn für einen Film der "Metalhead" heißt, bietet der Film gar nicht mal so viel Musik - obgleich es ihm ja sowieso eher um die leisen zwischenmenschlichen Töne geht, als um die lauten, die aus den Verstärkern dröhnen.

An der durch und durch sympathischen Produktion an sich gibt es also wenig bis gar nichts auszusetzen und man kann dem Text des Programmheftes eigentlich in allen Aussagen nur zustimmen. Ob der Film allerdings dem Publikum des Fantasy Filmfests munden wird, ist eine sehr fragwürdige Sache. Wer auf der Suche nach den (früheren?) Programmpfeilern Horror, Action oder Thriller ist, wird hier nichts dergleichen finden. Daher wird es auch ein bisschen verständlicher, warum als Vorfilm das Behemoth-Musikvideo "Blow Your Trumpets Gabriel" läuft, dieses Video ist nämlich nicht nur als Einstimmung für Schwermetaller da, es ist auch näher an Action, Horror und Thriller, als der Hauptfilm selbst.

Mir ist "Metalhead" allemal 08.5 / 10.0 wert. Wer jedoch etwas gegen gefühlsbetonte Außenseiterdramen oder (allgemein) Menschen mit schwarzen Lederjacken hat, sollte um "Metalhead" einen großen Bogen machen.

D.S. * 6.5

Am I evil?

Vor dem METALHEAD kommt der BEHEMOTH: Dem Feature vorangestellt ist ein düsterer s/w-Clip jener polnischen Blackened-Death-Metal-Band, der hinsichtlich des musikalischen Gehalts der isländischen Produktion ein Stück weit auf eine falsche Fährte führt – genau wie das Filmposter, das ein stylisches Corpsepaint-Foto zeigt. Der Großteil des Soundtracks besteht jedoch aus denkbar klassischem Heavy Metal Marke Judas Priest und Diamond Head; den mit dem skandinavischen Kontext sinnfällig zu assoziierenden Black Metal gibt es nur in drei Szenen kurz zu hören, daneben wird – etwas ausführlicher – ein Melodic-Death-Metal-Stück vorgestellt. Das an dieser Stelle reichlich unpassend wirkt, aber dazu gleich mehr.

Den Großteil des "normalen" Publikums wird es zwar vermutlich freuen, dass die musikalische Untermalung über die meiste Zeit hinweg auf einem allgemeinverträglichen Niveau bleibt. Die im Poster angelegte "Irreführung" ist allerdings schon ein Zeichen dafür, dass es METALHEAD mit seinen musikalischen Details nicht immer so genau nimmt – auch wenn er unter anderem durch diverse Dialoge eben gerade so tut, als wisse er bestens Bescheid. Was man von einem Film ja eigentlich auch sollte erwarten können, in dem ausgerechnet eine zur Zeit der Handlung (1992) weitläufig noch als "extrem" und "Underground" betrachtete Musikszene eine entscheidende Rolle spielt.

Das mag jetzt auf den ersten Blick vielleicht wie Erbsenzählerei erscheinen. Wenn man allerdings mit der Entwicklung dieser Szene ein bisschen vertraut ist, wirkt es durchaus störend unglaubwürdig, wenn sich die Hauptfigur mal eben spontan mit Corpsepaint versieht, nur um dann gleich wieder eine Megadeth-Scheibe aufzulegen oder alte Priest-Heuler auszupacken. Oder auch, wenn ein Black-Metal-Bandprojekt auf der Bühne auf die Schnelle beschließt, zu einem Melodic-Death-Metal-Stück überzuwechseln. Nach nur ein paar Tagen gemeinsamen Probens übrigens.

Nicht gerade sehr realistisch, solche Momente. Was schade ist, denn sie nehmen METALHEAD ein Stück seines authentischen Charakters, der das spröde, blasse, bisweilen melancholische Außenseiter-Drama ansonsten auszeichnet. Sehenswert ist es natürlich trotzdem allemal, vor allem aufgrund seiner liebevollen Figurenzeichnung, seiner Klischeefreiheit und Natürlichkeit sowie der darstellerischen Leistungen. Insbesondere die Hauptfigur kann völlig überzeugen und wächst einem sehr ans Herz, die von der Enge und Leere ihres isländischen Heimatdorfes wahnsinnig frustrierte, unverstandene Hera, die auch nach sechs Jahren noch nicht im Geringsten über den Unfalltod ihres von ihr vergötterten großen Bruders hinweggekommen ist. Und über das Zelebrieren ihres Metal-Daseins verzweifelt zu provozieren versucht.

Im Kern erzählt METALHEAD natürlich keine neue Story, seine weitgehend nüchtern-authentische Inszenierung und vor allem seine Musik-Thematik (gerade in ihrer speziellen Ausprägung) machen ihn jedoch grundsätzlich definitiv zu etwas Besonderem. Über die gesamte Laufzeit fesseln konnte er mich allerdings nicht – und dass schließlich für meinen Geschmack komplett deplatzierte kuschlige Wohlfühlpädagogik-Botschaften ausgepackt werden, mindert seine ernsthafte Wirkung beträchtlich. Mehr als 6,5 Punkte sind für mich aus den genannten Gründen so letzten Endes nicht drin. Jugenddramen-Freunden dennoch empfohlen.

goutierte im Cinestar, Frankfurt

Giallorossa * 9.0

Hera und ihr Bruder

Dieser Film war wirklich großartig! Durch den Tod des Bruders, der am Anfang nur sehr kurz vorgestellt wird, verwandelt sich Hera zum Metalhead und lehnt sich gegen die kleine Dorfgemeinschaft auf. Auch wenn sie immer wieder sagt, sie wolle in die Stadt gehen, bleibt sie in dem Dörfchen, in dem sich die Tragödie ereignete, hängen. Auch der Song über ihren toten Bruder will einfach nicht fertig werden. Dies ist sehr interessant geschildert mit einer ganz tollen jungen Schauspielerin in der Hauptrolle, mit der man jede Sekunde des Films mitleidet bzw. mitfiebert. Auch interessant zu sehen ist, wie Heras Eltern auf unterschiedliche Weise mit dem Verlust umgehen. Ein toll gespieltes Drama in der perfekten Umgebung Islands! Auch für Nicht-Metalheads geeignet. Für Metalfans natürlich umso mehr!

war im Cinecitta', Nürnberg

Dr_Schaedel S * 7.5

Dieser Review enthält SPOILER!
Schon wieder ein Film, bei dem ich mich frage, warum er ins FFF-Programm aufgenommen wurde. Ein schöner Jugendfilm vor der Kulisse der rauen Natur Islands. Aber sonst…?

Nun gut, es gibt eine drastische Szene, gleich zu Beginn des Films. Aber bei der bleibt es auch (und das ist auch gut so). Und dann gibt es gewisse Schauwerte durch die zahlreichen Referenzen an die Metalszene, inklusive einiger Vertreter, im typischen Habitus. Aber das alleine kann ja doch nicht schon das Exotische ausmachen, das einen Film fürs FFF qualifiziert. Es kann auch nicht Absicht der Festivalkommission gewesen sein, die Szene quasi als Freakshow vorzuführen, das würde nämlich auch die Intention des Films genau ins Gegenteil verkehren.

Aber gut, jetzt lief er nun mal, da kann man ihn auch anschauen. Leider kann man auch wenig mehr dazu sagen als eingangs erwähnt.
Eine isländische Familie muss mit dem Verlust des Sohnes Baldur leben. Jeder leidet, verdrängt, sucht Sinn in seinem Leben. Im Falle der jüngeren Schwester Hera heißt das, dass sie die Leidenschaft ihres verstorbenen Bruders für Heavy Metal absorbiert und sein Leben quasi weiterlebt, Gitarre spielt, seine Bandshirts trägt etc.

Ob sie sich in ihrer subkulturellen Nische wirklich aus Überzeugung einrichtet, das bleibt hingegen ungeklärt. Vom hasserfüllten Metal Chick zur kreuzbraven Strickliesel scheint der Weg nicht weit, und der Vertreter der den Metalheadz so verhassten Institution Kirche bekommt hier auch so viel Zugang zu der armen Seele wie wohl kaum ein anderer auf der Welt. Das ist nicht übermäßig glaubwürdig, vor allem, wenn an anderer Stelle die Kompromisslosigkeit Heras betont wird. Seinen traurigen Höhepunkt findet diese Unentschlossenheit da, wo Hera die Chance bekommt, öffentlich ihre Gefühle hinauszuschreien – und stattdessen in recht gesellschaftsfähige Tonlagen verfällt – schade.

Gar nicht unglaubwürdig finde ich hingegen die Begeisterung der Protagonistin für die diversen, für heutige Metalheadz eventuell etwas angestaubten und eher im Hardrock zu verortenden Bands wie Iron Maiden, Diamond Head und Judas Priest. Zwar ist nicht ganz klar, wann der Film genau spielt (die Shirts und Poster in Heras Zimmer deuten darauf hin, dass Thrash und Black Metal schon Einzug in die Szene gehalten haben, und das Fernsehen berichtet auch schon über brennende Kirchen), aber das spielt auch keine Rolle, denn in Baldurs Zimmer grinst noch Iron Maidens â€Eddie“ von den Wänden, - ein Zeichen, dass die Zeit hier zur Zeit der New Wave Of British Heavy Metal stehen geblieben ist. Und so ist es auch nachvollziehbar, das Hera den Idolen ihres Bruders, der Bands wie Dimmu Borgir und Annihilator nicht mehr erlebt hat, weiter huldigt.

Aber zurück zur Handlung: Meine Erwartung war hier vielleicht etwas hoch. Ich rechnete mit einer viel konsequenteren Zuspitzung der Dinge. Was ich bekam, war ein fast zu versöhnliches Generationenporträt, das, hätte man es statt in Island im bayerischen Voralpenland angesiedelt, durchaus als vierter Teil von Marcus H. Rosenmüllers BESTE ZEIT/GEGEND/...- Trilogie hätte durchgehen können. Eine ländliche Tragikomödie mit gefühlvollen Momenten und leisem Witz, aber letztlich nicht das packende Sozialdrama, das es hätte werden können.

war im Cinema, München

Jimmyjohnjamesmyer S * 5.0

Dieser Review enthält SPOILER!

Dauði Baldurs, mehr Drama als bei Graf Schnickschnack

Bei "Metalhead" hatte ich gleich zu Beginn die Erinnerung an "Hesher", der vor zwei Jahren auf dem FFF lief und ironischerweise auch den deutschen Alternativtitel "Metalhead" trägt. Beide Filme handeln von Familien, die im Verlust eines bei einem Unfall getöteten Angehörigen festhängen, beide Filme haben Metal-Soundtracks und nutzen den Metal-Lifestyle um Drama mit notwendigem Humor zu erleichtern und in diesem Fall den Umgang mit der Trauer zu verbildlichen.

Allerdings ist der Humor in diesem isländischen Film noch sparsamer eingesetzt als bei dem unterhaltsamen Herrn "Hesher", denn wo dieser noch durch übertriebene Coolness und destruktive Stunts glänzte, die den Frust der Trauernden erfrischend aufgebrochen haben, wirkt der Hauptcharakter hier eher nervtötend und künstlich provozierend mit seiner krampfig destruktiven Art.

Mein größtes Problem ist, daß der Film emotional komplett an mir vorbeigesegelt ist, denn wenn der Bruder des weiblichen Hauptcharakters Hera am Anfang stirbt, geschieht das ohne große Einleitung, ohne Aufbau und Klärung der Beziehung zwischen den beiden. Der unvermittelte und ziemlich überstürzte Wandel Heras zu einem Abziehbild ihres Bruders, das mit der beim Bruder entliehenen Musik und dem Image das bäuerliche Dorfleben schockieren will und besoffen Traktoren klaut oder die Schlachterei mit Metalsongs beschallt, wirkte daher auf mich komplett unnachvollziehbar. Durch die extrem krampfige Darstellung des Drama-Aspektes hat mich dann wirklich kaum was emotional in dem ganzen Film ansprechen können.

Im Prinzip sieht man einer Familie beim Trauern zu, wobei sowohl die Darstellung von Heras Revoluzzer-Experimenten als auch die stocksteife Darstellung ihrer Mutter, die ständig mit leerem Blick Fisch brät und aus dem Fenster in die Schneeeinöde glotzt, auf mich etwas sehr hölzern und gezwungen wirkte.

Nachdem Hera dem ganzen Dorf und ihrer Restfamilie so richtig gepflegt auf den Sack gegangen ist, taucht ein herziger neuer Pastor in der Dorfkirche auf und die Hardrock- und Heavy-Metal-Referenzen verschieben sich etwas zur nordischen Black-Metal-Szene. Nach einer wieder mal sehr steifen Einführung in die norwegische Szene via einem reingequetschten Bericht im Fernsehen wird als Reaktion auf eine verschmähte Schäferstunde durch den Pastor mit Iron-Maiden-Tattoo (Überraschung!) dann mal eben die Kirche abgefackelt, bevor Hera sich in eine einsame verschneite Berghütte zurückzieht. Da erscheint ihr dann ohne Scheiß ihr Bruder und alles wird knorke, da die Erkenntnis nun vor ihren Augen rieselt wie der Schnee in den endlosen Weiten der beeindruckenden isländischen Landschaften.

Ja, genau mit solchen Plattitüden glänzt dieser angeblich so tiefe Film, und derer gibt es einige. Die humoristischen Einlagen, wenn plötzlich ein paar nordische Black Metaller vorbeischauen um Heras in Eigenproduktion, vor blökenden Kühen eingespieltes, Black-Metal-Demo zu veröffentlichen während diese, Emo wie sie ist, schon lange wieder den Weg in die christliche Dorfgemeinde gefunden hat, sind sicher herzig. Man kann in dem ganzen Drama schon mal lächeln, wenn die 3 harten Jungs von Muttern am Küchentisch mit Snacks versorgt werden, wenn der Pastor seine Tätowierung entblößt oder wenn Hera ihren Marshall Amp im Kuhstall aufdreht und sich über die gesangliche Unterstützung der Muh-Kühe freut.

Aber die Metal-Referenzen wirken einfach nur halbgar, wenn Hera mit ihrem Lieblingspastor Rock’n’Roll-Klugscheisser-Trivial-Pursuit spielt oder wenn sie mal eben mit 3 Norwegern wild vor der Dorfgemeinde herumjamt und von einem Stil in den anderen improvisiert. Die Erzählweise des Filmes ist leider komplett unrund und die Handlungen der Akteure wirken eher zufällig als dramatisch. Das gipfelt dann auch in einem Finale, das den Eindruck bei mir noch verfestigt hat, daß mich "Metalhead" mehr an ein skandinavisches TV-Drama als an einen Film wie "Hesher" erinnert hat, bei dem am Ende wirklich kein Auge trocken blieb, während mir Heras unnachvollziehbare Zickereien die Augen irgendwann eher gen Armbanduhr wandern ließen.

Schade drum, der Film hatte wirklich charmante Momente, aber insgesamt kommt er nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus. Da hilft auch die monumentale Landschaft nicht, die man ausgiebig im Film zelebriert.

Und daß der tote Metal-Bruder Baldur hieß und man keinen einzigen Burzum-Witz verwurstet hat, nehme ich der Kiste dann noch doppelt übel.

glotzte im Savoy, Hamburg

Leimbacher-Mario * 7.5

Dunkelheit hilft beim Wachsen

Ich bin mittlerweile der Meinung: man muss zwar nicht jede Art von Musik lieben, feiern, verstehen oder dauernd hören - schätzen & respektieren kann man aber durchaus alles. Ein Hip-Hopper muss anerkennen, dass auch AC/DC abartig geile Musik macht & eine Helene Fischer darf ruhig auch Avicii feiern bzw. vice versa. Daher muss man beileibe kein Metal-Fan sein, um "Metalhead" zu mögen (stören tut es mit Sicherheit aber auch nicht). Denn das isländische Drama um ein Mädchen, das ihren großen Bruder verliert & sich in dessen dunkle Metal-Welt begibt, ist weit mehr als nur eine Ode an diese Musikrichtung. Es ist eine verdammt packende Geschichte einer jungen Frau, die über einen tragischen Verlust wegkommen muss & nur schwer erwachsen wird. Dazwischen der Metal als Kitt, Anker & Katalysator.

Obwohl "Metalhead" vor 3 Jahren auf dem FFF der absolute Publikumsliebling war, ist er immer noch ein Geheimtipp. Kein Wunder, schrecken Musik, Thema oder Herstellungsland doch im ersten Augenblick eher ab. Das ist jedoch schade, denn diese Ballade über den Tod & das Wachsen hat das Zeug dazu, sich in jedes Herz zu bohren - egal ob schwarz, weiß oder, am wahrscheinlichsten, ein Grauton. Der Film kommt manchmal etwas zäh & lang rüber, die Geduld zahlt sich jedoch mehr als aus. Überaus emotional, angenehm manchmal durchbrochen durch typisch-trockenen nordischen Humor, erleben wir die Reise eines Mädchens, das nur selten greifbar oder sympathisch wirkt, jedoch tief menschlich, unverstanden & aufgeladen mit kraftvollen Emotionen, die sich dann über den Metal-Lifestyle entladen. Vor allem die Darstellerin der jungen Hera macht ihre Sache grandios & vermittelt genau das richtige Fingerspitzengefühl aus Wut im Bauch & Traurigkeit im Herzen.

Dazu kommt eine karge, aber faszinierende Landschaft Islands samt unterkühlter Bilder & ein (wie zu erwarten) grandioser Soundtrack. Selbst wenn der Film weniger Musik enthält, als man erwarten könnte, ebenfalls weitaus weniger harte Stücke. Was ich als Nicht-Kenner der lauten Materie eigentlich fast schon begrüße. Ich musste über den Film überdurchschnittlich lange nachdenken & er wirkt noch immer nach, was absolut für ihn spricht. Wer also nur den Hauch einer Sympathie für das Genre (Metal oder Coming-Of-Age) besitzt, kommt um "Metalhead" einfach nicht herum. Am Ende ist Kopfnicken & Herz öffnen angesagt. Man ist einer Musikrichtung & einem Mädchen näher gekommen, als man es je vorher erwartet hätte. Dickes Nein plus Ausrufezeichen hinter den Satz, dass Metal nur dumme Depression & flache Aggression ist.

Fazit: die einfühlsame Seite des Heavy Metal - wundervolles Coming-Of-Age-Drama, das man so, selbst als Kenner des Subgenres, noch nie gesehen hat. Einmaliger Clash der Kulturen & Emotionen, zwar nicht ohne Längen, aber unglaublich ergiebig. Diese Reise in die dunkleren Gefilde der Musik lohnt sich!

48 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Metalhead
  • Score [BETA]: 79
  • f3a.net: 8.4/10 48
  • IMDb: 7.4/10
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-08-09 01:27

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