s Tone-Deaf (2019) Review - Fantasy FilmFest Mobil
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Reviews Tone-Deaf

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Reviewer

Alexander * 8.0

Das etwas andere Amerika, oder?

Richard Bates jr. lässt erneut die Leinwand qualmen, dass es eine Lust ist. Schon sein irrwitziger „Excision“ konnte mich seinerzeit dermaßen begeistern, dass ich damals schon die hier selten zu vergebene Höchstpunktzahl von 10 Sternen proklamieren musste.

Und auch mit „Tone Deaf“ bleibt er seinem Stil treu, alberne Situationskomik mit subtilem Humor und einem grotesk-blutigen Horror in einer aberwitzigen Symbiose zur perfekten Unterhaltung zu paaren.

Das kommt dann rüber wie eine Art auf Niveau hochgepumpter Fun-Splatter mit grandiosem Dialogwitz und herrlich albernen Szenen. Ein richtig bös enthemmter Schwachsinn mit einer superben Amanda Crew als total verpeilte Mittzwanzigerin der Generation-Y in einer vollkommen absurden Story, die man am besten noch als Persiflage auf Hitchcocks Meisterwerk „Psycho“ interpretieren könnte.

Denn „Bates Motel“ (nettes Wortspiel) stand hier mit Garantie in so mancher der irren Szenen Pate. Alfred mag sich vielleicht in seinem Grabe umdrehen, aber mir hat das unglaublich gut gefallen.

Und wenn sich der seine Rolle einfach nur perfekt spielende Robert Patrick grimmig und mit bösem Blick immer wieder dem Zuschauer zuwendet und seinen Abscheu auf die junge Generation und deren Lebens-Stil in die Kamera speit, dann fühlt man sich schlimmstenfalls ertappt, bestenfalls aber grandios bespaßt. Der Blick auf das etwas andere Amerika sitzt so perfekt das man feixend jauchzen möchte. Fast ist man versucht mit Mr Bates zu sympathisieren, dessen psychopathische Tendenzen zumindest bei mir fast auf so etwas wie tiefes Verständnis zu treffen schienen. Das ist große Kinokunst.

Was für ein Spaß. Ich mag normalerweise keine „lustigen“ Horrorfilme, aber was hier abgeht ist so genial pointiert und intelligent gemacht, das man den Film einfach gut finden muss. Mein bisheriger Favorit in diesem Jahr.

D.S. * 7.5

Großer schwarzer Spaß

Schmerzhaft schön, schön schmerzhaft: TONE-DEAF ist einerseits der bislang am leichtesten zu konsumierende Film von Richard Bates Jr. – denn bereits seine Oberflächenreize sind so stark ausgeprägt, dass sich hier eigentlich jeder Genrefan blendend unterhalten sollte. Durchgängig temporeich, laut, buchstäblich bunt und in einigen Szenen ganz schön brutal (wenn auch selten explizit): Langeweile kommt definitiv niemals auf und es gibt ausreichend Höhepunkte, um den Puls beim Betrachter hoch zu halten.

Andererseits ist es auch sein vielleicht bösartigster Film bisher, und wirklich großen Spaß dürften damit nur Leute haben, die über eine ausgeprägt fiese bis zynische Ader verfügen. Hier bekommt nämlich so ziemlich jede gesellschaftliche Gruppe ihr Fett weg, und dabei wird nicht zimperlich zu Werke gegangen. Vor allem natürlich die verknöcherten Alten, die als gemeingefährlich senile, rassistische Betonkopf-Spießer gezeichnet werden (und deren Zeichnung jeden Jungen und Junggebliebenen vor entsetzter Freude jubeln lassen dürfte); ebenso aber auch die zu oft verhätschelten, sich selbst überschätzenden und dabei massiv planlosen bis lebensunfähigen Millenials; die eskapistische Hippie-Eltern-Generation; die tumben Rednecks, die lifestyle-optimierten Großstadt-Hipster.

All diese Gruppen werden von Bates in massiven Konflikt miteinander gebracht, und wenn das Ganze in Summe doch vor allem als deprimierende Substanzanalyse der Trump-USA gelesen werden muss und für den europäischen Betrachter vieles grotesk übertrieben wirkt, schadet eine solche Überspitzung dem Unterhaltungswert natürlich nicht – im Gegenteil.

Eine junge, urban-liberale Frau auf der Flucht vor dem enttäuschenden Alltag, die es mit den Monstrositäten des Hinterland-Machismus zu tun bekommt, der sich als außerordentlich facettenreich bedrohlich entpuppt; das ist im Wesentlichen die Story des Films. Er hat jedoch nicht nur unter der Oberfläche, sondern auch in seiner Handlung wesentlich mehr zu bieten – was ihn paradoxerweise für mich persönlich in der Endwertung ein bisschen herunterzieht: denn es gibt hier zahlreiche Szenen zu erleben, welche die Story nicht voranbringen und wie zufällig hereingestreut wirken.

Teilweise wirkt TONE-DEAF daher fast wie ein Sammelsurium schräger Ideen, nicht immer fokussiert und geradlinig erzählt – aber grandios unterhaltsam. Ein kleines Highlight, und 7,5 Punkte absolut wert.

staunte im Harmonie, Frankfurt

Herr_Kees * 8.0

„What do people do for fun out here?“ – „Drugs!“

Keiner schreibt so herrlich sarkastische Dialoge wie Richard Bates Jr. Nach dem letzten okayen TRASH FIRE schwingt er sich mit TONE-DEAF wieder zur Hochform auf, sogar die knalligen surrealen Traumsequenzen à la EXCISION sind zurück und auch AnnaLynne McCord schaut (viel zu kurz) vorbei!

Der Minimalplot des verbitterten Wittwers, der auf seine alten Tage gerne mal noch gewusst hätte, wie es ist, einen Menschen zu töten und dann wider Erwarten auf den Geschmack kommt, bildet den Rahmen für köstlich komische Szenen, schräge aber irgendwie immer authentisch wirkende Figuren und bissige Verbalduelle. Natürlich beschwert sich Olive, ganz Millennial, dass ihr potenzieller Mörder mit einem Tomahawk auf sie losgeht – von wegen „cultural appropriation“.

Witzig, blutig und sogar ein bisschen emotional – ein Highlight!

guckte im Metropol, Stuttgart

Leimbacher-Mario * 7.0

T(rump)-1000

Baby Boomer gegen Millenials, ein Hardliner gegen Weltverbesserer in weich,
um diesen Film zu verstehen, muss man aber nicht zwingend gucken über den großen Teich.

Richard Bates Jr. hat den Dreh eines kleinen Kultis einfach raus,
mit seiner rotzigen Art bleibt er wohl ewig jedes großen Studios Graus.

In seinem neuesten Erguss lässt er eine Hipsterin in die Mietvilla eines psychopathischen Killers ziehen,
und vor allem vor der Leistung des gealterten Terminators will man vor Begeisterung knien.

Es geht ruppig und hart und biestig voran,
zieht dieser Sturm des Wahnsinns sicher auch mit gehörig Provokation in seinen Bann.

Die Welt spaltet sich momentan leider wirklich in links und rechts,
doch ein aggressiver Kampf der beiden Seiten zum Glück nur auf der Kinoleinwand wäre wohl auch im Sinne Berthold Brechts.

Bei „Tone-Deaf“ ist der Name Programm,
leise Töne und Metaphern bringt dieser Direktangriff eher weniger an den Mann.

Vielleicht werden durch solch eine Übertreibung beide Seiten mal etwas wachgerüttelt,
denn voran kommen wir auf Dauer nur, wenn man sich endlich mal zusammensetzt und die Vorurteile abschüttelt.

„Tone-Deaf“ ist kein zweiter „Excision“ und Bates Werke fühlen sich in letzter Zeit immer etwas an wie 'ne Fingerübung,
doch das gibt dem Spaß und der Kurzweile und der Attitüde nur ganz wenig Trübung.

Das ist Airbnb ganz nach meinem Geschmack,
irgendwo zwischen Hillary und Donald, zwischen E-Auto und Diesel, den Grünen und der AFD, vegan und Hack.

Wie ein Fickfinger in alle Richtungen, ein Drogentrip mit Tomahawk,
schmeckt dieser Selbstgebrannte gleichermaßen nach Wut, Frust, Blut und Kork.

Fazit: politisch unkorrekt, fies, fröhlich, bitterböse, pechschwarz, brutal und surreal - Richard Bates Jr. weiß einfach wie Midnight Madness geht! Selbst wenn er, trotz eines hervorragend aufgelegten Robert Patrick, nicht mehr ganz an seinen Höhepunkt heranreicht. Dennoch: sehr unterhaltsam! Und vielleicht sogar wichtig.

war im Residenz, Köln

26 Bewertungen auf f3a.net

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Bewertungen

Tone-Deaf
  • Score [BETA]: 51
  • f3a.net: 6.4/10 26
  • IMDb: 5.2/10
  • Rotten Tomatoes: 38%
Bewertungen von IMDb, Rotten, Meta werden zuletzt vor dem Festival aktualisiert, falls verfügbar!
© Fantasy FilmFest Archiv 2019-09-19 10:16

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