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Review Nina Forever

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Traute Dreisamkeit
von D.S.

Untot wiederkehrende, anhängliche Exfreundinnen scheinen ein bisschen im Trend zu liegen – nach dem letztjährigen Abschlussfilm LIFE AFTER BETH und der Joe-Dante-Klamotte BURYING THE EX geht es nun bei NINA FOREVER schon wieder um dieses Thema. Die titelgebende Nina ist aber kein Zombie im klassischen Sinne. Sie kehrt auch nicht auf übliche Weise zurück. Und überhaupt handelt es sich hier um einen Film mit einer Idee, wie ich sie noch nie zuvor umgesetzt gesehen habe: großartig abseitig, lüstern finster, komplett neben der Spur und sexy wie die Hölle.

Rob kommt über den tragischen Tod seiner Freundin nicht hinweg, hängt ihr ungebrochen hinterher und wird das wohl auch noch ewig tun – nicht zufällig ziert seinen Rücken das Tattoo „Nina forever“. Seine depressive, verletzliche Aura macht ihn höchst anziehend für die erst 19-jährige Holly, die von allen für ein liebes Mädel gehalten wird und auch über ein ausgeprägtes Helfersyndrom verfügt; ebenso aber über eine wilde, kinky Seite. Die braucht sie auch, wenn sie es mit Rob aushalten will, denn Blümchensex ist nicht – hier geht es blutig und bizarr zur Sache: Als die beiden zum ersten Mal im Bett landen, bleiben sie dort nämlich nicht allein. Plötzlich schält sich ein zerstörter Klumpen Fleisch aus den Laken. Es handelt sich um Nina im Zustand ihres Todes, die anscheinend vom „Fremdgehen“ ihres ihr ewige Treue geschworen habenden Exfreundes heraufbeschworen wurde.

So genau kann sich das frische Pärchen ihre Anwesenheit aber nicht erklären – und der Film lässt sie wie uns über lange Zeit im Dunkeln darüber, was die wahren Gründe für ihr Auftauchen sind. Es wiederholt sich jedenfalls bei jedem weiteren Akt von Zweisamkeit, und bald nicht mehr nur dann... worauf Holly und Rob nach anfänglicher Bestürzung aber schnell recht pragmatisch reagieren. So einfach lässt sich Holly jedenfalls nicht vertreiben. Nina aber auch nicht...

NINA FOREVER hat sich glücklicherweise dafür entschieden, seine bizarre Grundidee nicht als Basis für eine weitere Zombie-Comedy oder eine alberne Nonstop-Gagparade zu nutzen. Der Humor ist hier viel schwärzerer Natur und oftmals zynisch bis tiefgründig. Hinzu kommen brillante Dialoge – gerade von Nina als arrogante, auf ihrem „Eigentumsrecht“ beharrende Zicke, die Holly unverschämt herabzuwürdigen versucht, was diese allerdings ebenso beharrlich kontert. Und wirklich beeindruckende Schauspielerleistungen, vor allem von den beiden Hauptdarstellerinnen.

Ein äußerst ungewöhnlicher, überraschender, intelligenter kleiner Film mit viel Gespür für die Zwischentöne des Absurden, extremen Mengen Blut und vollem Körpereinsatz, makabrem Witz und so unverbrauchter wie morbider Ausstrahlung: Wäre das Wort nicht so verbraucht, würde ich „Geheimtipp“ sagen. 7 Punkte, klare Empfehlung.

staunte im Cinestar, Frankfurt

48 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Nina Forever
  • Score [BETA]: 74
  • f3a.net: 5.7/10 48
  • IMDb: 6.6/10
  • Rotten Tomatoes: 100%
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2020-01-22 00:56

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